Ehrgeiz, Lust, Rennrad

»Kurve links«

Ich gebe zu: Bis auf zwei Ausfahrten mit dem Rennrad, bei denen ich zwar beide Male eher unsanft auf dem Teer gelandet bin und mir Knie und Ellenbogen (resp. linke Schulter, merke ich heute noch) ramponiert habe, bin ich derzeit bloß Alltagsradler. Das heißt, morgens den Junior zur Schule begleiten (er fährt tüchtig mit dem Rad, täglich), dann ins Büro, am späten Nachmittag den Junior wieder abholen, dann nach Hause. Vielleicht noch irgendetwas besorgen, aber das war es dann auch schon …

… dennoch versuche ich, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Etwa zu Markus nach Winterhausen radeln, bloß um mit ihm vor Ort am Rechner seine Webpräsenz zu bestellen: 10 Minuten später kurbele ich schon wieder zurück. Oder bei Dirk in Höchberg vorbeifahren, auf dem Weg vom unteren Frauenland in die Zeller Straße … oder zu Peter abends nach Veitshöchheim, Internetzugang wieder flottmachen … oder die Steuerbelege mit dem Rad nach Euerfeld fahren zu Clemens … alles natürlich mit dem eher gemütlichen, dafür wetterfesten und gut beleuchteten Alltagsrad.

All das ist ja nur Placebo, Substitut für das wahre Erlebnis: Rennradfahren! Auf einem leichten Rad mit nichts am Leib als ein bisschen Synthetik durch die Gegend zu kurbeln, auf Teerstraßen, die mit dem Auto kaum noch jemand fährt, weil alle nach Möglichkeit zur nächsten großen Bundesstraße oder Autobahn fahren und die kleineren Straßen nur noch dazu dienen, vereinzelte Orte miteinander zu verbinden und allesamt an die nächste Bundesstraße (oder eben Autobahn) anzubinden. Obwohl ich mich nach wie vor am liebsten nur zu Fuß fortbewegen würde, muss ich klar feststellen: Die Fortbewegung durch Zeit und Raum auf dem Rennrad steht zum eigenen Kraftaufwand und zum Spaßfaktor in einem unschlagbar stimmigen Verhältnis. Nie war mein Kopf freier als während und nach einer ordentlichen Ausfahrt, nie die Stimmung besser. Kein Wunder also, dass der Radleralltag sich in den letzten Blogeinträgen eher stimmungsdämpfend auswirkt: Trübe Jahreszeit, trübe Nachrichten, trüber Alltag – Hut ab vor allen, die das ganze Jahr nur so Radfahren und nicht depressiv werden!

Ich habe Sehnsucht! Nach der Straße ausserorts!! Ganz arg merkte ich das neulich, in der Werkstattgalerie des BBK im Kulturspeicher: Meine Frau Margit und ich schauten uns erst die (wirklich gute und interessante) Ausstellung von Matthias Braun an, dann huschten wir noch mal kurz in den Keller, wo es ein Sammelsurium verschiedener Arbeiten verschiedener Künstler aus der Druckwerkstatt zu sehen gab. Eine Grafik hat es mir besonders angetan: »Kurve links« von Hermann Oberhofer, ein Farbholzschnitt, der – nun ja – eben eine Kurve zeigt. Aber wie! Die Farben, die Kurve, die Perspektive … das ist der Blickwinkel vom Rennrad her. Auch wenn Herr Oberhofer vermutlich gar kein Fahrrad fährt …?! Dazu ist klar ersichtlich, dass die Straße möglicherweise früher mal eine zentrale Verkehrsader war, heute aber nicht mehr wirklich ganz vorne mitspielt. Erinnert mich ein bißchen an die Strecke von Obernbreit nach Tiefenstockheim – gefühlt, nicht gesehen.

2013-02-18-kurve_links

Margit hat mir den Druck zum Valentinstag geschenkt (Danke, Schatz!), und nun steht er vorerst im Büro noch am Boden – aber genau so, dass ich ihn sofort sehen kann, wenn ich den Kopf nach links drehe. Und ich ertappe mich dabei, dass ich den Kopf öfters am Tag in diese Richtung drehe … ich darbe zwar noch, aber ich freue mich auch schon auf die kommende Saison. Zeit, dass es abends wieder länger hell bleibt … Zeit für die unterfränkischen Nebenstraßen …

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