Alltag, Ehrgeiz, Lust, Rennrad, Tour 100–200 km

Tour: Würzburg – Münnerstadt und zurück

Am Samstag, 20. Juli, war mal wieder Abi-Treffen angesagt – 25 Jahre ist das nun schon wieder her … und Treffpunkt war wieder in Münnerstadt, wo wir gemeinsam die Schulbank drückten – ich nur die letzten 2 Jahre mit dieser Klasse, da ich seinerzeit freiwillig G10 machte, nachdem mich meine Englischlehrerin im Leistungskurs hat auflaufen lassen. Kein Witz: Ich habe die 12. wiederholt, bei einer anderen Lehrerin wieder den Leistungskurs Englisch belegt, und souverän beendet inklusive Facharbeit. Glücklicherweise sind die LehrerInnen inzwischen ja unvoreingenommen gegenüber den SchülerInnen …

20130720-Wuerzburg-Muennerstadt

Ich habe schon im Vorfeld den Samstag für mich geblockt, und per Mail der Klasse mitgeteilt, dass ich ein Relish als Beilage zum Grillen mitbringen werde. Das kann ich nämlich im Rucksack transportieren, und das Grillgut frisch vor Ort in Münnerstadt kaufen … denn natürlich habe ich mir den Tag gleich mal wieder als Tourentag auserwählt. Münnerstadt liegt ca. 60 km nördlich von Würzburg: wenn man auf der B 19 (bzw. B 287) fährt, mehr oder weniger pfeilgerade hoch. Ich entschließe mich jedoch für die Runde über Schweinfurt, d.h. von Würzburg aus bis Schweinfurt über Prosselsheim, Eisenheim, Wipfeld und Bergrheinfeld, nach Schweinfurt weiter über Dittelbrunn, Hambach, Pfändhausen und Rannungen bis Münnerstadt. Der Tag ist sonnig, sehr sonnig, und ich breche um ca. 9.15 Uhr auf, um vor der ärgsten Mittagssonne in Münnerstadt anzukommen.

Bis Eisenheim ist es relativ ruhig auf den Straßen (Würzburg – Gerbrunn – Rottendorf – Euerfeld – Seligenstadt – Prosselsheim), Samstag Vormittag eben. Vor Untereisenheim folge ich dem ausgeschilderten Fern-Radweg, auf dem mir nun bis Schweinfurt immer wieder ältere Damen und Herren auf ihren z.T. ziemlich beladenen Tourenrädern entgegenkommen, immer grüppchenweise. Es ist schön zu sehen, wie immer mehr Senioren nicht mit ihrem lebenslang erarbeiteten Mercedes durch die Gegend zuckeln, sondern mehrtägige Radtouren mit Gepäck unternehmen. Dabei sehen sie auch viel zufriedener aus als die verhärmten Auto-Rentner, die alles anhupen, was keinen Motor hat.

Die Strecke ist angenehm, es duftet nach Ernte (noch etwas Heu, aber schon vermehrt Getreide) – ich pedaliere mit gemütlichem Tempo dahin. Bald schon tauchen die Kühltürme des AKW Grafenrheinfeld im Blick auf, riesengroß, und geben Orientierung (Karte und GPS-App habe ich mir schon ziemlich abgewöhnt – lieber mal überraschen lassen). Um kurz nach 11 Uhr fahre ich in Schweinfurt ein, fahre aber zügig durch, verfranse mich etwas in Dittelbrunn (abenteuerliche Beschilderung für Radfahrer, zumindest teilweise) und frage einfach einen netten Herren, der gerade den Rasen vor dem Eigenheim mäht, wie ich denn am besten nach Hambach weiterkomme (Griff zum iPhone/Karten-App habe ich mir schon ziemlich abgewöhnt – lieber mit netten Menschen sprechen). In Hambach dann kurzer Stop bei der Bäckerei, Kohlenhydrate tanken: Belegtes Brötchen und Mezzo-Mix (Cola war schon aus, auf „light“ stehe ich gar nicht), und – oh Frevel – eine entspannte Zigarette (die zweite an diesem Tag). Genau da fahren 2 Rennradfahrer vorbei – die halten mich bestimmt für den Super-Proll!

