Ehrgeiz, Fotografie, Frust, Lust, Mensch-Maschine, Radwege, Rennrad, Technik, Tour > 200 km

Würzburg–Hamburg–Berlin – abschließender Tourbericht

Nach einer Woche Blogabstinenz (schreiben, nicht lesen) hier nun der abschließende Bericht der Tour, mit kritischen Anmerkungen und – natürlich – einem Packen Bildern.

Ich habe etwas kritischer als vielleicht nötig über die Tour nachgedacht und glaube, dass sich aus folgenden Punkten die Ursache(n) für das vorzeitige Abbrechen ganz gut herauslesen lassen. Dazu zitiere ich die Mail eines meiner Kunden an mich, der die Begeisterung fürs Radfahren weitgehend teilt und die dieser am Tag vor meiner Abfahrt an mich geschickt hat:

»Wenn man auf individuelle Reisen geht, dann geht nie alles glatt. Das gehört dazu und ist das Salz in der Suppe des täglichen Lebens.«

Natürlich ist es müßig zu fragen, was genau nicht glatt ging (und wie viel Salz in die Suppe gehört) – es war wie immer die Mischung aus mehreren Faktoren, die ich hier auflisten will:

  1. Vorbereitung des Unterfangens: Als ich 2013 das erste Mal von Würzburg nach München fuhr, am 9. Mai als 1-Tages-Tour (ca. 290 km), verbrachte ich Monate (!) davor mit der Planung und Vorbereitung. Schon im Dezember 2012, als mir die Idee kam, die »Vatertagstour 2013« so zu gestalten, begann ich, Karten zu studieren und im Routenplaner unterschiedliche Strecken zu analysieren. Immer wieder nahm ich mir die Karten vor, über Monate hin, bis ich schon Wochen vor der Fahrt das Gefühl hatte, jeden Kilometer auf der Strecke zu kennen. Dazu packte ich mir eine Liste mit allen Ortsnamen aufs Oberrohr, um möglichst ohne großen Aufwand eine schnelle Orientierung zu haben. Auch die Unterfranken-Rundfahrt wurde monatelang vorbereitet und immer wieder neu geplant (Routen). Diesmal verbrachte ich gerade 4 Wochen mit der (halbherzigen) Vorbereitung einer Gesamtstrecke, die mit ca. 1.300 km 4–5 Mal so lang war (im Vergleich zu Würzburg–München) bzw. 2,5 Mal so lang (Unterfranken-Rundfahrt), in eigentlich überschaubare Tagesportionen eingeteilt, von denen ich aber kaum einen Streckenkilometer bisher gefahren war. Dennoch: Ich fuhr letztlich einfach drauf los, mit vollem Vertrauen in meine radlerischen Fähigkeiten ebenso wie in meinen Orientierungssinn – und in mein iPhone, das als Navi permanent in Gebrauch sein würde.
  2. Planung & konsequente Umsetzung: Als nächstes versuchte ich, die Tage so zu planen, dass ich einerseits die Gesamtstrecke innerhalb einer Woche bewältigen könnte, andererseits genügend Zeit für nötige Rekreation finden würde. Zwei Tage Pause in Hamburg und Berlin klingt vernünftig, aber dadurch wuchs das Pensum an den verbleibenden 5 Fahrtagen ordentlich an, auf ca. 260 km/Tag. Das ist definitiv ein Päckchen, das vor allem eins erfordert: Konsequentes Abarbeiten. Mit Pausen (eingeplant) und Pannen (möglicherweise) wäre ich an jedem Fahrtag mindestens 12–14 Stunden unterwegs und beschäftigt – müsste also allerspätestens 7 Uhr morgens losfahren, um nicht zu sehr in Abend und Nacht hineinzugeraten. Schon am zweiten langen Fahrtag, von Einbeck nach Hamburg, kam ich aber erst gegen 9 Uhr los – viel zu spät, um das Tagespensum noch tagsüber zu schaffen. Dazu kamen Probleme mit der iPhone-Bedienung während der Fahrt durch Regen und Feuchtigkeit, so dass viel zu viele Unterbrechungen eine zügige Fahrt verhinderten. In Bargfeld hätte ich nicht vor 17 Uhr ankommen, sondern schon vor 15 Uhr wieder abfahren müssen, um das Tagesziel zu erreichen. Es fehlten genau die zwei Stunden, die ich am Morgen zu spät losgefahren war (wegen Regen).
