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Tourenvorbereitung (5) – Horst-Tomayer-Gedenkradfahrt

Horst Tomayer war nicht nur – nach eigener Aussage – »Bayerns jüngster Versicherungskaufmannslehrling aller Zeiten«, sondern einer der ganz Großen, wenn es um den souveränen, eigenwilligen Umgang mit Sprache ging (siehe etwa dieses Fax an Schröder/Kalender aus dem Jahr 2003). Seine konkret-Kolumne »Tomayers ehrliches Tagebuch« und andere Einlassungen verfolgte ich seit meiner Kollegstufenzeit in den späten 1980er Jahren, also seit gut 25 Jahren. Seinen Gesundheitszustand thematisierte er zuletzt zwar, aber eher nebenbei, so dass die Meldung seines Todes (am 13.12.2013 in Folge einer Krebserkrankung) für mich als Nur-Leser, der ihn nicht näher persönlich kannte, einerseits überraschend kam, mir andererseits ein »Hab ich’s doch geahnt«-Gefühl aufnötigte. Dabei hatte ich ihn doch erst kurz vorher noch putzmunter in dem Film »Cycling to Liberation« (ab Minute 5:20) bewundern können, denn Tomayer war auch ein überzeugter und begeisterter Radfahrer mit Haltung – nicht unbedingt selbstverständlich angesichts der Verkehrssituation in seiner Wahlheimat Hamburg. Diese verließ er auch zuletzt noch regelmäßig im Sommer für eine Tagestour per Rad nach Berlin – genau: fast 300 km Strecke an einem Tag, auf einem Stevens-Tourer (27-Gang), und das auch noch im zarten Alter von 70+ Jahren!

Und noch ein längeres Video, das den Radfahrer und Mensch Tomayer vermutlich recht gut darstellt.

In der August-Ausgabe der konkret tauchte die Meldung auf, dass die Redaktion interessierte LeserInnen zusammenbringen möchte, die an einer entsprechenden Gedenkfahrt für Horst Tomayer teilnehmen wollen. Also schickte auch ich eine Mail hin, und so fand seit ein paar Wochen ein reger Mailverkehr statt – aus dem sich zumindest eine 3-Tages-Tour herauskristallisierte. Ich wollte eigentlich eher die Tomayersche Variante – in einem Tag –, und andere wiederum würden die Strecke gerne in zwei Etappen fahren. Zusagen, Absagen, Nachzügler, möglicherweise – das übliche Durch- und Nebeneinander der individuellen Vorstellungen. Ich positionierte mich als Vertreter der 1-Tages-Tour, und terminlich liegt diese nun am 13. September (Samstag) genau in der Mitte der 3-Tages-Tour (12.–14. September). Dadurch gibt es zumindest die Möglichkeit, die anderen FahrerInnen unterwegs zu treffen. Ich werde vermutlich alleine die 1-Tages-Tour fahren, denn bisher liegen keine weiteren verbindlichen Zusagen vor. Von meinem Domizil in Hamburg zu meinem Domizil in Berlin (beide Male private Unterkunft bei Freunden möglich) sind es 305 Streckenkilometer – die längste Distanz, die ich bisher am Stück gefahren bin. Aber: Es kommt noch besser, …

Hamburg – Berlin: 305 Kilometer an einem Tag.

Hamburg – Berlin: 305 Kilometer an einem Tag.

… denn ich muss ja zuerst nach Hamburg kommen. Zugfahrt mit Fahrradmitnahme wäre natürlich eine Option, aber, hey: Die ca. 500 Kilometer von Würzburg nach Hamburg könnte ich doch auch in zwei Tagen fahren, oder? Dann einen Tag Pause – und die tolle Fahrradausstellung ansehen –, und dann das Sahnehäubchen: Hamburg–Berlin an einem Tag. Klingt gut, aber: Es kommt noch besser, …

… denn ich muss ja auch von Berlin wieder nach Würzburg kommen. Zugfahrt mit Fahrradmitnahme wäre natürlich eine Option, aber, hey: Die ca. 500 Kilometer von Berlin nach Würzburg könnte ich doch auch in zwei Tagen fahren, oder? Nach einem Tag Pause in Berlin müssten die Beine doch nach neuer Betätigung lechzen …

Wer hier regelmäßig mitliest, hat sicher schon bemerkt, dass mein Hang zu Tagestouren recht groß ist, meine Erfahrung mit Mehrtagestouren eher gering. Andererseits ist die Toleranz meiner Familie auch nicht zu unterschätzen: Mit zwei immer noch minderjährigen Kindern (gut, der Große ist schon bald auf der Zielgeraden Richtung Volljährigkeit) sind die Verpflichtungen ja da, vor allem die selbst auferlegten. Aber nach einigem Überlegen und Abwägen haben wir vier uns darauf geeinigt, dass ich die sieben Tage (fünf Tage Fahren, zwei Tage Ruhepause) für mich bekomme.

Also: Vorbereitung. Das heißt – neben mentaler Vorbereitung (Kann ich das? Darf ich das? Will ich das? …) – vor allem, Ross und Reiter für eine Woche on the road zu rüsten. Kette und Kassette sind ja nun runderneuert, das Rennrad fährt sich derzeit sehr gut. Trotzdem muss zuallererst eine neue, größere Tasche auf den Träger, und nun soll sich die Entscheidung für das Topeak-System auszahlen, indem ich auf den vorhandenen Träger einfach eine größere Tasche schiebe – so hat sich das auch für mich vor dem Kauf der ersten Tasche dargestellt (Systemkompatibilität). Dazu kommen drei zusätzliche Akkus plus Ladegerät für die HD Ghost, heute neue Regenjacke und Regenhose (Realist, nicht Pessimist), und – an diesem Wochenende – als letzte Trainingseinheit wieder ein Wochenendtrip zu Freunden in die Nähe von Darmstadt, vollbepackt mit neuer Tasche.

