Alltag, Lektüre, Radwege

Ursache und Wirkung

Manchmal scheint es, als ob unsereins die Medien nach Meldungen und Texten mit Fahrradbezug nur deswegen absucht, um sich aufzuregen über die Ignoranz der Journalisten, der Polizei, der Autofahrer, der Fußgänger und überhaupt: der ganzen (nicht täglich radfahrenden) Welt. Stimmt nicht, wie ich hoffentlich hier deutlich machen konnte mit dem Hinweis auf den tollen Artikel in der Welt am Sonntag … trotzdem fällt nicht nur mir auf, dass die meisten Meldungen und Texte in der Tagespresse das Radfahren i.d.R. problematisieren. Das kommt vermutlich daher, dass meistens nur dann berichtet wird, wenn ein Unfall passiert ist – und wie PresseRad permanent verdeutlicht (Serie: »Helm erwähnt, aber machtlos«), nehmen üblicherweise Bemerkungen zum Tragen oder Nicht-Tragen eines Fahrradhelms den Raum ein, den die Medien besser nutzen könnten, um detaillierter auf Unfallursache und -hergang einzugehen, sofern die meist zugrunde liegende Polizeimeldung das zulässt.

Das resultiert auf Dauer natürlich in einer schleichenden Gehirnwäsche – erzählte mir doch erst vor kurzem eine sehr gute Bekannte, dass auch sie nun schmerzhafte Bekanntschaft auf dem Rad mit einer sich plötzlich öffnenden Autotüre gemacht hat. Ansage der Autofahrerin: »Ich habe Sie nicht gesehen.« – die übliche Umschreibung für »Ich habe nicht geschaut.« Aber jetzt kommt der Beifahrerspruch: »Sie haben ja gar keinen Helm auf!« … na, etwas bemerkt? Genau …

Ich habe heute eher zufällig eine kleine Notiz in der Mainpost entdeckt – »Radfahrer stoßen zusammen« – in der sich doch einige Merkwürdigkeiten finden:

»Am Montag kam es laut Polizeibericht zu einem Verkehrsunfall zwischen zwei Fahrradfahrern, wobei beide leicht verletzt wurden.«
Ein Polizeibericht also – der vermutlich 1:1 übernommen wurde … (ich kann ihn leider nicht online finden)

»Der Unfall ereignete sich um 18.30 Uhr, als ein 29-Jähriger mit seinem Rennrad von der Sandstraße kommend den Mainradweg Richtung Würzburg weiterfuhr.«
Zur Info: Der Unfall geschah in Kleinochsenfurt, ca. 18 km südlich von Würzburg. Meine Vermutung: es ist die Stelle gemeint, an der der auf diesem Abschnitt von allen (Fußgänger, Radfahrer, Kfz) gemeinsam genutzte Weg gabelt: Der Rad-/Fußweg zweigt nach links, dem Main folgend, direkt in eine Rechtskurve, die hinter Bäumen und Büschen verschwindet; rechts davon führt der Weg für alle weg vom Main, hoch zur B13. Ärgerlich auch: Von Würzburg kommend ist der Abzweig am Ende der – dann – Linkskurve ebenfalls nicht einsehbar; Radfahrer müssen hier »Vorfahrt achten«

»In einer unübersichtlichen Kurve wollte der Mann an mehreren Fußgängern links vorbeifahren.«
Quizfrage: Was haben mehrere Fußgänger auf dem Mainradweg verloren? Antwort: Es gibt diesen »Mainradweg« so gar nicht, sondern nur einen kombinierten Zwei-Richtung-Weg für Fußgänger/Radfahrer (also theoretisch 4 Parteien nebeneinander, oder?), der oft nicht einmal die Mindestbreite besitzt, weswegen an dieser Stelle bloß ein Schild steht, aber keine Markierungen auf dem Teer die Bereiche für Fußgänger und Radfahrer separieren – und das an einer »unübersichtlichen« Stelle, die mittels etwas Teer (verbreitern, Kurve entschärfen) bzw. Baumschere (unübersichtlich, weil Bewuchs – für mich eher kein unersetzbares Biotop, sondern leidlich gepflegter Wildwuchs) mit überschaubarem Aufwand schnell übersichtlicher zu gestalten wäre … Platz wäre da, und vor und hinter Randersacker kann man gut sehen, wie am »Mainradweg« unübersichtliche Stellen entschärft werden können: langgezogene Kurven, Verbreiterungen, Markierungen – und die unvermeidlichen stumpfen Kurven gut einsehbar.

»Dabei übersah er jedoch einen entgegenkommenden 55-jährigen Radler. Bei der Kollision stürzten beide Radfahrer zu Boden.«
Aufgepasst: Blind überholen geht gar nicht – bzw. geht schief. Trotz der überschaubaren Wegbreite würden vermutlich zwei Radfahrer und ein Fußgänger aneinander vorbeikommen – wenn sich alle rechtzeitig sehen würden –, aber ich vermute, dass die Fußgänger nicht an einer unübersichtlichen Stelle hintereinander gegangen sind, sondern plaudernd nebeneinander. Spricht auch nichts dagegen – aber auf dem kombinierten Fuß- und Radweg in zwei Richtungen darf auch von Fußgängern Rücksicht/Umsicht erwartet werden. Aber wer hat schon einmal gesehen, dass ein Fußgänger einen Schulterblick riskiert, bevor er sich in Richtung Wegmitte oder gar linke Seite bewegt? Ich nicht, und ich fahre den »Mainradweg« regelmäßig, in beide Richtungen … und oft reichen 3 Fußgänger aus, um a) den Weg komplett in Beschlag zu nehmen und b) die Umwelt gnadenlos dem eigenen Bummeltempo rücksichtslos unterzuordnen.
Dennoch: Blind überholen geht gar nicht.

»Weil sie Schutzhelme trugen, erlitten sie jedoch glücklicherweise nur leichte Schürf- und Prellverletzungen.«
Unglaublich, aber da ist er tatsächlich, der Textbaustein mit dem Helm! Der Fahrradhelm hat weder etwas mit dem Unfallhergang oder den tatsächlichen Folgen zu tun, noch besteht in Deutschland irgendeine Verpflichtung, auch nicht gesetzlich, einen Fahrradhelm zu besitzen oder zu tragen – aber gut, dass der Helm noch erwähnt wurde.

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