  3. Fokussierung auf das Ziel: Was war noch mal der Anlass für die Tour? Die Horst-Tomayer-Gedenkradfahrt von Hamburg nach Berlin – alleine oder zeitweilig mit den Mehrtages-Tourern? Die Fahrt von Würzburg nach Hamburg? Die Fahrt von Berlin nach Würzburg? Der Besuch von Stefan und Bea in Einbeck, Thomas und Lisa (und der Fahrradausstellung) in Hamburg oder Hubert und Wiebke in Berlin? Zu viele Ziele in zu kurzer Zeit, jedes wollte ich erreichen, und die personengebundenen Ziele (meine Gastgeber) waren natürlich wichtiger als die fahrerischen Ziele (alle Streckenkilometer abradeln). Es war eigentlich abzusehen, dass ich die fahrerischen Ziele schon bei der kleinsten Störung/Verzögerung im Tagesablauf nicht mehr würde erreichen können. Hier galt dann: Personen vor Pedale.
  4. Flexibilität und Gelassenheit: Bis auf den Sonntag in Berlin war jeder der 7 Tage, auch die Tage ohne Füße auf den Pedalen, eigentlich völlig durchgeplant. So hatte ich mir keine Möglichkeit eingeräumt, eine nicht mehr zu fahrende Tagesetappe – etwa von Bargfeld nach Hamburg fahren oder von Havelberg nach Berlin – einfach auf den nächsten Tag zu verschieben und flexibel eine Übernachtung irgendwo einzubauen. Dann wäre ich eben erst am nächsten Tag in Hamburg oder Berlin eingetroffen. So what?
  5. Optimismus und Realismus: Als ich dieses Jahr zum zweiten Mal die Tagestour nach München fuhr, bedurfte die Tour so gut wie keiner Vorbereitung: Das Wetter passt, also los! Keine Liste am Oberrohr, keine Karte, kein iPhone – die Strecke kam mir vertraut vor, trotz mancher Variation unterwegs eine leichte Übung. Für diese Tour jetzt war ich zwar auf alle Wetter eingestellt, aber was es tatsächlich hieß, stundenlang bei Regen zu fahren oder gegen den Wind, das erfuhr ich erst unterwegs – als frustrierend. Und zwar in einem solchen Maß, dass neben den physischen Umweltfaktoren meine Psyche schwächelte, mehr als einmal. So sehr mir der gute Lauf einen Adrenalinschub nach dem anderen versetzte, so sehr zogen mich die zähen, feuchten Kilometer immer mehr runter. Und weit und breit niemand, der im Wechsel Windschatten spendete oder gut zuredete. Ich war völlig auf mich alleine gestellt, tagelang. Allerdings nicht flexibel (siehe 4.), sondern in einem engen, starren Terminkorsett. Und um 14 Uhr schon zu merken, dass das Tagesziel nicht erreicht werden kann, beflügelt dann auch nicht mehr wirklich …

Immerhin: 730 von anvisierten 1.300 km bin ich gefahren – auch das schon ganz ordentlich, aber eben nicht das, was ich wollte. In Schulnoten vermutlich eine 4, und dabei will ich momentan doch nur 1 und 2 erreichen. Aber ich habe vermutlich zu viel Stoff gelernt, der nicht drankam, und dafür musste ich passen bei den Transferaufgaben. Ich lasse das jetzt so stehen mit der abschließenden Bemerkung: Schön war die Tour trotzdem, ich bereue keinen Kilometer – trauere aber den nicht gefahrenen nach. Ein paar Bilder und Eindrücke:

 

