Alltag, Frust, Radwege, Würzburg

Würzburg wird fahrradfreundlich? Wann denn?

Der gute Wille ist da, auf allen Seiten: Die Stadtverwaltung signalisiert wiederholt und medienwirksam Bereitschaft, die teilweise unzumutbaren, manchmal schlicht lebensgefährlichen Zustände auf Würzburgs Straßen zu ändern; der Aufnahmeantrag liegt der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V. (AGFK Bayern) längst vor; AGFK und ADFC haben im April hier vor Ort einen gemeinsamen Radverkehrskongress abgehalten; ADFC und VCD bemühen sich um konstruktive Unterstützung der Stadt bei Lösungsansätzen und geben sich teilweise kompromissbereit, wissend um die prekäre Situation an manchen Verkehrsabschnitten (Stichwort: Löwenbrücke); die Radfahrenden – zumindest diejenigen, die keine rücksichtslosen Autisten sind, denen wirklich alles außer dem eigenen Vorankommen scheißegal ist – schlucken nach wie vor die eine oder andere Kröte in der Hoffnung auf baldige Besserung der Zustände, und zur Not wird eben auch mal das Rad geschoben (eine besondere Form der Schikane, die sich in dieser Form und Häufigkeit absolut kein (!) anderer Verkehrsteilnehmer bieten lassen muss) …

… allein, der Alltag der Würzburger Radfahrenden sieht auch im Jahr 1 nach Antragstellung um Aufnahme in die AGFK so deprimierend aus wie eh und jeh. Schlimmer noch: Offensichtlich wird »Fahrradfreundlichkeit« hier mißverstanden als unbedingte Schaffung von Neuem, als unbedingte Aufforderung zur Aktivität – und damit verbunden natürlich entsprechende Kosten (was in Zeiten klammer kommunaler Kassen ja besonders unangenehm ist). Dabei ginge Fahrradfreundlichkeit auch im Kleinen, wenn man sich nämlich einfach mal die StVO durchlesen und sich an die darin formulierten Regeln halten würde; wenn man einfach bestimmte Dinge unterlassen würde und die unbefriedigende Situation in Würzburg durch eigenes, unreflektiertes Handeln nicht noch verschlimmern würde. Das hiesige Tiefbauamt pflegt jedoch seit Jahren ganz öffentlich ein schlichtes Desinteresse an allen Verkehrsteilnehmern, die nicht im eigenen Auto sitzen – anders ist die aktuelle Situation am Röntgenring-Haugerring-Radweg Richtung Berliner Ring gar nicht mehr zu erklären, will man nicht die »Schildbürger« zum soundsovielten Male aus der Mottenkiste holen:

Überblick Gesamtsituation: Die Achse von der Friedensbrücke (über den Main links) bis zum Berliner Ring (Kreisverkehr rechts) ist eine der Hauptachsen schlechthin für den Radverkehr in Würzburg. Die nachfolgenden Fotos beziehen sich auf die Situationen, die ich mit 1–3 (rote Punkte) gekennzeichnet habe.

Überblick Gesamtsituation: Die Achse von der Friedensbrücke (über den Main links) bis zum Berliner Ring (Kreisverkehr rechts) ist eine der Hauptachsen schlechthin für den Radverkehr in Würzburg. Die nachfolgenden Fotos beziehen sich auf die Situationen, die ich mit 1–3 (rote Punkte) gekennzeichnet habe.

1a) Auf Höhe der Ausfahrt Bahnhofstraße hat jemand ein Warnschild für den Autoverkehr (!) auf dem benutzungspflichtigen Radweg (!!) platziert. Dadurch wird die sowieso schmale Radwegführung (eigentlich zu schmal, um überhaupt als benutzungspflichtig ausgewiesen zu werden) nochmal halbiert!

1a) Auf Höhe der Ausfahrt Bahnhofstraße hat jemand ein Warnschild für den Autoverkehr (!) auf dem benutzungspflichtigen Radweg (!!) platziert. Dadurch wird die sowieso schmale Radwegführung (eigentlich zu schmal, um überhaupt als benutzungspflichtig ausgewiesen zu werden) nochmal halbiert!

1b) Aber wohin soll man ausweichen? Auf die Straße? Auf den Gehweg? Das eine ist lebensgefährlich, das andere auch – und verboten. Es muss folglich ein echt wichtiger Grund vorliegen, dass man so massiv und gefährlich in den Radverkehr eingreift: Die linksabbiegenden Autofahrer – die vom Haugerring in den Bahnhof einfahren – werden also vor einer Baustelle gewarnt, die sie vermutlich erst nach dem Abbiegen sehen können, oder?

1b) Aber wohin soll man ausweichen? Auf die Straße? Auf den Gehweg? Das eine ist lebensgefährlich, das andere auch – und verboten. Es muss folglich ein echt wichtiger Grund vorliegen, dass man so massiv und gefährlich in den Radverkehr eingreift: Die linksabbiegenden Autofahrer – die vom Haugerring in den Bahnhof einfahren – werden also vor einer Baustelle gewarnt, die sie vermutlich erst nach dem Abbiegen sehen können, oder?

