Alltag, Fixie, Lust, Mensch-Maschine, Single Speed

Mal eben „fix“ nach Sommerhausen …

Gestern waren wir – wie jedes Jahr – bei Üd zum Geburtstag eingeladen. Doch dieses Jahr ist alles anders: Üd wohnt nicht mehr in Grombühl, sondern mittlerweile in Sommerhausen. Und meine Frau ist unabkömmlich, denn im Blindeninstitut (ihrem Arbeitsplatz) ist Tag der offenen Tür plus Personalfest. Unser Jüngster begleitet sie (und hilft an der Kasse), während unser Ältester sich mit einem Freund trifft und bei diesem auch übernachtet. Also muss/darf ich alleine die Familie auf der Grillfeier in Sommerhausen vertreten …

… und ich warte erstmal bis Abend: Der Tag ist leidlich verregnet, aber die Wetter-App (Apps lügen nicht) meldet für den Abend keine weiteren Regenfälle. Offizieller Beginn ist zwar 16 Uhr, aber ich lasse Kaffee und Kuchen aus, stattdessen verbringe ich den Nachmittag in der trockenen Werkstatt (Stahlrahmen schleifen), gehe nochmal zum Krafttraining, und bin kurz vor 19 Uhr startbereit. Natürlich werde ich mit dem Rad fahren, und da ich momentan fast nur mit dem Single-Speed unterwegs bin, fällt die Wahl auch auf dieses. Es handelt sich um ein SE Lager, das ich im Winter recht günstig neu erstanden habe (330 statt 550 Euro), als ich nach Laufrädern für ein Eigenbau-Fixie suchte.

SE Lager 2012 mit weissen Reifen und "Riser Bar" (Lenkerform) …

SE Lager 2012 mit weissen Reifen und standardmäßigem „Riser Bar“ (Lenkerform) …

… und mit Bullhorn-Lenker, so wie ich es fahre.

… und mit Bullhorn-Lenker, so wie ich es fahre.

Das besondere am „Lager“ ist die „Flip-Flop-Nabe“ hinten, d.h. auf beiden Seiten befindet sich ein Ritzel mit 17 Zähnen – eine Seite mit Leerlauf, eine Seite Starrgang (Fixed) ohne Leerlauf: dreht sich das Hinterrad, drehen sich die Pedale. Irgendwo hatte ich gelesen, dass Fixed-Fahren ein gutes Training für Rennrad-Fahrer wäre (Kurbeln, kurbeln, kurbeln …), aber bergab – und in Würzburg geht es teilweise eben auch bergab – macht Fixed mir überhaupt keinen Spass. Schon mehrmals flogen die Füße von den Pedalen – unmöglich, sie bei 120 UPM wieder auf dieselben zu bekommen, und ein lächerlicher Anblick, breitbeinig den Berg hinabzusausen und verzweifelt mit den Handbremsen zu bremsen.

Für die Fahrt zu Üd allerdings – ca. 30 km hin und zurück, schön eben am Main entlang – habe ich das Hinterrad mal wieder auf Fixed gedreht. Also nonstop kurbeln, von meiner Garagentür bis zu Üds Haus und zurück, und das bei einer festen Übersetzung von 1:2,7 (46:17 Zähne). Da ich die meiste Zeit mit Leerlauf fahre – auch mit diesem Rad – tue ich mir schwer mit dem Umdenken bei überraschenden Bremsmanövern (Gruß an die beiden Damen mit dem Riesenhund, die den gesamten Fuß- und Radweg bei Randersacker belegt haben und völlig unberechenbare Bewegungen vollführten – macht Ihr das auch an Straßen, auf denen Autos fahren?). Andererseits bietet der ganz eigene „Flow“ – die Pedale kommen die ganze Zeit „von alleine“ – ein tolles Gefühl, man ist noch viel mehr im Einklang mit dem Antrieb, denn die Bewegung ist kontinuierlich: nicht eine Sekunde stehen die Beine still (so wie beim Leerlauf ab und zu mal), sondern rotieren nonstop.

Die Fahrt hin und zurück ist klasse, und auch vor Ort in Sommerhausen ist es spannend: Das Rad erregt Aufmerksamkeit, und ich komme innerhalb kürzester Zeit sofort ins Fachsimpeln mit einem weiteren Gast, der sich als konsequenter Alltagsradler (mindestens 20 km täglich) und passionierter Schrauber outet. Ein weiterer Gast hat mich vor 2 Tagen im Berliner Ring fahren sehen und kann sich an das Rad erinnern … man kann über die Optik geteilter Meinung sein (das Blau ist sicher nicht jedermanns Sache, und auch die Reifenfarbe wurde schon mal kritisch kommentiert), aber eines ist gewiss: Das Rad fällt auf – und ich habe bisher zu keinem meiner Räder Komplimente bekommen, zu diesem schon vermehrt: Frauen und Männer bezeichnen es als „schönes Rad“, und ich will dem nicht widersprechen. Denn: es fährt sich auch schön …

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