Alltag, Frust, Radwege, Würzburg

Wie soll und kann man mit Rowdies umgehen?

Die HD Ghost ist wieder da – nur mit den Bilderserien, das läuft nicht so wirklich rund … dafür filmt sie ganz zuverlässig und brauchbar, wie ich heute feststellen durfte. Ich habe die Kamera auf mein Alltagsrad montiert und filme einfach alle Fahrten – passiert nichts besonderes, lösche ich die Filme, passiert etwas, kann ich im Nachhinein nochmal schauen.

So auch heute Nachmittag, als ich von meinem Fototermin am Haugerring zurückfuhr ins Büro. Nach der Einfahrt in den Berliner Ring (Kreisverkehr), an der direkt darauffolgenden Ausfahrt Kroatengasse, schneidet mich ein weißer VW Tiguan (natürlich wieder ein SUV) schon ziemlich knapp – wäre ich eine Sekunde schneller gewesen, hätte er mich wohl plattgefahren. Nun hat die Kamera das alles ganz stoisch aufgezeichnet, der ganze miese Vorgang und auch das Kennzeichen sind überdeutlich zu sehen. Dank der Kamerauhr plus Filmlänge kann ich den Vorfall auf 14:42 Uhr datieren (+/– 1 Minute). Dennoch zögere ich, die – Verzeihung! – Drecksau anzuzeigen, die (wie viele andere auch) direkt von der Mittelspur kommend in die Kroatengasse abgebogen ist und mich geschnitten hat, so knapp, dass ich nicht mal hätte bremsen können, weil ich ihn bis ganz zuletzt nicht bemerkt/gesehen habe.

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Warum ich zögere? Zum einen, weil ich eigentlich keine Lust auf den polizeilichen bzw. juristischen Hickhack habe mit nur einem Videobeweis (der allerdings eindeutiger ist als 10 Zeugenaussagen), zum anderen, weil ich es, ehrlich gesagt, gewohnt bin, dass Autofahrer hier fast immer überfordert sind und im Zweifelsfall dann eben über Leichen gehen, und an dieser Stelle sowieso immer besonders achtgebe (ich habe diese Stelle auch schon in einem anderen Post hier als sehr gefährlich bezeichnet). Aber ich habe eigentlich auch keine Lust mehr, weiterhin gute Miene zum bösen Spiel der Autofahrer zu machen, nicht zuletzt, weil ich hier unter der Woche täglich mit unserem Jüngsten langfahren muss … was soll ich tun?

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4 Gedanken zu “Wie soll und kann man mit Rowdies umgehen?

  1. Ich bin verwundert, dass Du nicht zur Polizei Kontakt aufnehmen möchtest. Das geht doch heutzutage kurz und schmerzlos online, ohne viel Aufwand. Die Autofahrer sind sich der Gefährlichkeit oft gar nicht bewußt, werden aber nicht dazulernen, wenn sie keiner darauf aufmerksam macht…

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    • Hallo Claudi,
      ich habe die ganze Zeit gezögert, die Kamera überhaupt zu montieren: Weil ich weiss, dass ich hier in Würzburg vielleicht nicht täglich, aber garantiert mehrmals wöchentlich (!) Szenen festhalten kann, die Ordnungswidrigkeiten (oder Schlimmeres) belegen. Das würde folglich bedeuten, dass ich mehrmals wöchentlich Anzeige erstatten könnte und müsste – wenn ich damit anfange, müsste ich es konsequent durchziehen; und auch die Radfahrerin, die – auch gestern erst geschehen – z.B. zwischen mir und meinem Vordermann (Distanz ca. 1,5 m), während wir den Zebrastreifen queren, ungebremst durchgerauscht ist, anzeigen. Das wäre sehr schnell ein Fass ohne Boden, und ich bald als stadtbekannter »Denunziant« bekannt – ähnlich den Rentnern, die tagaus, tagein die Straße beobachten und dann handgeschriebene Zettelchen verteilen, auf denen sie ihre Mitmenschen auf Verfehlungen aufmerksam machen. Schau mal hier: so will ich nicht werden oder sein (wie der Leserbriefschreiber am Ende des Beitrags).
      Natürlich gibt es einen Unterschied zu Herrn Vogt: Ich dokumentiere lediglich Fälle, die mich direkt betreffen. Das werde ich vorerst auch weiterhin tun … der Berliner Ring (bzw. die Vollpfosten, die ihn als Rennpiste missverstehen) hat ja schon vor kurzem für bayernweite Schlagzeilen gesorgt.
      Ich werde vorerst weiterfilmen und sammeln, mir fällt schon noch eine effektive Verwendung ein. Und wenn es richtig grob wird, bin ich zumindest gut vorbereitet.

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  2. Sebastian schreibt:

    In der geschilderten Situation bin ich mir selbst als Alltags-/Immerradler nicht 100 % über die Vorfahrt im Klaren.

    Einerseits lässt sich argumentieren, dass man sich auf Höhe der Ausfahrt bereits vollumfänglich im Kreisverkehr befindet und gegenüber dem abbiegenden Verkehr Vorrang genießt (§ 9 Abs. 3 STVO). Andererseits kann man die Situation auch so auslegen, dass der sich bereits im Kreisverkehr befindliche PKW gegenüber dem einfahrenden Verkehr vorfahrtberechtigt ist (§ 8 Abs. 1a STVO). Letztlich ist die Frage, wie weit sich das „Vorfahrt gewähren“ bei Einfahrt in den Kreisverkehr erstreckt (und ob es für den Radverkehr auf dem ausgeschilderten, hier einmündenden Radweg überhaupt anwendbar ist) und wie gegebenenfalls der Konflikt der beiden zitierten Paragraphen aufzulösen ist.

