Ehrgeiz, Lust, Rennrad, Tour 100–200 km

Retour (ohne) Kutsche

Premiere: Zum ersten Mal startete ich eine Tour weiter weg, mit Ziel Würzburg. Am Freitag, 27.9., fuhren wir nach Stöppach, kurz vor Coburg, um Schwiegervaters 75. Geburtstag zu feiern. Für die Rückfahrt am Samstag nahm ich das Rennrad mit, denn schon die ganze Woche meldete die App bestes, sonniges Wetter – ideal, um die Strecke Coburg–Würzburg mit dem Rad zurückzulegen, während Frau und Kinder mit dem Auto zurückfahren.

Am Samstag Morgen stehe ich gegen 9 Uhr auf – Frühstück, anschließend Aufräumen der diversen Stühle und Tische, die am Vortag für die Gäste in der Wohnung aufgebaut wurden. Anschließend kleine Reparaturarbeit an Schwiegermutters Schranktür (Scharniertausch), Zusammenpacken … und erstmal Mittagessen: Schnitzel mit Kohlrabi- und Blumenkohlgemüse, dazu Kartoffeln und Mehlklöße. Und ein kühles Bier. Schon vor dem Essen fülle ich meine Wasserflaschen mit Mineralwasser: Schwiegermutter hat nur „spritzig“, von daher tut es ganz gut, wenn die Flaschen noch eine Stunde offen stehen und etwas Luft ablassen können.

20130928-01

Gegen 13.15 Uhr bin ich startbereit – im kleinen Rucksack vorsichtshalber ein langärmeliges Shirt und die Beinlinge (plus Licht, wer weiß, wann ich die Tour beende). Bis zum Start bin ich mir nicht sicher, ob ich die Strecke Ebern–Haßfurt–Gerolzhofen–Volkach wählen soll (die ich letztes Jahr schon von Würzburg aus gefahren bin), oder doch den Schlenker über Bamberg einbaue. Ich entscheide mich für die kürzere Tour (wobei der Umweg über Bamberg auch nur mit 20 Streckenkilometern mehr zu Buche schlagen würde – nächstes Mal). Die Haßberge – das Resumee werde ich nach der Tour ziehen – sind ideal zum Rennradfahren: Auf und ab, aber keine echten Gemeinheiten (wie etwa die letzten 2 Kilometer am Kreuzberg). Kurzweilig, teilweise herrliche Weitsicht, v.a. Richtung Steigerwald. Werde ich noch öfters fahren, es bieten sich etliche Varianten an für die Route Würzburg–Coburg …

Ich fahre in Stöppach los und über Scherneck nach Untersiemau, biege aber vorher auf den Radweg, der an der B4 entlangführt, durch den Itzgrund in Richtung Süden (Bamberg). Nach Großheirath und Rossach wandert der Blick am Rad nach unten: Die Flaschen! Stehen immer noch auf der Anrichte in der Küche … schnelles Telefonat mit meiner Frau, die gerade ebenfalls losfahren will. Mein Glück, dass die B 303 von Coburg nach Schweinfurt zwei Umleitungen hat und wegen Baustellen in diese Richtung eigentlich gar nicht zu befahren ist – meine Frau fährt ebenfalls über Ebern. Wir verabreden Kaltenbrunn als Treffpunkt, und dort warte ich am Ortseingang in schönster Sonne bei wolkenlosem Himmel auf meine Wasservorräte, die gegen 13.45 Uhr eintreffen und überreicht werden.

Da fehlt doch was: die Wasserflaschen …

Da fehlt doch was: die Wasserflaschen …

… immerhin eine gute Gelegenheit, die Typo-Wüste zu studieren.

… immerhin eine gute Gelegenheit, die Typo-Wüste zu studieren.

Wogegen mir der gekachelte Schriftzug ganz gut gefallen hat.

Wogegen mir der gekachelte Schriftzug ganz gut gefallen hat.

Ein Spitzen-Wetter: Blauer Himmel, gute Fernsicht – und wenig Autos auf den Straßen.

Ein Spitzen-Wetter: Blauer Himmel, gute Fernsicht – und wenig Autos auf den Straßen.

Nach dieser ungewollten, selbstverschuldeten Pause verlasse ich den Itzgrund und biege in Kaltenbrunn ab. Nach Untermerzbach geht es im Wald in Serpentinen nach oben (lassen sich ganz wunderbar von der anderen Richtung her fahren: geile Abfahrt), erstaunlich zügig, und an Fierst vorbei ist schon Ebern erreicht. Die B 279 kreuzt, danach geht es weiter auf der St 2278: Unterpreppach, Gemünd, Jesserndorf – es folgt das lange Waldstück mit leichtem Anstieg, auf dem ich letztes Jahr, von der anderen Richtung her kommend, also mit leichtem Gefälle, ein unfrisiertes Mokick abgehängt habe (die fahren dann nämlich nur die erlaubten 40–45 km/h – da geht was!). Nach Hofstetten noch eine schöne Abfahrt im Wald, und nach dem nächsten Hügel ist auch schon Haßfurt in Sichtweite – am Himmel oben links mindestens 5 Paragleiter, die das Wetter nutzen, hinter Haßfurt in der Ferne der nächste Orientierungspunkt: Die Kühltürme des AKW Grafenrheinfeld.

Anhöhe vor Haßfurt, ganz hinten (Bildmitte) die Kühltürme von Grafenrheinfeld.

Anhöhe vor Haßfurt, ganz hinten (Bildmitte) die Kühltürme von Grafenrheinfeld.