Mit dem 12 Uhr-Läuten breche ich in Hambach auf – 13 Uhr wollte ich in Münnerstadt sein, aber ich schätze, das schaffe ich nicht in einer Stunde, oder? Der Weg von Hambach nach Pfändhausen führt als schöner geteerter Radweg abseits der Straße und nahe am schattigen Wald entlang, Pfändhausen bis Rannungen ist ein Katzensprung, und weiter Richtung Poppenlauer tauchen auch wieder Radwegweiser auf: „Münnerstadt 10 km“ – okay, die Route über die Talkirche ist nicht durchgängig geteert, aber ich nehme trotzdem diese kürzere Strecke, statt – wie ursprünglich geplant – über Poppenlauer zu fahren. Zeit- und Wegersparnis, und dazu eine wunderschöne Strecke, machen die beiden geschotterten Abschnitte für meine Rennrad-Reifen gerade so erträglich (für Tourenräder überhaupt kein Problem). Der Großteil dieser Strecke ist allerdings geteert und fährt sich wunderbar. An der Talkirche vorbei, wohin uns als Gymnasiasten regelmäßig die Wandertage führten, 2x unter der Eisenbahn durch, am Blauen Storch vorbei (einem mittelalterlichen Aussichtsturm im Wald, den ich von unten allerdings nicht sehen kann – aber auch da war ich schon so oft in meiner Kindheit und Jugend, dass ich immer noch genau weiss, wo er ist), und am Oberen Tor Ankunft in „Mürscht“. Nach der Kür noch die Pflicht: Den Schindberg hoch, Richtung Burghausen, zum Thorax-Zentrum abbiegen und kurz vor diesem zum Bienenhaus am Michelsberg, unserem Treffpunkt. Ich bin pünktlich, es ist genau 13 Uhr – das bisschen Schotterpiste hat sich angenehm auf mein Timing ausgewirkt.

Zwischenstand: 80 km Strecke, Fahrzeit 3,5 Stunden, Schnitt etwa 22,5 km/h, ca. 800 Höhenmeter Anstieg

Nach der Ankunft schnappe ich mir einen Eimer, den ich mit Leitungswasser befülle (keine Dusche vorhanden, wie vermutet), gehe ums Hauseck und wasche mich mit kaltem, klarem Wasser. Herrlich, nach der Hitze und der Schwitzerei. Im kleinen 10l-Rucksack, den ich immer mehr zu schätzen weiss, ist Platz für Wechselhose und -trikot (Radklamotten), kurze Leinenhose, T-Shirt, Unterhose, Socken, Handtuch, Seife (und natürlich das Relish, das ich gleich nach der Ankunft im Kühlschrank verstaut habe). Trikot und Hose wasche ich ebenfalls – die werden bis Abend trocknen, die Wechselgarnitur hätte es nicht gebraucht. Schuhe: Wie immer die Specialized-MTB-Schuhe mit Cleats, mit denen man aber auch gut laufen kann ohne nerviges Eisenklappern …