Systemkompatibilität (1): Von wegen: Haben die bei Topeak doch glatt die Schiene an der Taschenunterseite leicht anders gemacht, so dass sie nicht in meinen RoadieRack-Träger passt!

Systemkompatibilität (1): Von wegen: Haben die bei Topeak doch glatt die Schiene an der Taschenunterseite leicht anders gemacht, so dass sie nicht in meinen RoadieRack-Träger passt!

Systemkompatibilität (2): Na warte, Euch geb’ ich! Säge, Feile, Zange – und schon passt alles zusammen … ;-)

Systemkompatibilität (2): Na warte, Euch geb’ ich! Säge, Feile, Zange – und schon passt alles zusammen … 😉

Die neue Tasche (DXP, links): Ein Riesending im Vergleich zur RX – mit 22 Litern Fassungsvermögen und ebenfalls herausklappbaren Seitentaschen.

Die neue Tasche (DXP, rechts): Ein Riesending im Vergleich zur RX – mit 22 Litern Fassungsvermögen und ebenfalls herausklappbaren Seitentaschen.

Für 33 Euro nachgerüstet: drei Akkus plus ein zusätzliches Ladegerät.

Für 33 Euro nachgerüstet: drei Akkus plus ein zusätzliches Ladegerät für die HD Ghost – zwölf Stunden Fotografieren am Stück, länger will ich eigentlich auch nicht fahren.

Meine Shirt-Entwürfe, die ich auch an die anderen FahrerInnen zur freien Verwendung weitergegeben habe. Angelehnt an das konkret-Design (Redaktion hat sich gefreut und Freigabe erteilt).

Meine Shirt-Entwürfe, die ich auch an die anderen FahrerInnen zur freien Verwendung weitergegeben habe. Angelehnt an das konkret-Design (Redaktion hat sich gefreut und Freigabe erteilt).

Reisegepäck: Funktionsshirt, T-Shirt … und der kleine Tomayer-Band »German Poems« (Edition Nautilus 2002, nur noch antiquarisch erhältlich).

Reisegepäck: Funktionsshirt, T-Shirt … und der kleine Tomayer-Band »German Poems« (Edition Nautilus 2002, nur noch antiquarisch erhältlich).

Zur Vorbereitung gehört auch der Wechsel zu einer neuen Art der Routenplanung: ich verwende seit neuestem komoot, das erweist sich bisher als relativ geschmeidig, sowohl bei der Planung als auch beim Tracking. Dazu will ich aber ein andermal mehr schreiben …

… deswegen hier nur noch ein paar nüchterne Zahlen (wenn ich sie oft genug aufschreibe, verfliegt meine Angst sicher):

9.9. abends WÜ-Waldfenster (70 km)
10.9. Waldfenster-Einbeck (ca. 220 km)
11.9. Einbeck-HH (ca. 250 km)
12.9. Chillout HH (Fahrradausstellung besuchen)
13.9. HH-B (ca. 305 km)
14.9. Chillout B
15.9. B-Weimar (ca. 270 km)
16.9. Weimar-WÜ (ca. 200 km)
Summe: ca. 1.300 km …

***

Als PS noch ein dezenter Hinweis in eigener Sache: Dies ist der 100. Beitrag auf diesem Blog, am 21. Juni 2013 veröffentlichte ich den ersten. An dieser Stelle, ganz schlicht gehalten, ein DANKESCHÖN! von ganzem Herzen an alle LeserInnen und KommentatorInnen. Nicht immer gelingt mir die richtige Balance zwischen Radfahr-Enthusiasmus (viel), Beiträgen zum Radverkehr (leider meistens Negativ-Beispiele, aber so ist sie nun mal, die Realität) und Schrauberei (zu wenig, wenn ich die Statistiken ansehe: Meine »Rennrad-Restaurierung« – hier, hier und hier – ist nach wie vor die am meisten aufgerufene Beitragsreihe).

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4 Gedanken zu “Tourenvorbereitung (5) – Horst-Tomayer-Gedenkradfahrt

  1. Servus Jochen,
    erstmal die fälligen Glückwünsche zum Hundertsten!
    Und zu deinen Plänen, was soll ich sagen? Genug Muckies, Sitzfleisch bzw. Polster in der Hose, und immer einen Finger breit Gummi unterm Kiel. Oder so ähnlich. Freu mich schon auf die Berichte.

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    • Danke & Willkommen zurück im Norden!
      Fast wollte ich die diplomatischen Beziehungen zu Dir abbrechen, wegen Deinen (für Süddeutsche im August schlicht) unverschämten Hitze-Posts aus Andalusien – vor allem dieser hier hat mir psychisch und moralisch schwer zu schaffen gemacht … 😀

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  2. Dieter schreibt:

    Hallo Jochen! Da hast Du ein tolles Vorhaben vor der Brust. Ich wünsche Dir gutes Wetter, keine Pannen und eine unfallfreie Rückkehr nach Hause.
    Gruß Dieter
    PS: Die 3 Berichte über die Restauration des Rennrades…Chapeau!

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