Dienstag, 9. September – von Würzburg nach Waldfenster

Um 17 Uhr fuhr ich los, die 75 km bis zu meinem Elternhaus als Einradeln am Vorabend und Gewöhnung an die 8 kg Zuladung hinten. Schöner, sonniger Abend, aber auf den letzten Kilometern schon mit Licht in der Abenddämmerung, Ankunft kurz nach 20 Uhr in Waldfenster. Komoot schlug zwar eine andere Route von Würzburg nach Hamburg vor (490 km), weiter östlich an der Rhön vorbei, doch ich wollte unbedingt über die Rhön fahren und durch das Ulstertal. Die 75 km sind also Extratour, denn meine geplante Strecke von Waldfenster bis Hamburg hat ebenfalls 490 km. Keine Fotos, die Strecke hier hoch habe ich tausendmal schon geknipst …

 

Mittwoch, 10. September – von Waldfenster nach Einbeck

So sah mein Rad mit der großen Tasche (22 l, 8 kg Gepäck) aus – aufgenommen in Bischofsheim bei der ersten Pause.

So sah mein Rad mit der großen Tasche (22 l, 8 kg Gepäck) aus – aufgenommen in Bischofsheim bei der ersten Pause.

8:02 | Sandberg. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde, dass wieder einmal ein Radfahrer Sandberg durchfahren wolle – der Ort zeigte sich dem Anlass gemäß mit Girlanden geschmückt, über der Straße. Doch war ich scheinbar zu früh, denn noch kein Mensch war zu sehen … so fuhr ich grußlos weiter …

8:02 | Sandberg. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde, dass wieder einmal ein Radfahrer Sandberg durchfahren wolle – der Ort zeigte sich dem Anlass gemäß mit Girlanden geschmückt, über der Straße. Doch war ich scheinbar zu früh, denn noch kein Mensch war zu sehen … so fuhr ich grußlos weiter …

8:24 | … und 20 Minuten später die sagenhafte Abfahrt hinter Kilianshof nach Bischofsheim hinab.

8:24 | … und 20 Minuten später die sagenhafte Abfahrt hinter Kilianshof nach Bischofsheim hinab. Dort Pause und schnelles zweites Frühstück (2 Belegte).

9:25 | Das grüne Schild links zeigt den höchsten Punkt auf meiner Tour an (825 m), in etwa das Niveau der Hochrhönstraße, fast Kloster Kreuzberg (868 m). B278, in der Nähe des Roten Moors. Die anschließende Abfahrt nach Wüstensachsen ist so schnell – und ich so feucht durch und durch –, dass ich fast fürchte, an mir könnte sich Reif bilden. Brrrrrrrr… Der B278 folge ich im Ulstertal bis Buttlar.

9:25 | Das grüne Schild links zeigt den höchsten Punkt auf meiner Tour an (825 m), in etwa das Niveau der Hochrhönstraße, fast Kloster Kreuzberg (868 m). B278, in der Nähe des Roten Moors. Die anschließende Abfahrt nach Wüstensachsen ist so schnell – und ich so feucht durch und durch –, dass ich fast fürchte, an mir könnte sich Reif bilden. Brrrrrrrr…
Der B278 folge ich im Ulstertal bis Buttlar.

10:39 | Ich treffe auf einen Herrn auf einem Singlespeed(!)-Randonneur – ich verlangsame etwas und er hält das Tempo eine Weile mit, wir fahren ein Stück gemeinsam, plaudern.

10:39 | Ich treffe auf einen Herrn auf einem Singlespeed(!)-Randonneur – ich verlangsame etwas und er hält das Tempo eine Weile mit, wir fahren ein Stück gemeinsam, plaudern.

10:54 | Radweg bei Pferdsdorf, erste Schotterpiste an diesem tag, aber gut fahrbar.

10:54 | Radweg bei Pferdsdorf, erste Schotterpiste an diesem Tag, aber gut fahrbar.

10:56 | Wir hatten uns schon getrennt, aber ich bin mal wieder falsch abgebogen – so überhole ich den netten Herrn zum zweiten Mal …

10:56 | Wir hatten uns schon getrennt, aber ich bin mal wieder falsch abgebogen – so überhole ich den netten Herrn zum zweiten Mal …

11:12 | Vor Philippsthal fotografiere ich den Abraumberg des kali-Bergwerks. Unglaublich, wie der Mensch maulwurfgleich hier das Innere der Erde nach aussen befördert … Pause in Philippsthal: Essen, Trinken, Rauchen.

