Ehrgeiz, Lust, Rennrad, Training

Fahren in der Gruppe

Gestern kam – endlich – die erste Mail rein von der Radlergruppe, mit der ich 2012 regelmäßig, aber 2013 schon unregelmäßiger Ausfahrten mit dem Rennrad unternommen habe. Es handelt sich um eine gemischte Gruppe, meist 5–6 FahrerInnen, und wir sind i.d.R. an den Dienstagabenden ab 18.30 Uhr durch die nähere Umgebung Würzburgs geradelt auf Strecken um die 70 Kilometer.

2012 war das super, für mich als Novizen eine enorm wichtige Motivation; 2013 war schon irgendwie der Wurm drin, die Rundmails bestanden weitgehend aus Absagen und den entsprechenden Begründungen. Gestern habe ich der Gruppe sofort geantwortet – und pauschal abgesagt (mit dem Wunsch, im E-Mail-Verteiler zu bleiben und der Option, spontan mitzuradeln). Warum? Weil just ab heute der Dienstag (Nachmittag/Abend) aufgrund der Termine unseres Jüngsten (Schlagzeugunterricht, Tischtennis) bis zum Schuljahresende belegt ist, 18.30 Uhr ist für mich an diesen Tagen nicht zu schaffen, und ich will mir und den anderen die wöchentlich wiederkehrenden Absagen meinerseits ersparen. Leider fiel mir die Entscheidung gar nicht mal so schwer, und das hat mit der Erfahrung speziell aus dem Jahr 2013 zu tun: Die anderen Gruppenmitglieder kennen sich schon länger und besser, da ist mehr Vertrautheit untereinander da. Nun bin ich sowieso kein Fahrer, der stundenlang neben anderen plaudernd herfahren will, schon aufgrund meines doch eher schlechten Gehörs ist diese Art der Konversation nicht meine bevorzugte. Ich lege aber auch keinen Wert darauf, jede Ausfahrt zum gnadenlosen Rennen umzufunktionieren. Allerdings hatte ich im letzten Jahr zu oft den (subjektiven) Eindruck, dass Plaudern beim Fahren, Eisessen zwischendurch und Biergartenbesuch hinterher den eigentlichen Zweck leider weitgehend überdeckten: Rennradfahren in der Gruppe, um die eigene Technik zu verbessern, durch andere motiviert zu werden, abwechselnd Windschatten zu geben oder zu fahren und, ja doch, auch einmal Tempo zu erhöhen und dieses über längere Zeit zu halten.

Was ich bei den Gruppenausfahrten 2013 richtig vermisst habe, wurde mir gestern Abend bei einer Solo-Runde deutlich: Ich fuhr wie üblich eine kurze Abendrunde zuerst am Main nach Ochsenfurt, von dort über Zeubelried hoch nach Erlach, Kaltensondheim, Westheim, hinunter über Theilheim nach Randersacker und – damit auch noch ein Anstieg extra dazukam – über Gerbrunn zurück nach Würzburg. Kurz nach dem Start, bei Randersacker, gesellte sich ein Rennradfahrer zu mir, in normalen Klamotten und Schuhen, mit Rucksack – also ein Feierabend-Radler auf dem Weg nach Hause (vermutlich). Kurz hinter Randersacker überholte er mich – und ich ging in seinen Windschatten. So fuhren wir ein richtig flottes Tempo hintereinander her, teilweise knapp 40 km/h, bis er bei Eibelstadt dann wieder abbog. Wir riefen uns noch kurz ein paar Komplimente bezüglich des Tempos zu, und jeder fuhr seines Wegs – ich weiter am Main entlang. In Ochsenfurt nahm ich dann wieder die Abfahrt nach links und die lange, aber gut fahrbare Steigung hoch nach Erlach. Nach der ersten Kurve entdeckte ich erneut einen Rennradfahrer, diesmal sportlich gekleidet, der gut 200 Meter vor mir den Anstieg hochfuhr. Was meine Motivation beflügelte, so dass ich mich noch stärker auf meine Trittfrequenz konzentrierte und versuchte, das Tempo zu erhöhen. Aus der Ferne konnte ich sehen, dass seine Trittfrequenz deutlich unter meiner lag – trotzdem kam ich nicht ran an ihn. Mehr Ansporn. Mehr Tempo. Kurz vor Erlach – an der leichten Steigung eine Geschwindigkeit von mehr als 30 km/h (dank Rückenwind)! – war ich so nahe dran, dass ich ihn vor dem Ortsschild hätte packen können. Was ich aber nicht tat, denn größer als mein Ehrgeiz war meine Dankbarkeit, dass dieser Fixpunkt vor mir mich selbst zu einer sportlicheren Fahrweise motiviert hatte. Erst hinter Erlach, auf dem Weg nach Kaltensondheim, zog ich an ihm vorbei – auch hier wieder ein paar Worte gewechselt und mich bedankt für die tolle Motivation und seine Tempovorgabe …

