Lust, MTB, Tour < 100 km

Wandern, aber schneller … mit dem Mountainbike (2/3)

Der zweite Tag in der Rhön, die zweite Tour mit dem Mountainbike … nachdem am gestrigen Tag zuerst der Kreuzberg dran war, will ich heute eine etwas andere Runde drehen – meine Mutter fragte mich gestern nach meiner Rückkehr, ob ich denn mal in Schönderling bei ihrem Bruder vorbeigeschaut hätte: nein, habe ich nicht, aber eine gute Idee für die heutige Routenplanung. Ich starte erst nach dem Mittagessen – Mamas Hähnchen mit Pommes, alles aus eigener Haltung resp. eigenem Anbau, sind ein starkes Argument gegen zu frühen Aufbruch; außerdem muss ich auch mal etwas länger schlafen …

Donnerstag, 8. August – MTB-Tour zum Lindenstumpf

20130808-lindenstumpf-klein

Nachdem mir gestern wieder – beim Blick über Geroda hinaus – die drei Berge rechterhand, bei Schildeck, aufgefallen waren, und meine Wanderkarte bei Schildeck auch eine Ruine verzeichnet, ist die heutige Route schon mehr oder weniger geplant. Außerdem bin ich dann nicht weit von Schönderling entfernt, kann also den Verwandtschaftsbesuch einbauen. Und: Nachdem im Herbst 2011 Freund Dirk und ich eine MTB-Tour von Würzburg nach Waldfenster bei Obergeiersnest (neben Schönderling) mangels Licht und Lust in der Abenddämmerung abgebrochen haben (uns also bei Streckenkilometer 90 von meiner Schwester mit dem Auto abholen ließen … aber psssst: nicht verraten!), kann ich diesen letzten Streckenabschnitt gleich noch elegant nachholen.

Ich starte nach dem Mittagessen und steuere zuerst wieder Platzer Kuppe und Würzburger Haus an. Heute führt der Weg auch direkt über die Platzer Kuppe, denn ohne Nebel und Dunst ist die Aussicht nach Südwesten hin immer wieder phänomenal. Außerdem lässt sich die Kuppe elegant in einem Bogen anfahren und bietet eine schöne, steile Abfahrt. Anschließend weiter zum Würzburger Haus – kurz davor biege ich links ab, auf den Wanderweg zum Berghaus Rhön, der durch das „Steinerne Meer“ führt (klingt sensationeller, als es ist). Auch hier winkt am Schluss der Strecke eine schnelle Abfahrt durch die Wiese, direkt auf den Basaltsee zu. Daneben, am Parkplatz, hat man zwischen den Bäumen einen guten Blick auf die Sinntal-Autobahnbrücke – auf den Neubau, der noch steht, und die alte Brücke, die vor wenigen Wochen gesprengt wurde an dem Tag, als ich mit Markus zum Kreuzberg gefahren bin, und die nun neben der neuen Brücke wie ein Band im Tal liegt und jetzt Stück für Stück demontiert wird (hier findet sich ein anschauliches Video). Am Berghaus gönne ich mir einen Cappuccino und eine Zigarette, bevor ich mich auf den Weg abwärts nach Schildeck begebe. Dort frage ich eine junge Frau, die gerade ihre Zwillinge im Kinderwagen in den Schlaf schaukelt, nach dem Weg zur Ruine. Es gibt wohl einen Weg, aber „… ich war schon lange nicht mehr oben – man sieht ja kaum was –, und ich gehe da immer senkrecht hoch …“.

Ich gehe nicht senkrecht hoch, sondern finde ein paar Meter nach dem Ortsausgang am Berg einen Weg, der schräg hoch führt, an ein paar Holzstößen vorbei. Doch nach dem letzten Stoß scheint das Interesse der Einheimischen am Weg nahe Null: Brennnesseln, hüfthoch, neben anderem Gestrüpp versperren den Weg fast völlig. Also: Mountainbike mit der rechten Hand schieben, dieweil die Linke mit einem Stock das Gröbste an Brennnesseln beiseite schlägt (wirklich nur das gröbste, wie mir meine nackten Waden in regelmäßigen Intervallen signalisieren) – irgendwann scheint mir der direkte Gang durch das mit Moos und Efeu bewachsene Totholz sinnvoller und weniger schmerzend als das Verbleiben auf der Brennnessel-Piste. Wie ich dann aber so, mitten im Wald, das Fahrrad geschultert, über die ersten Stämme steige, halte ich inne und denke: Jochen, was machst Du hier eigentlich?