In Haßfurt fahre ich einen kleinen Schlenker, weil ich mich erst in Richtung Schweinfurt orientiere, dann aber aufs Geratewohl ins Zentrum fahre und dort auch schon den Hinweis auf Wonfurt finde – da geht’s lang (St 2275). Bis Wonfurt führt ein gut ausgebauter Radweg, trotz des herrlichen Wetters treffe ich nur einen einzigen Radler. Die Distanzen zwischen den Ortschaften werden länger bzw. die Orte auf der Strecke spärlicher: Steinsfeld, Donnersdorf, Mönchstockheim, Gerolzhofen. Im Zentrum zwar eine Kneipe mit Sitzplätzen im Freien, aber es sieht mehr nach Bier und Brotzeit aus, während ich langsam Lust bekomme auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Zumindest sehe ich jetzt immer mehr Radler, die den Radrouten folgen und öfters mal weit abseits der Straße in der Pampa unterwegs sind. Das ist zwar entspannter hinsichtlich KFZ-Verkehr, aber oft mit kleinen Umwegen verbunden und ohne Gewähr, dass eine durchgehende Teerdecke vorhanden ist. Die hat der Rennradfahrer aber schon gerne …

Auf dem Radweg Haßfurt–Wonfurt (1 – Blick zurück nach Haßfurt).

Auf dem Radweg Haßfurt–Wonfurt (Blick zurück nach Haßfurt).

Auf dem Radweg Haßfurt–Wonfurt (2). Es mag banal aussehen oder klingen, aber das schöne an solchen Touren sind vor allem die Blicke links und rechts: Felder und Wälder satt, die Gerüche des Sommers (Heu- und Getreideernte) weichen denen des Herbstes (kühle umgepflügte Erde und – ja, auch das – Gülle). Selbst die zahlreichen Traktoren verbreiten nicht mehr die mit der Ernte verbundene Hektik, sondern tuckern fast schon gemütlich-entspannt auf den Äckern.

Auf dem Radweg Haßfurt–Wonfurt (2). Es mag banal aussehen oder klingen, aber das schöne an solchen Touren sind vor allem die Blicke links und rechts: Felder und Wälder satt, die Gerüche des Sommers (Heu- und Getreideernte) weichen denen des Herbstes (kühle umgepflügte Erde und – ja, auch – Gülle resp. Jauche und Mist). Selbst die zahlreichen Traktoren verbreiten nicht mehr die mit der Ernte verbundene Hektik, sondern tuckern fast schon gemütlich-entspannt auf den Äckern.

Über Frankenwinheim, Krautheim und Obervolkach komme ich gegen 16.45 Uhr nach Volkach, wo nun die ersehnte Kaffeepause eingelegt wird, vor dem Gasthof Rose im Freien sitzend. Die Bilanz bisher sieht auf dem Radcomputer ganz gut aus, schon in Ebern, Haßfurt und Gerolzhofen habe ich – eitel, wie ich bin – immer mal nach dem Schnitt geschaut, der in Ebern noch bei knapp 28 km/h lag, in Volkach aber nun bei fast 29,5 km/h liegt (und das bei fast 100 zurückgelegten Streckenkilometern!). Sauber.

In Volkach: Sonnig, aber durchaus kühl, wenn man nicht für die entsprechende Körpertemperatur durch permanente Bewegung sorgt – es wird Herbst.

In Volkach: Sonnig, aber durchaus kühl, wenn man nicht für die entsprechende Körpertemperatur durch permanente Bewegung sorgt – es wird Herbst, die Passanten sind schon einigermaßen warm angezogen.

Herrengedeck für den Rennradfahrer. Im Vordergrund: ein Zuckerpäckchen, das aussieht wie ein Flyer für die nächste Acid-House-Party :)

Herrengedeck für den Rennradfahrer. Im Vordergrund: ein Zuckerpäckchen, das aussieht wie ein Flyer für die nächste Acid-House-Party 🙂

Kaffee, Kuchen, Zigarette (fürs Gemüt) – und weiter geht’s. Der Rest der Strecke ist dann ein no-brainer, kaum ein Stück Teer zwischen Volkach und Würzburg, das ich nicht schon unter den Reifen hatte. Der pure Luxus, sich zu entscheiden zwischen den verschiedenen Möglichkeiten, nach Würzburg einzufahren – ich entscheide mich für Astheim–Vogelsburg–Prosselsheim–Seligenstadt–Euerfeld–Rothof–Rottendorf–Gerbrunn–Würzburg. Um 18.15 Uhr öffne ich die Garage, mit einem Schnitt von 29 km/h über die Distanz von 113 Kilometern. Super Tag, super Tour!

Statistik:

113,65 Tageskilometer
3:55:08 reine Fahrzeit
28,99 km/h Durchschnitt (= 29, okay?)
63,99 km/h max.
75 UPM Durchschnitt
1004 m Tageshöhe

Route als GPX / KML

Advertisements
Standard

2 Gedanken zu “Retour (ohne) Kutsche

  1. Dieter schreibt:

    29 ist okay…! Nein im Ernst, das war eine tolle schnelle Tour. Anhand der statistischen Daten kann man erkennen, dass die Saison zu Ende geht. Nach einem halben Jahr (mehr oder weniger !?) im RR-Sattel, kann man Gas geben. Na dann, hoffen wir, dass das schöne Wetter noch ein paar Tage (Wochen) hält.
    Gruß Dieter

    Gefällt mir

  2. Danke … ja, das Wetter könnte gerne so bleiben: Die Klamottenwahl wird wohl noch experimenteller, und es dämmert immer früher, aber vom Fahren her ist es fast angenehmer als die (üb)erhitzten, klatschnassen Sommertouren, bei denen ich mich auf 200 Streckenkilometern verausgabt habe … während ich jetzt merke, wie entspannend auch 100 Kilometer sein können.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s