Ehrgeiz, Lust, Rennrad, Tour 100–200 km

Rhöner Kuppenritt 2013

Gestern war es soweit – ich bin zusammen mit Markus Westendorf über die Rhöner Kuppen geritten! Im folgenden möglichst kompakt ein Überblick über den Tagesverlauf.

5.30 Uhr – Aufstehen, Frühstück, Kaffee & Morgenzigarette, dann 2 Rucksäcke packen (1 für die Radtour unterwegs, 1 für die Dusche im Sportheim des TSV Brendlorenzen nach der Tour). Um 6.45 Uhr will ich Markus in Winterhausen mit dem Auto abholen, die Räder liegen hinten drin (ich war zu faul, den Träger aufs Dach zu montieren).

6.55 Uhr – Bin schon leidlich pünktlich in Winterhausen, aber Markus braucht nur 2 Minuten, dann ist alles verstaut und wir auf dem Weg nach Bad Neustadt.

8.05 Uhr – Wir verstauen unsere Stempelkarten und befestigen die Startnummern, trinken einen Kaffee, ich rauche noch eine Zigarette – haben die früher bei der Tour de France auch gemacht, ganz am Anfang 🙂

8.10 Uhr – Abfahrt. Gleich hinter Brendlorenzen, vor Hohenroth hängen wir uns an eine 3er-Gruppe, die ein strammes Tempo vorgibt, und folgen ca. 15 Kilometer bis Haard, bevor wir auf unser eigenes Tempo wechseln. Wir überholen immer wieder Trekkingräder, am Klaushof schieben sogar schon welche … naja, man kanns auch übertreiben.

Show me the way to the next Coffee Bar … Markus besorgt uns erstmal 2 Kaffee.

Show me the way to the next Coffee Bar … Markus besorgt uns erstmal 2 Kaffee.

Gewusel am Start – viele, viele MTB-Fahrer (nachvollziehbar die beliebteste Fahrradart in der Rhön).

Gewusel am Start – viele, viele MTB-Fahrer (nachvollziehbar die beliebteste Fahrradart in der Rhön).

Nett: Die kleine Werkstatt, falls es noch irgendwo zwickt.

Nett: Die kleine Werkstatt, falls es noch irgendwo zwickt.

Abfahrt: Aus Platzgründen habe ich mir meine Nummer vertikal auf den Rucksack gepinnt. Dahinter: Das Arbeitsgerät für diesen Tag …

Abfahrt: Aus Platzgründen habe ich mir meine Nummer vertikal auf den Rucksack gepinnt. Dahinter: Das Arbeitsgerät für diesen Tag …

9.35 Uhr – Kontrollstelle 1 nach Poppenroth (ca. 30 km gefahren). Einigermaßen aufgeregt hole ich mir meinen ersten Stempel ab. Die Fahrt bisher verläuft entspannt, obwohl sich der Anstieg am Klaushof hoch schon etwas gezogen und mich daran erinnert hat, warum ich als Kind/Jugendlicher nicht wirklich begeisterter Radfahrer in der Rhön war (ich befinde mich aktuell keine 10 km Luftlinie von meinem Elternhaus entfernt). Nach einer wüsten Mischung aus Schmalzbroten und Obst fahren wir weiter. Denn nun folgt wieder meine „Lieblingsetappe“: Ab Burkardroth zum Kreuzberg hoch, mit dem ewig langen Anstieg ab Gefäll. Aber: es fehlen mindestens 25 km meiner üblichen Würzburg-Distanz, so dass es doch einigermaßen flott hoch geht, und selbst am Kreuzberg komme ich langsam, aber sauber hoch. Ja, so soll das sein …

Erster Kontrollpunkt nach Poppenroth – ein mächtiges Gewusel: Schmalzbrot, Obst und Energieriegel stehen für den Rest des Tages an den Kontrollpunkten zur Verfügung, dazu diverse Getränke (Apfelsaftschorle, Bionade, Isotonisches Zeug und einfach nur Wasser). Die Energieriegel fasse ich nicht an, aber die Zahl der verzehrten Schmalzbrote wird heute im 2-stelligen Bereich liegen …

Erster Kontrollpunkt nach Poppenroth – ein mächtiges Gewusel: Schmalzbrot, Obst und Energieriegel stehen für den Rest des Tages an den Kontrollpunkten zur Verfügung, dazu diverse Getränke (Apfelsaftschorle, Bionade, Isotonisches Zeug und einfach nur Wasser). Die Energieriegel fasse ich nicht an, aber die Zahl der verzehrten Schmalzbrote wird heute im 2-stelligen Bereich liegen …

Markus mit Wassermelone – davon habe ich auch etliche gegessen.

Markus mit Wassermelone – davon habe ich auch etliche gegessen.