Der Tag selber vergeht im Flug: Abstieg zu Fuß zum Gymnasium (Führung – lasse ich aus, stattdessen gehe ich Fleisch kaufen und lege mich auf den Rasen vor der Schule zum Dösen), wieder hoch, Kaffee und Kuchen, Spaziergang zum „Reichenbacher Blick“, zurück zum Bienenhaus, Grill anwerfen, Abendessen. Dazwischen immer wieder Gespräche – erstaunlich, diese Vertrautheit und Sympathie, obwohl wir nur kurz zusammen in einer Klasse waren und das 25 Jahre her ist … warum funktioniert das nicht im globalen Maßstab?! Als einziger Radfahrer habe ich, neben den üblichen „Wer macht was“-Auskünften, natürlich immer ein Gesprächsthema – vor allem, weil die meisten denken, ich wäre „nur“ die 25 km von meinem Elternhaus bei Burkardroth nach Münnerstadt mit dem Rad gefahren. Nein, ich komme von Würzburg – „Echt? Ja Wahnsinn …“ – und fahre da heute Abend auch wieder hin – „Nee, oder?“ „Und was ist Plan B?“. Plan B? Es gibt keinen Plan B.

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Das heißt, es gibt zumindest eine „Route B“ – die B 287 (früher: B 19) führt mehr oder weniger pfeilgerade 60 km von Münnerstadt nach Würzburg. Früher eine vielbefahrene Bundestraße und Hauptverkehrsader in Unterfranken, ist sie seit der Eröffnung der A 71 (Schweinfurt–Erfurt) ziemlich ruhig, vor allem an diesem Samstag Abend. Ich breche gegen 20.45 Uhr auf und will den gleichen Weg zurückfahren, auf dem ich hergefahren bin. Aber auf der Anhöhe des Schindbergs sehen die zu verschenkenden Höhenmeter doch zu dramatisch aus, und der Rennfahrer-Instinkt erwacht: Warum nicht ein bisschen auf der B 287 fahren – bei Nichtgefallen kann ich jederzeit abbiegen und die entspannte, aber längere Parallel-Route nehmen …

Es gibt eigentlich nur zwei wirkliche Anstiege gleich zu Beginn der Strecke: Kurz nach dem Abzweig nach Nüdlingen muss ich etwas klettern, um dann von der Hügelkuppe aus ins „Lange Schiff“ zu fahren, einer schnurgeraden Piste mit leichtem Gefälle, die dann aber am Ende wieder in einem Anstieg mündet. Das alles passiert auf den ersten paar Kilometern, danach, etwas vor der „Schwarzen Pfütze“, heißt es: Kurbeln. Kurbeln. Kurbeln. Mit ordentlich Speed, ohne Gegenwind, erreiche ich Werneck auf der halben Strecke (30 km) nach nicht ganz einer Stunde. Cool! Auch danach läßt das Tempo kaum nach, mittlerweile ist es dunkle Nacht , und ich kurbele, was das Zeug hält – und bei bester Laune. Ab Werneck werden wieder Dörfer durchfahren (vorher umfahren) – Eßleben, Opferbaum, Bergtheim, Unterpleichfeld – alles fliegt vorbei, der Flow ist super. Dann abzweigen nach Kürnach und Estenfeld, wo ich wieder auf den vertrauten Radweg im kürnachtal wechsle und nach 1h 45min (!) in Würzburg, Stadtteil Lengfeld, einfahre. Noch 15 Minuten, und ich stelle das Rad in die Garage – völlig begeistert: Münnerstadt – Würzburg in knapp 2 Stunden mit dem Rad.

Münnerstadt – Würzburg: 60 km Strecke, Fahrzeit 2 Stunden, Schnitt etwa 30 km/h, ca. 410 Höhenmeter Anstieg

Routen:

Würzburg – Schweinfurt – Münnerstadt (80 km) (GPX / KML)

Münnerstadt – Würzburg (60 km) (GPX / KML)

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2 Gedanken zu “Tour: Würzburg – Münnerstadt und zurück

  1. Helmut blank schreibt:

    Schöner Bericht – aber du scheinst schon fast ein Profi zu sein – kenne die Strecke auch und wäre glücklich wenn ich nur die einfache Entfernung in der von dir angegebenen Zeit schaffen würde. Grüße aus Münnerstadt – fahre dieses Wochenende über Gemünden und Würzburg nach Kirchheim allerdings mit einer Übernachtung. Sportliche Grüße Helmut Blank

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