Also lasse ich die Vernunft siegen und die „Ruine“ sausen, arbeite mich irgendwie wieder Richtung Weg resp. Waldrand vor, und atme auf, als ich unter mir den Schotter des Feldwegs und über mir den freien Himmel sehe. Das nächste Ziel ist der benachbarte Lindenstumpf, der nur wenige hundert Meter weiter liegt. Ihn habe ich schon oft gesehen und mich immer über seine abgeflachte Kuppe gewundert. „Da haben die früher den Schotter für die Autobahn geholt“, sagte mir mein Vater schon vor Jahren, „da gibt es nichts zu sehen.“ Von wegen: Es führt ein Wanderweg nach oben, den ich nur am letzten Stück schiebend zurücklegen muss – an einer wilden Treppe im Hügel. Oben angekommen, offenbart sich ein fast atemberaubender Anblick: ein riesiger, runder Krater, unten absolut eben und bestenfalls mit einer Art Trockenrasen (auf der Basaltfläche) bewachsen. Ganze Arbeit, denn wie ich dann nach der Umrundung und Abfahrt in den Kegel unten lesen kann, auf einer Infotafel, hat der Basaltabbau hier gerade mal drei Jahre gedauert, 1965–68, um den Schotter für die Autobahn (A7 Würzburg-Fulda) zu liefern, zumindest in diesem Abschnitt. Auch toll, wie man die Gesteinsschichten und deren „Fluss“ studieren kann. Ein heißer Tipp für Wanderer in dieser Gegend um Schildeck … Rundweg „1“ folgen.

Die Ausfahrt aus dem Krater führt direkt nach Schondra, von dort fahre ich im Schondratal nach Schönderling zu Onkel und Tante, die ich mit einem spontanen Besuch – dem ersten seit vermutlich 20 Jahren – einigermaßen verblüffen kann (wir sehen uns sonst eher bei diversen Familienfeiern). Zwei Tassen Kaffee und viel Plaudern – allen, die dazukommen, werde ich zuerst vorgestellt als „der, der mit dem Fahrrad von Würzburg zum Kreuzberg fährt“ – naja: ist der Ruf mal ruiniert, …

Anschließend fahre ich über den Wald zurück (Neuwirtshäuser Forst, Oehrberger Forst), kreuze die A7 über eine Brücke, drehe noch eine schöne Runde im Oehrberger Wald, um dann nach Hause zu meinen Eltern zu fahren.

37 Kilometer, 680 Meter Anstieg, viele Pausen, gemütliches Tempo – Route als GPX / KML.

Heute kein Dunst: die Platzer Kuppe von Norden her gesehen …

Heute kein Dunst: die Platzer Kuppe von Norden her gesehen …

… und der Blick von der Kuppe nach Westen: Schildecker Kuppe, dahinter direkt der Mettermich. Links davon, in der Bildmitte, der Lindenstumpf ohne Kegel (sieht aus wie ein einfaches Waldstück).

… und der Blick von der Kuppe nach Westen: Schildecker Kuppe, dahinter direkt der Mettermich. Links davon, in der Bildmitte, der Lindenstumpf ohne Kegel (sieht aus wie ein einfaches Waldstück).

Gipfelkreuz an der Platzer Kuppe.

Gipfelkreuz an der Platzer Kuppe.

Diese Wiese gings hinab nach dem Weg durch das "Steinerne Meer", …

Diese Wiese gings hinab nach dem Weg durch das „Steinerne Meer“, …

… und zwar direkt auf diesen Basaltsee zu.

… und zwar direkt auf diesen Basaltsee zu.

Blick vom Parkplatz ins Tal zur Sinntalbrücke.

Blick vom Parkplatz ins Tal zur Sinntalbrücke.

Berghaus Rhön: In meiner Kindheit ein relativ beliebtes, weil nahes Ausflugsziel …

Berghaus Rhön: In meiner Kindheit ein relativ beliebtes, weil nahes Ausflugsziel …

… und obwohl diese Eisenbahn zwischendurch erneuert wurde: die stand ungefähr so schon immer da.

… und obwohl diese Eisenbahn zwischendurch erneuert wurde: die stand ungefähr so schon immer da.

Blick von oben in den "Krater" am Lindenstumpf.

Blick von oben in den „Krater“ am Lindenstumpf.

Imposante Abhänge.

Imposante Abhänge.

Ich vermute, dass die Anzahl der Sitzgelegenheiten so großzügig kalkuliert ist, dass alle Besucher einen Sitzplatz finden :)

Ich vermute, dass die Anzahl der Sitzgelegenheiten so großzügig kalkuliert ist, dass alle Besucher einen Sitzplatz finden 🙂

Studium der Gesteinsformationen, …

Studium der Gesteinsformationen, …

… die Tafel erklärt alles im Detail.

… die Tafel erklärt alles im Detail.

Schichten, …

Schichten, …

… Schichten, …

… Schichten, …

…Schichten.

…Schichten.

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