11.15 Uhr – Kontrollpunkt 2 am Kreuzberg (ca. 60 km gefahren). Hier treffen alle Routen zusammen, entsprechend groß ist der Andrang auch hier. Und wieder schlage ich zu bei Schmalzbroten und Obst – und trinke zum ersten Mal in meinem (erwachsenen) Leben kein Kreuzbergbier, nicht mal eine Halbe. Ein absolut denkwürdiger Tag – aber heute steht der Tag im Zeichen von Sport pur (was immer ich mir darunter auch vorstellen mag), und ich fühle mich herrlich fit. Das Gröbste dürfte schon ziemlich geschafft sein, oder?

2. Kontrollpunkt Kreuzberg – auch hier wieder viel Betrieb, da hier fast alle Routen (MTB und Rennrad) zusammenlaufen und die zeitliche Differenz untereinander auf den Routen noch nicht so groß ist.

2. Kontrollpunkt Kreuzberg – auch hier wieder viel Betrieb, da hier fast alle Routen (MTB und Rennrad) zusammenlaufen und die zeitliche Differenz untereinander auf den Routen noch nicht so groß ist.

Nochmal Kreuzberg.

Nochmal Kreuzberg.

11.45 bis 16.30 Uhr – Eine super Abfahrt nach Bischofsheim, aber auf der anderen Seite, hoch nach Oberelsbach, fühle ich mich, als hätte ich doch 2 Halbe am Kreuzberg getrunken. Markus bemerkt, dass wir mittlerweile alleine unterwegs sind – stimmt die Route? Lassen die anderen die heiße Mittagssonne aus? Egal, wir fahren weiter. Bis Fladungen (90 km) kenne ich die Strecken ganz gut, jetzt wird es auch für mich spannend: wir fahren in die thüringische Rhön (Gemeinde Rhönblick). Die Gegend kenne ich nur von Karten und meinem Routenplaner her – und bin erstaunt, was da für Anstiege auftauchen! Gut, es gibt dann auch wunderschöne Abfahrten, teils in halsbrecherischen (!) Serpentinen, aber ich merke, wie meine Reserven schwinden – Markus sehe ich immer öfter weit vor mir, und an einem knackigen Anstieg überholt mich ein mindestens 70-Jähriger (!!), sowie dessen Begleiter, die wir schon am Kontrollpunkt Kaltensundheim (105 km) getroffen haben. Aber hey: Ich fahre seit einem (!) Jahr Rennrad, der alte Herr macht das vermutlich schon seit Jahrzehnten, und von denen steckt einiges in seinen Beinen. Auch Markus sagt mir nach einem harten Anstieg, der sei ihm „richtig schön in die Beine gelaufen“. Hmm, ja, genau … sehe ich ähnlich, nur anders 🙂

Die Streckenführung ist leicht geändert gegenüber der Route, die ich mir heruntergeladen habe – und Anstiege der Gemeinde Rhönblick ziehen mir fast alles aus den Beinen, was da noch drin sein müsste für das letzte Viertel. Außerdem: es ist heiß, heiß, heiß. Die Sonne sengt, schattige Waldstrecken sind definitiv in der Unterzahl. In Völkershausen (135 km) sehe ich Markus – er war mal wieder ein Stück vor mir – am Dorfbrunnen. Kein Trinkwasser, aber kaltes Wasser: Ich halte ebenfalls und schöpfe mehrmals mit dem Helm aus dem Brunnen auf meinen Kopf. Ich bin derangiert, ok, aber noch kann ich stehen – und fahren. Aber ich werde fahrig – gerade bei den Abfahrten bringe ich kaum noch die nötige Konzentration auf, mehr als einmal komme ich in den Kurven zu weit von der Ideal-Linie ab, und auch beim Bremsen werde ich immer nervöser. Nicht gut, Jochen: Aufpassen!

Letzter Kontrollpunkt ist Ostheim (150 km). Wie schon in Kaltensundheim sind auch hier nur noch eine Handvoll Fahrer unterwegs auf den „sportlichen“ Routen – vermutlich sehen alle stabiler aus als ich, und sind es auch, aber ich kann immer noch stehen – und Schmalzbrote und Obst essen und Bionade trinken. Außerdem sind wir wieder in mir bekanntem Terrain, da kommen zwar noch ein paar Hügel, aber keine wirklichen Mörderanstiege mehr …

… allerdings empfinde ich nun auch die Hügel als mörderisch: Meine Beine sind durch, ganz klar. Inzwischen sind wir 2350 Höhenmeter geklettert – mehr, als ich bisher gemacht habe. Ich ertappe mich dabei, dass ich auf meinem Tacho nicht mehr nach den UPM der Beine schaue, sondern nach abgefahrenen Höhenmetern und Kilometern, um mir selbst gut zuzureden: Bald ist es vorbei!