2) Denkste: Die Baustelle betrifft bestenfalls die vom Bahnhof nach rechts abbiegenden Autofahrer, und das nur minimal: die Fahrspur ist so breit, das stört normale PKWs überhaupt nicht bei der Ausfahrt. UND ABSOLUT KEIN EINZIGES FAHRZEUG, DAS ZUM BAHNHOF HIN ABBIEGT. Aber vermutlich wollte jemand auf Nummer sicher gehen und hat deswegen die Schilder auf den Radweg gestellt, weil sie auch da die Autos in keinster Weise stören und besser sichtbar sind als 60 cm nach rechts versetzt, auf den Gehweg …

2) Denkste: Die Baustelle betrifft bestenfalls die vom Bahnhof nach rechts abbiegenden Autofahrer, und das nur minimal: die Fahrspur ist so breit, das stört normale PKWs überhaupt nicht bei der Ausfahrt. UND ABSOLUT KEIN EINZIGES FAHRZEUG, DAS ZUM BAHNHOF HIN ABBIEGT. Aber vermutlich wollte jemand auf Nummer sicher gehen und hat deswegen die Schilder auf den Radweg gestellt, weil sie auch da die Autos in keinster Weise stören und besser sichtbar sind als 60 cm nach rechts versetzt, auf den Gehweg …
Update: 24 Stunden später ist die Baustelle mittlerweile in die Mitte der Einfahrt gewandert, der Hinweis auf diese für den Abbiegeverkehr ist also berechtigt und nachvollziehbar – allerdings: nach wie vor nicht auf dem Radweg, aber hier steht das Schild immer noch unverändert.

3a) Gegenprobe, keine 100 Meter weiter auf dem selben Radweg: Hier nun eine Baustelle, die ausschließlich den Radweg betrifft, ein Loch, das seit mindestens zwei Wochen unverändert abgesperrt ist. Wer findet das Warnschild für Radfahrende, dass auf Ihrer Strecke eine Baustelle ist? Bitte nochmal ganz genau schauen!

3a) Gegenprobe: Blick nach rechts, kaum 50 Meter weiter auf dem selben Radweg: Hier nun eine Baustelle, die ausschließlich den Radweg betrifft, ein Loch, das seit mindestens zwei Wochen abgesperrt ist. Wer findet das Warnschild für Radfahrende, das diese vorsoglich darauf hinweist, dass auf Ihrer Strecke eine Baustelle ist? Bitte nochmal ganz genau schauen!

3b) Na, das Schild immer noch nicht gesehen oder irgendeinen Hinweis, wie sich Radfahrende an dieser Stelle verhalten sollen? Nicht einmal eine schnell hingeklebte Aufhebung des blauen Schildes, das weithin sichtbar den Radfahrenden verbietet, den abgetrennten Gehweg mitzubenutzen.

3b) Na, das Schild immer noch nicht gesehen oder irgendeinen Hinweis, wie sich Radfahrende an dieser Stelle verhalten sollen? Es gibt auch kein Schild, keinen Hinweis – nicht einmal eine schnell hingeklebte temporäre Aufhebung des blauen Schildes, das weithin sichtbar den Radfahrenden verbietet, den abgetrennten Gehweg mitzubenutzen. Gar nichts. 50 cm rotes Klebeband für den Radverkehr? Nicht im Budget.

3c) Und weil eh alles, aber wirklich alles in Würzburg Wurscht ist, wenn es um Radfahrende geht, wird noch munter der getrennte Rad- und Fußweg direkt vor der Baustelle zugeparkt.

3c) Und weil alles, aber wirklich alles in Würzburg wurscht ist, wenn es um Radfahrende geht, wird noch munter der getrennte Rad- und Fußweg direkt vor der Baustelle zugeparkt.

3d) Und das für ein Loch, das irgendwer irgendwann an einer der Hauptrouten gegraben hat und das da nun seit Wochen unverändert ist.

3d) Und das für ein Loch, das irgendwer irgendwann an einer der Radverkehrs-Hauptrouten gegraben hat … und das da nun seit Wochen unverändert ist. Die Dringlichkeitsstufe wird wohl an die Art der Strecke – hier: Radweg – angepasst.

Eigentlich hätte ich gute Lust, bei der Polizei eine Anzeige einzureichen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr – welches Ausmaß an Unverschämtheit und Ignoranz muss man sich von den Verantwortlichen als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer eigentlich bieten lassen? Hier hilft auch der Verweis auf die StVO nicht weiter, sondern besser gleich der Blick ins Strafgesetzbuch:

§ 315b – Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr

(1) Wer die Sicherheit des Straßenverkehrs dadurch beeinträchtigt, daß er

  1. Anlagen oder Fahrzeuge zerstört, beschädigt oder beseitigt,
  2. Hindernisse bereitet oder
  3. einen ähnlichen, ebenso gefährlichen Eingriff vornimmt,

und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Handelt der Täter unter den Voraussetzungen des § 315 Abs. 3, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

(4) Wer in den Fällen des Absatzes 1 die Gefahr fahrlässig verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(5) Wer in den Fällen des Absatzes 1 fahrlässig handelt und die Gefahr fahrlässig verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Update: Das Schild wurde entfernt …

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Ein Gedanke zu “Würzburg wird fahrradfreundlich? Wann denn?

  1. Kurzer Nachtrag: Heute habe ich an verschiedene Stellen der Stadt Würzburg (FA Tiefbau, Radverkehrsbeauftragter, Stadtentwicklung, Pressestelle etc.) eine E-Mail mit der detaillierten Schilderung der Situation inkl. zweier Fotos geschickt. Der Radverkehrsbeauftragte Friedrich Weltz hat SOFORT per Mail reagiert und sich für den Hinweis bedankt. Nun bin ich gespannt, wie lange das Schild noch an dieser Stelle stehen bleibt, und ob sich irgendetwas an der Baustelle AUF dem Radweg verändert.

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