… und so war diese kleine Abendrunde eine ausgezeichnete Trainingseinheit: kurz (<2 Stunden), schnell (>28 km/h) und absolut befriedigend. Eigentlich genau das, was unter der Woche abends sinnvoll und mit wenig Aufwand machbar ist. Und doch blieb eine Frage am Schluss: Wann, warum und wie ist mir bei Ausfahrten mit »meiner« Gruppe dieses Gefühl abhanden gekommen? …

Statistik:

46,29 Tageskilometer
1:37:43 reine Fahrzeit
28,42 km/h Durchschnitt
65,93 km/h max.
89 UPM Durchschnitt
275 m Tageshöhe

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9 Gedanken zu “Fahren in der Gruppe

  1. Josephine Lützel schreibt:

    Habe aufmerksam gelesen, was du über das Fahren in „unserer“ Gruppe geschrieben hast. Tja, ich würde auch manches Mal gerne sportlicher fahren. Hättest du mal was gesagt oder die Zeit im Biergarten genutzt, und das Thema in der Gruppe zur Diskussion gestellt! Wir hatten anfangs immer wieder mal angeregt, gezielt das Windschattenfahren und auch das Wechseln in der Gruppe zu üben, oder auch nur mal länger im Verband zu fahren, aber das wurde nicht so gut angenommen. In der Gruppe unterwegs sein heißt natürlich auch bis zu einem gewissen Grad Rücksicht auf den Schwächsten in der Gruppe zu nehmen. Ich bin vielleicht auch nicht so gut im Motivieren und wollte auch eigentlich nicht die Aufgabe eines Trainers übernehmen.
    Auf jeden Fall habe ich mir seit deinem Kommentar hier einige Gedanken gemacht. Traue mich aber jetzt fast nicht dich weiter in der Rundmail zu lassen, weil auch meinerseits gibt es in diesem Jahr speziell Dienstag immer wieder Absagen. Leider! In einer Sache bin ich völlig deiner Meinung: das zufällige Antreffen von schnellen Radlern auf dem Weg ist immer ein Highlight und spornt mich auch immer an die Herausforderung anzunehmen. Vielleicht treffen wir uns ja mal zufällig.

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    • Vielen Dank, Jo, für Deine Anmerkungen!

      Bitte nicht falsch verstehen: Die Gruppenausfahrten waren ok, teilweise sogar sehr, sehr schön (trotz Wolkenbruch bei Remlingen und Feld-/Waldweg-Irrfahrt: super Ausfahrt gewesen!) – aber 2012 konsequenter und besser besucht als 2013, wo wir öfters nur zu dritt oder viert waren. Letztes Jahr war der Schwung, die Dynamik, die eine Gruppenausfahrt eigentlich bieten kann, nur hin und wieder spürbar – und ich bin oft schon deswegen nicht mehr mit in den Biergarten gegangen, weil gefahrenes Tempo und zurückgelegte Distanz bereits zu viel Zeit in Anspruch genommen haben – ich muss/will unter der Woche abends auch irgendwann wieder nach Hause, und wenn wir erst um 18.30 Uhr starten, dann ist da nicht mehr allzu viel Luft nach hinten, wenn die Fahrt selbst schon zu gemütlich ist.

      Der Schwachpunkt – sofern man das überhaupt so nennen will – der Gruppe war/ist, dass es kein gemeinsames Ziel gab/gibt, das über diese abendlichen Ausfahrten hinausgeht. Es gibt genügend Jedermann-Touren mit unterschiedlichen Streckenlängen (Rhöner Kuppenritt, Bocksbeuteltour etc.), und es gäbe die Möglichkeit, selbst Tagestouren anzuvisieren: Mit ein wenig Planung und Vorlauf ist das zeitlich locker zu schaffen – bei mir sind familiär bedingt (Kinder!) gerade die Wochenenden heikel, trotzdem klappte es hervorragend, regelmäßig Tagestouren einzubauen. Ihr Winterhäuser seid ja sowieso echte Kilometerfresser – aber trotz mehrerer Anläufe haben wir 2013 keine gemeinsame Tagestour geschafft (2012 schon: Kreuzberg, Du erinnerst Dich). Lediglich Markus W. war 2013 die verlässliche Konstante, mit dem ich nicht nur die genannten Jedermänner, sondern auch zum Kreuzberg (mehrmals) und nach Rothenburg fahren konnte.
      Vom Gedanken an einen »Gruppennamen« oder eigene Trikots ganz zu schweigen …

      Mir wäre es trotzdem lieber, wir würden uns NICHT zufällig treffen – vielleicht kann man ja einen anderen Abend wählen, wenn der Dienstag schon mindestens bei zweien gar nicht passt?! Für das kommende Quartal je einen Tag anvisieren für eine Gruppen-Tagestour? Die Teilnahme an einer RTF? Also lass mich bitte, bitte im Verteiler …

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