Inzwischen kommen wieder mehr Abfahrten, und ich mobilisiere die letzten Reserven. Markus sehe ich weiter vorne fahren, und bei Oberwaldbehrungen überholt mich ein anderer Radler, dem ich aber folgen kann (Windschatten – man hat ja nun doch ein bisschen was gelernt bezüglich Fahrtechnik). Er ist ebenfalls mit einem Freund unterwegs als Paar, so wie Markus und ich, aber von dem fehlt aktuell auch jede Spur. Als er nach einer Weile merkt, dass ich ihm folge, zieht er das Tempo an – nicht, um mich abzuhängen, sondern weil er glaubt, ich wäre sein Kumpel. Wir überholen vor Unterwaldbehrungen einen Heuwagen mit über 50 km/h, und ich nutze den Speed und ziehe auch an ihm vorbei (auch, damit er wieder langsamer macht und auf den richtigen wartet). Markus erwische ich an der Einfahrt Simonshof, nun geht es auf die Zielgerade über Bastheim und Wechterswinkel nach Lebenhan und dann: Touchdown … theoretisch. Praktisch kommt der Radler samt Kumpel wieder an mich ran, überholt und fährt mir im Trio mit Markus langsam, aber sicher davon. Ich kann den Anschluss nicht mehr halten, und vor Lebenhan ziehen die beiden davon, während ich zu Markus aufschließe und wir gemeinsam die Tour im Ziel um ca. 16.35 Uhr beenden.

Die Lebensgeister kehren wieder zurück, die dritte Zigarette des Tages schmeckt (!) super (!!), die 2 Biere ebenso. Urkunden abholen, Duschen, Abfahrt – kurz vor 19 Uhr setze ich Markus in Winterhausen ab, 19.10 Uhr bin ich wieder zuhause in Würzburg. Erst in der Wohnung merke ich, wie fertig ich tatsächlich bin, und pendele an diesem Abend nur noch zwischen Sofa und Balkon, bevor ich kurz nach 22 Uhr ins Bett falle. Ohne Lektüre, ich schlafe sofort und tief und fest ein.

Fazit: Ein ordentliches Paket an Leistung, die ich mir abverlangt habe, aber auch das gute Gefühl, diese Leistung bringen zu können. Mit etwas mehr und gezielterem Training lassen sich vermutlich ein paar Schwächen ausbügeln, und es ging ja nicht auf Zeit, sondern nur auf Durchhalten. Also: nächstes Jahr wieder.

Im Ziel: Markus und ich stemmen erstmal ein köstliches Bier (kommt gleich noch eins hinterher).

Im Ziel: Markus und ich stemmen erstmal ein köstliches Bier (kommt gleich noch eins hinterher).

Festatmosphäre, aber die meisten Biker sind wohl schon wieder weg – dafür viel Familien mit Kindern. Es ist fast 17 Uhr, in 1 Stunde ist Kontrollschluss und das "Rennen" offiziell beendet.

Festatmosphäre, aber die meisten Biker sind wohl schon wieder weg – dafür viel Familien mit Kindern. Es ist fast 17 Uhr, in 1 Stunde ist Kontrollschluss und das „Rennen“ offiziell beendet.

Soll mal jemand was von Mangelernährung sagen: Die Schmalzbrotdiät wird beendet mit Currywurst und Pommes (Wellenschnitt, Pommes-Gewürz – das gibt Punktabzug in der Gesamtwertung, lieber TSV Brendlorenzen!).

Soll mal jemand was von Mangelernährung sagen: Die Schmalzbrotdiät wird beendet mit Currywurst und Pommes (Wellenschnitt, Pommes-Gewürz – das gibt Punktabzug in der Gesamtwertung, lieber TSV Brendlorenzen!).

Nochmal der schnelle grafische Blick auf die Tour (die härtere Variante in Rot für die ganz Verwegenen, zu denen ich mich nicht zähle).

Nochmal der schnelle grafische Blick auf die Tour (die härtere Variante in Rot für die ganz Verwegenen, zu denen ich mich nicht zähle).

Stempel-Karte – an den Kontrollpunkten gabs unterschiedliche Motive, Unterebersbach/Bad Bocklet lagen nicht auf unserer Route.

Stempel-Karte – an den Kontrollpunkten gabs unterschiedliche Motive, Unterebersbach/Bad Bocklet lagen nicht auf unserer Route.

JA! Meine erste Urkunde für eine sportliche Leistung seit  meiner letzten Teilnahme als Gymnasiast an Bundesjugendspielen irgendwann um 1985 herum …

JA! Meine erste Urkunde für eine sportliche Leistung seit meiner letzten Teilnahme als Gymnasiast an Bundesjugendspielen irgendwann um 1985 herum …

Statistik:

170 Tageskilometer
7:29:04 reine Fahrzeit
22,72 km/h Durchschnitt
75,24 km/h max.
67 UPM Durchschnitt
2576 m Tageshöhe
868 m max.

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