Alltag, Lektüre, Lust

Lektüre: Fahrstil

Wie alle Special-Interest-Gruppen werden auch RadfahrerInnen an den gut gefüllten Zeitschriftenregalen im (Bahnhofs-)Buchhandel fündig: ob Rennrad oder Mountainbike, Pedelec oder BMX, Singlespeed oder Tourenrad – fast jedem Fahrradtyp widmet sich ein thematisch bzw. technisch fokussiertes Medium. Dabei kann man grob unterscheiden zwischen den produktorientierten Medien (Tests und Berichte zu aktueller Technologie und Neuerscheinungen, viele Markenerwähnungen, viele Anzeigen und Kleinanzeigen, typisches überladenes »Fachzeitschrift«-Layout, niedriger Preis) und den eher feuilletonistischen (Lange Texte über viele Seiten ohne direkten Aktualitäts- und Marktbezug, eher seltene Erwähnung von Marken, weniger Anzeigen, großzügigeres Layout, hoher Preis).

Zur zweiten Gruppe gehört »Fahrstil«, das sich im Untertitel »Das Radkulturmagazin« nennt. Völlig zu Recht, denn das Magazin bietet reflektierende Texte auf hohem stilistischen Niveau. Aufmerksam geworden bin ich bereits auf Ausgabe 9 (»Gummi«), und auch die aktuelle Ausgabe 10 (»Leichtsinn«) konnte ich anfangs nur schwer aus der Hand legen. Zwar liegt der Preis mit 15 Euro klar in der obersten Region dessen, was bei inländischen Zeitschriften üblich ist – aber für ein Vierteljahresmagazin mit mehr als 160 Seiten, das redaktionelle Inhalte sauber von den Interessen der Anzeigenkunden trennt, ist das nicht zuviel.

Habe das Abo schon abgeschickt – klasse Heft, das seinem Untertitel wirklich gerecht wird …

Habe das Abo schon abgeschickt – klasse Heft, das seinem Untertitel wirklich gerecht wird …

Besonders angetan haben es mir – neigungsbedingt – zwei Berichte zu etwas längeren Touren: Die winterliche 200 km-Rundfahrt um Berlin herum, die Lennart Selling gewagt hat, und Gunnar Fehlaus Vorbereitung auf die »Tour Divide«, die 4418 Kilometer entlang der nordamerikanischen Wasserscheide vom kanadischen Banff nach Antelope Wells an der Grenze zu Mexiko. Beide Texte verdeutlichen, wie wichtig die Vorbereitung auf lange(n) Touren ist – und wie unwägbar und überraschend trotzdem die konkrete Tour dann sein kann. Spannend geschrieben sind beide Texte, und in beiden schimmert das durch, was mir bei langen Touren eigentlich am besten gefällt – das Gefühl/Bewusstsein, ein kleiner Mensch in einer fast unendlichen Weite zu sein einerseits, andererseits diese Weite mit eigener Kraft und in durchaus passabler Zeit (mit dem Rad) zu durchqueren …

www.fahrstil-magazin.de

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