    Ähnlich unklar verhält es sich auch mit den auf der rechten Spur vom Haugerring kommenden, in den Kreisverkehr einfahrenden Autos: haben diese einem auf der mittleren Spur im Kreisverkehr kommenden Fahrzeug Vorfahrt zu gewähren, wenn dieses auf Höhe der Einfahrt einen Spurwechsel auf die äußerste Spur macht oder nicht?

    Ich wäre dankbar, wenn jemand diese Situation klar beurteilen könnte.

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    • Hallo Sebastian,
      für mich ist die Situation ziemlich klar: Der Radweg wird separat an den Kreisverkehr herangeführt mit durchgängiger Vorfahrt, weil die Situation eine andere ist als bei den Autofahrern:
      1. von links kann dem Radfahrenden kein vorfahrtberechtigtes Fahrrad auf dem Radweg im Kreisverkehr begegnen, dort gibt es keinen Radweg; folglich stehen für die Autofahrer, die in den Kreisverkehr einfahren, die »Vorfahrt achten«-Schilder links und rechts von der zweispurigen Einfahrt, für den Radverkehr, der ja auch verkleinerte Schilder dieser Art kennt, fehlt jeder Hinweis; durch die separate Wegführung sollen ja eigentlich Sicherheit und Eindeutigkeit erhöht werden;
      2. vor der Ausfahrt Kroatengasse ist der Radweg Teil des Kreisverkehrs, Radfahrende fahren hier nicht mehr in den Kreisverkehr ein, sondern folgen dessen Verlauf und sind bevorrechtigt gegenüber Fahrzeugen, die an dieser Ausfahrt (wie auch an allen folgenden Ausfahrten: Ludwigstraße, Rennweg, Martin-Luther-Straße) den Kreisverkehr nach rechts abbiegend verlassen; dass Autofahrer von der Mittelspur direkt nach rechts abbiegen, statt rechtzeitig auf die rechte Spur zu wechseln und dann abzubiegen, lässt sich an allen genannten Ausfahrten regelmäßig beobachten – nur betrifft das meistens die Autofahrer untereinander, die sich dann gegenseitig freundlich anhupen; an der Ausfahrt Kroatengasse liegen Spurwechsel und Abbiegen jedoch so nah beieinander, dass hier erhöhte Vorsicht geboten ist – dennoch ist ein korrektes Verhalten nach StVO für alle Beteiligten möglich:
      a) Fahrzeug im Kreisverkehr signalisiert Spurwechsel auf Höhe Einfahrt Haugerring, die einfahrenden Fahrzeuge müssen Vorfahrt gewähren und gegebenenfalls anhalten; beim Blick nach rechts ist vom Fahrzeug aus einbiegender KFZ-Verkehr ebenso wie Radfahrende gut zu erkennen, wenn mit entsprechender Geschwindigkeit gefahren und Genauigkeit geschaut wird (es hapert ja an beidem: zu schnell im Kreisel unterwegs und dann nur ein flüchtiger Blick, ob da was Größeres auf der Straße ist);
      b) Fahrzeug wechselt sofort nach der Einfahrt Haugerring auf die rechte Spur (die hier nicht wirklich viel länger ist als eine Fahrzeuglänge, aber das ist nicht das Problem der Radfahrenden rechts);
      c) Fahrzeug muss Radfahrenden rechts Vorfahrt gewähren vor der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr und gegebenenfalls anhalten;
      d) ist der Radweg frei, kann das Fahrzeug aus dem Kreisverkehr herausfahren.

      Noch enger ist es ja gegenüber, und dennoch eindeutig geregelt: Ich fahre vom Rennweg auf den Kreisverkehr-Radweg, auf dem ich dann bevorrechtigt bin gegenüber dem Abbiegeverkehr aus dem Kreisel heraus in die Martin-Luther-Straße, auch wenn dazwischen nur wenige Meter liegen. Ich muss bei der Einfahrt Vorfahrt gewähren, aber nicht mehr, wenn ich auf dem Radweg bin. Es spielt keine Rolle, wie lange ich schon auf diesem Radweg unterwegs bin, der Weg an sich ist bevorrechtigt gegenüber den Fahrspuren links davon im Kreisel.
      Es gibt keine Stelle am Berliner Ring, wo für Radfahrende eine vergleichbare Situation wie für KFZ bei der Einfahrt vorherrscht: es führt kein einziger Radweg an den Radweg im Kreisverkehr heran, nur der Radweg Haugerring geht nahtlos in den Kreisverkehr über; bei der Ausfahrt ist die Situation jedoch vergleichbar, da die abbiegenden Radfahrenden (Ausnahme: Schweinfurter Straße) an den überall anschließenden Fußgängerüberwegen den Fußgängern Vorrang gewähren müssen. Hier zeigen aber viele Radfahrende leider genau das Verhalten, das sie bei den KFZ-Abbiegern zu Recht kritisieren: Sie brettern einfach durch und gefährden querende Fußgänger.

      PS: Das ist natürlich keine juristische Expertise, sondern meine Einschätzung als Alltagsradler, basierend auch auf meinem Verständnis der StVO. Im Ernstfall gibt es auf der Gegenseite immer einen Anwalt, der genau das Gegenteil behaupten wird …

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