Ehrgeiz, Frust, Lust, Rennrad, Tour > 200 km

Würzburg–Hamburg–Berlin – Tourbericht aus Hamburg

Kurzer Zwischenbericht aus Hamburg: Bisher verlief fast alles nach Plan.

Am Dienstag fuhr ich von Würzburg nach Waldfenster (17–20 Uhr), schlief in meinem Elternhaus auf dem Sofa. 8 kg Gepäck trübten meinen Elan etwas – und machten sich auch beim Fahren bemerkbar … aber ich habe nur das Nötigste dabei, Ehrenwort! Aber eben für 7 Tage …

Am Mittwoch kam die erste größere Etappe, mit 240 km und über 2.000 Höhenmetern auch die (vermeintlich) anstrengendste, von Waldfenster nach Einbeck. Ich startete um kurz nach 7 Uhr morgens, nach einem gemeinsamen Frühstück mit meiner Schwester. Zuerst hieß es Klettern – über Waldberg und Sandberg nach Bischofsheim (traumhafte Abfahrt!). In Bischofsheim kurze Pause mit 2 Wurstbrötchen, bevor ich der B278 folgte und das Ulstertal entlang fuhr bis Philippsthal. Dort gabs den nächsten Imbiss, so um die Mittagszeit – dann weiter ein Stück an der Werra entlang bis Obersuhl. Von da nach Norden, um ab Eschwege wieder der Werra zu folgen bis Bad Sooden-Allendorf. Mittlerweile 15 Uhr, aber: iPhone leer, Akkupack leer! Weil ich das iPhone als Navi nutzte UND mich tracken ließ, war der Stromverbrauch exorbitant hoch … und ich »gestrandet«. Also nochmal längere Pause in Bad Sooden, die freundliche Bedienung lud mein iPhone. Ca. 45 Minuten später mit 38% Kapazität weitergefahren – und kein Tracking mehr. Schließlich links an Göttingen vorbei und noch einen veritablen Sprint in der letzten Stunde hingelegt – Ankunft in Einbeck um 20 Uhr, zusammen mit dem langsam einsetzenden Nieselregen (nachdem der Tag absolut trocken war – von mir abgesehen). Den Abend mit meinen Gastgebern verplaudert und um kurz nach 23 Uhr zufrieden ins Bett …

Am Donnerstag gab es (viel zu) spätes Frühstück um 6.45 Uhr, der Regen draußen war auch keine echte Motivation, übermäßig schnell aufzubrechen. So fuhr ich erst nach 8.30 Uhr ab – ebenfalls viel zu spät. Dazu verliefen die ersten beiden Stunden sehr zäh, immer wieder Regen, teils heftige Güsse – die iPhone-Halterung am Lenker ist zwar wasserdicht, aber bei Nässe funktioniert die Bedienung des Displays nicht. Also immer wieder alle 10–15 km anhalten, iPhone herausholen und Route mit den Straßenschildern abgleichen. »Stop & Go« statt »Flow« … nicht gut, weder fürs Tagesziel noch die Moral. Mittagspause in Hämelerwald, um 14 Uhr gerade mal östlich von Hannover! Oje, das wird eng … denn ich hatte noch Bargfeld in die Route eingebaut, ein winziges Kaff, in dem aber einer der interessantesten deutschen Schriftsteller gelebt hat und durch das ich zumindest mal durchfahren wollte. Inzwischen regnete es zwar nicht mehr, aber ich fuhr weiterhin mit Regenjacke als Windschutz, denn der blies mir nun konstant entgegen – für mich absolut frustrierend: Anstiege werden ja wenigstens mit Abfahrten belohnt, Gegenwind bremst einfach nur und ist laut (so dass ich seit Hämelerwald mit Taschentuch-Stopfen in den Ohren fuhr). Ankunft in Bargfeld gegen 16.30 Uhr, in der Dorfmitte an einer Scheune sogar eine kleine Ausstellung/Installation mit den 2.200 Fotos von Arno und Alice Schmidt. Pause, Essen, Trinken, Rauchen – und noch weit über 100 km bis Hamburg …
… aber ich war »durch«, nach gerade mal 140 km. Die nette Dame, die um 17 Uhr die Ausstellung (Projektion im Gebäude) schloss, konnte mir zumindest den nächsten Bahnhof nennen: Eschede (11 km), Umsteigen in Uelzen. Und Uelzen? 40 km – das fahre ich noch. Also gegen 17.15 Schlussetappe für diesen Tag: Von Bargfeld fuhr ich durch die südliche Heide bis Sprakensehl, dann auf der B4 nach Uelzen – der längste Puff (Nord-)Deutschlands: Über 20 km nur Wald, fast schnurgerade und eben, und in regelmäßigen Abständen von max. 1 km immer wieder Wohnmobile und -wägen, besetzt mit Damen und teilweise dezenten, aber eindeutigen Hinweisschildern aussen … plus Parkplätze und -buchten daneben/dazwischen, auf denen die Fernfahrer pausieren.
Nach 180 km fuhr ich die letzten 70 km von Uelzen nach Hamburg mit dem Zug bis HH-Hauptbahnhof, Ankunft 21 Uhr, und dann noch 5 km bis zu meinem Domizil in Altona. Schock bei der Ankunft: Absolut warm hier, Superwetter – hoffentlich auch noch morgen!
Heute dann bis 7.30 Uhr ausgeschlafen, danach zum Hauptbahnhof, wo ich die anderen Gedenkradler traf und auf Ihre 3-Tages-Tour verabschiedete – gute Stimmung, super Wetter, und ich hoffe, ich habe bis morgen wieder genug Energie – vor allem mental – um die 300 km (!) wirklich am Stück wegzuradeln. Anschließend war ich in der wirklich gut gemachten Fahrradausstellung – auch die Tatsache, dass gefühlt die Hälfte der Exponate aus dem Brückenauer Fahrradmuseum stammt, konnte meine Begeisterung nicht schmälern, warf aber die Frage auf, warum ich dann extra bis Hamburg gefahren bin … 😉

Vorsatz für morgen: Spätestens um 7 Uhr auf dem Rad … Bericht folgt.

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2 Gedanken zu “Würzburg–Hamburg–Berlin – Tourbericht aus Hamburg

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