Ehrgeiz, Lust, Rennrad, Tour 100–200 km

Tour: Würzburg – Rothenburg ob der Tauber

Nach unserer letzten Kreuzberg-Tour bat ich Markus, doch auch mal eine Tour vorzuschlagen in die andere Richtung – ich bin ja an sich genügsam und damit zufrieden, tagein, tagaus zum Kreuzberg zu fahren … aber Markus, der in Winterhausen wohnt, hat jedesmal 28 km mehr, und das müssten wir eigentlich mal ändern, indem ich nach Winterhausen komme und wir von dort starten. Bei der Gelegenheit könnten wir ja auch in die andere Richtung fahren, damit ich auch mal andere Ecken kennenlerne. Markus’ Vorschlag war, nach Rothenburg ob der Tauber zu fahren, und wir verabredeten uns für Sonntag, 4. August, 8.30 Uhr bei Markus in Winterhausen.

Ich stehe um 6.40 Uhr auf und frühstücke gemütlich – so eine späte Abfahrt für eine Tagestour bin ich gar nicht gewöhnt. Als ich schließlich in die Pedale klicke, schlägt eine der unzähligen Würzburger Kirchenuhren 8 Uhr – höchste Eisenbahn also. Tatsächlich komme ich pünktlich um 8.30 Uhr bei Markus an, der noch einen exzellenten Kaffee serviert, und ich lasse mich zur zweiten Zigarette des Tages verleiten (ich rauche derzeit wieder zu viel, eher 10 als 5 Zigaretten täglich …). Markus Lützel kommt zufällig auf dem Weg zum Brötchenholen vorbei und erzählt von seiner Teilnahme am Samstag zuvor beim Rad-Achter (vormittags und nachmittags jeweils 150 km in der Gruppe, Schnitt 33 km/h, keine Rücksicht auf Verluste …) – ich könnte das ja nicht …

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Wir fahren kurz vor 9 Uhr los, Richtung Ochsenfurt und von dort nach Aub. Auf der Staatsstraße ist nicht viel Verkehr – dennoch muss wieder mal ein Autofahrer hupen, weil wir nebeneinander auf der Straße fahren, statt hintereinander im Graben. Der Fahrer ist noch ein ziemlich junger Bursche – und kommt uns entgegen, wird also in seiner mobilen Freiheit von uns nicht weiter tangiert. Dass er trotzdem hupt, macht mich nachdenklich: Bei den meisten wird tatsächlich mit Erlangen des Führerscheins und Erwerb eines eigenen Autos irgendein versteckter Schalter umgelegt, der, sobald es um die eigene Fortbewegung geht, weite Teile des Körpers in den Standby-Modus schickt: eine Hand am Lenkrad, die andere am Schalthebel, ein Fuß auf der Kupplung, der andere auf Brems- oder Gaspedal – kleine Bewegungen in den entsprechenden Gelenken genügen, um mit Affenzahn durch die Gegend zu brettern und das individuelle Restgefühl von „Freiheit“ auszuleben. Der restliche Autofahrer-Körper sitzt bequem, das Hirn ist … naja, irgendwie schon aktiv, obwohl ich nicht wissen möchte, was in so einem Moment, wenn entgegenkommende Radler angehupt werden, tatsächlich im entsprechenden Kopf vor sich geht. Gruselig …

Das Wetter ist super, vielleicht einen Tick zu schwül (ich war schon durchgeschwitzt, als ich in Winterhausen bei Markus eintraf). Markus lotst uns über Frauental, um meinen Informationsstand bezüglich mittelalterlicher Klosterumtriebe auf Vordermann zu bringen, und nach einigen Hügeln und einer wunderschönen Serpentinen-Abfahrt treffen wir in Craintal ein, von wo es weiter durch das Taubertal geht. Bei Tauberzell schlage ich vor, auf den offiziellen Radweg zu wechseln – ich fahre auch gerne „richtige“ Straßen, aber irgendwann nervt der Verkehr dann doch, ist laut und stinkt. Wir treffen gegen 11.45 Uhr in Rothenburg ein, bummeln durch die Altstadt und suchen ein geeignetes Speiselokal. Wir entscheiden uns für ein abseits gelegenes, das aber „regionale Produkte“ verspricht, vom ADFC als fahrradfreundlich ausgezeichnet ist und uns schmackhaftes Mittagessen serviert.

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Den Rückweg treten wir an bei ziemlich verhangenem Himmel – „Da werden Sie aber nass werden“, meint die Bedienung, als wir ihr sagen, dass wir nach Würzburg zurück wollen. Nun, tatsächlich glaube ich unterwegs, ein paar Tropfen zu spüren, aber von oben kommt während der ganzen Fahrt nichts (ich bin trotzdem klatschnass, s.o.). Wir fahren wieder auf dem Taubertal-Radweg zurück – und biegen nicht in Craintal ab, sondern fahren weiter über Creglingen bis Bieberehren, um von dort den Gaubahn-Radweg nach Ochsenfurt zu nehmen. Dieser Radweg verläuft auf der stillgelegten (und demontierten bzw. jetzt durchgängig geteerten) ehemaligen Eisenbahnlinie von Weikersheim nach Ochsenfurt, fährt sich phänomenal gut, da die Anstiege ganz dezent in einem Tiptop-Radweg versteckt sind. Die nassen Abschnitte zeigen uns, dass es doch hier und dort ordentlich geregnet hat, aber wir fahren dem Regen davon bzw. hinterher. Entspannt nebeneinander herfahren und plaudern – bei mehr als 30 km/h: Das ist Radfahren „deluxe“. Die ehemalige Bahnlinie schlängelt sich durch die Landschaft und umgeht so die ganzen Anstiege und Abfahrten, die die normalen Straßen zu bieten haben. Ein echter Tipp, und trotz ein paar Kilometern mehr die deutlich schnellere und bequemere Variante, um vom Maintal ins Taubertal zu gelangen. Leider habe ich derzeit nicht die Lust, ständig zum Fotografieren anzuhalten, deshalb verweise ich auf diese ausführliche Website, die die Bahnlinie (in Betrieb) dokumentiert.

Statistik:

142,2 Tageskilometer
6:26:31 h reine Fahrzeit
22,07 km/h Durchschnitt
54,10 km/h max.
72 UPM Durchschnitt
1094 m Tageshöhe
405 m max.

Würzburg – Rothenburg (GPX / KML)

Rothenburg – Würzburg (GPX / KML)

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