Alltag, Frust, Lust, Radwege, Würzburg

Würzburg wird fahrradfreundlich? Man bemüht sich immerhin …

Gestern habe ich hier ausgeführt, woran es bei der Fahrradfreundlichkeit in Würzburg hapert. Heute habe ich eine Mail an diverse Stellen der Stadtverwaltung geschickt mit zweien der gestrigen Bilder und folgendem Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Tagen befindet sich ein Warnschild für den Autoverkehr auf dem Radweg postiert am Röntgenring/Haugerring, Ausfahrt Bahnhofstraße.

Das Schild warnt Autofahrer, die vom Haugerring nach links in den Bahnhof abbiegen, vor einer Baustelle. Allerdings stellt das Schild einen erheblichen und gefährlichen Eingriff in den Radverkehr auf einer Hauptachse dar. Der ohnehin schmale, dennoch benutzungspflichtige Radweg wird effektiv halbiert – der Schildfuß unten belegt ein Drittel der Breite, das dreieckige Schild oben ragt über die Hälfte in den Radweg hinein.

Ich erlaube mir, die von der Stadt Würzburg auf ihrer Website formulierte „Radverkehrsförderung“ auszugsweise zu zitieren:

Radverkehr ist als komplexes System zu verstehen und zu fördern.
Wichtige Gesichtspunkte sind für uns:

  • gute Verbindungen
  • sichere Verkehrsbedingungen
  • fahrradfreundliches Klima
  • ausreichende Flächen für den Radverkehr
  • Berücksichtigung bei Baustellen

(Quelle: http://www.wuerzburg.de/de/themen/bauen-wohnen/rad/16779.Der_Radverkehr_in_Wuerzburg.html )

Ich denke, dass an dieser Stelle die Lektüre des Strafgesetzbuchs, § 315b („Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr“) eher auf die Situation zutrifft. Auszug:

(1) Wer die Sicherheit des Straßenverkehrs dadurch beeinträchtigt, daß er
• Anlagen oder Fahrzeuge zerstört, beschädigt oder beseitigt,
• Hindernisse bereitet oder
• einen ähnlichen, ebenso gefährlichen Eingriff vornimmt,
und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Bitte erklären Sie mir als einem Bürger dieser Stadt, der täglich mit dem Fahrrad fährt,

  • warum das Warnschild für den Autoverkehr nicht entsprechend auf der Straße postiert wurde, alternativ auf dem dreimal so breiten Gehweg, sondern als Hindernis auf dem schmalen Radweg, und wer für diesen Eingriff in den Radverkehr die Verantwortung trägt;
  • warum z.B. die Baustelle AUF dem Radweg, nur einige Meter weiter am Haugerring, weder den Radfahrenden durch einen entsprechenden Hinweis angezeigt wird, noch, warum die Benutzungspflicht dort (Zeichen 241, getrennter Rad- und Gehweg) nicht temporär aufgehoben wird, damit Radfahrende die Baustelle wenigstens „legal“ umfahren können;
  • inwiefern sich solche, die Radfahrenden vorsätzlich benachteiligenden und gefährdenden Eingriffe mit den von der Stadt Würzburg selbst formulierten Zielen zur Förderung des Radverkehrs vereinbaren lassen.

Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Antwort.

Eine sofortige Reaktion kam vom Radverkehrsbeauftragten Friedrich Weltz, der sich per Mail für den Hinweis bedankte. Und nur zwei Stunden später kam aus der FA Tiefbau folgende Mail:

Sehr geehrter Herr Kleinhenz,

Ihre E-Mail wurde zuständigkeitshalber an die Fachabteilung Tiefbau -Verkehrsregelung- weitergeleitet. Bei einer Ortseinsicht zusammen mit der ausführenden Baufirma wurde die Beschilderung und Absperrung angesprochen. Die Baufirma wurde angewiesen, die Beschilderung und Absperrung unverzüglich zu verbessern (Wegnahme des Baustellenschildes – ist an dieser Stelle nicht unbedingt notwendig, sowie Abdecken der Aufgrabung mittels einer Stahlplatte so dass der Radweg wieder befahrbar ist).

Wir danken in diesem Zusammenhang für die konstruktive Kritik, für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Und soeben bin ich nochmal hin, um ein Foto zu machen: Das Schild ist weg! Die Platte über das Loch im Radweg muss zwar noch gelegt werden, aber immerhin: Es tut sich etwas, Beschwerden werden gehört und Abhilfe wird geschaffen. Prima! Mein Interesse an bürgerschaftlichem Engagement wächst, meine Politikverdrossenheit schrumpft – angenehmer Nebeneffekt.

Fast alles wieder gut …

Heute, 14:33 Uhr | Fast alles wieder gut – bis auf den blöden Radwegparker (SUV, was sonst), aber da kann die Stadtverwaltung nichts für, es ist ja schon ein totales Halteverbot ausgeschildert …

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