11:12 | Vor Philippsthal fotografiere ich den Abraumberg des Kali-Bergwerks. Unglaublich, wie der Mensch maulwurfgleich hier das Innere der Erde nach aussen befördert …
Pause in Philippsthal: Essen, Trinken, Rauchen.

11:46 | Ich verlasse Philippsthal über die B62 und folge nun der Werra.

11:46 | Ich verlasse Philippsthal über die B62 und folge nun der Werra.

12:14 | Heringen (Werra), Wechsel auf die K3 Richtung Widershausen.

12:14 | Heringen (Werra), Wechsel auf die K3 Richtung Widdershausen.

12:58 | Hinter Richelsdorf entführt mich Komoot auf einen ziemlich steilen Feldweg, abseits der L3248.

12:58 | Hinter Richelsdorf entführt mich Komoot auf einen ziemlich steilen Feldweg, abseits der L3248.

13:03 | Wieder L3248 – aber immer noch Anstiege.

13:03 | Wieder L3248 – aber immer noch Anstiege.

13:03 | Ich steuere den Parkplatz an – iPhone zeigt nur noch 19%, Ladegerät ist leer: Verdammt, was jetzt? Der Tag ist gerade mal zur Hälfte um …

13:03 | Ich steuere den Parkplatz an – iPhone zeigt nur noch 19%, Ladegerät ist leer: Verdammt, was jetzt? Der Tag ist gerade mal zur Hälfte um …

14:04 | Hinter Oetmannshausen, entlang der B27. Manchmal ist rechts ein schöner breiter Streifen, aber manchmal ist es auch ein wenig eng (und unangenehm).

14:04 | Hinter Oetmannshausen, entlang der B27. Manchmal ist rechts ein schöner breiter Streifen, aber manchmal ist es auch ein wenig eng (und unangenehm).

14:33 | Mal wieder weg von der Straße: Wechsel auf den Werratal-Radweg.

14:33 | Mal wieder weg von der Straße: Wechsel auf den Werratal-Radweg.

14:36 | Viel entspannter …

14:36 | Viel entspannter …

14:41 | … und viel mehr Zeit, die schöne Landschaft zu bewundern: Werratal, kurz vor Bad Sooden-Allendorf.

14:41 | … und viel mehr Zeit, die schöne Landschaft zu bewundern: Werratal, kurz vor Bad Sooden-Allendorf.

15:59 | Nach der Zwangspause in Bad Sooden-Allendorf – Essen und v.a. iPhone aufladen – geht es wieder weiter. Allendorf.

15:59 | Nach der Zwangspause in Bad Sooden-Allendorf – Essen und v.a. iPhone aufladen – geht es wieder weiter. Allendorf.

16:16 | Vor Lindewerra, im Hintergrund die Junkerkuppe. Ein Umweg, aber ich brauche etwas Abstand von der Straße …

16:16 | Vor Lindewerra, im Hintergrund die Junkerkuppe. Ein Umweg, aber ich brauche etwas Abstand von der Straße.

16:20 | Zugegeben: Hier ist der Radweg nicht wirklich für Rennräder geeignet, …

16:20 | Zugegeben: Hier ist der Radweg nicht wirklich für Rennräder geeignet, …

16:22 | … wirklich nicht: Treibsandfalle. Schon seit geraumer Zeit geht mir der Gedanke durch den Kopf, dass alle Radwegverantwortlichen nach ihrem Tod bis in alle Ewigkeit auf ihren eigenen Radwegen fahren müssen, ununterbrochen: Eine gerechte Strafe, wie mir scheint.

16:22 | … wirklich nicht: Treibsandfalle. Schon seit geraumer Zeit geht mir der Gedanke durch den Kopf, dass alle Radwegverantwortlichen nach ihrem Tod bis in alle Ewigkeit mit einem Baumarkt-Fahrrad auf ihren eigenen Radwegen fahren müssen, ununterbrochen: Eine gerechte Strafe, wie mir scheint.

17:36 | Irgendwo auf der Höhe von Göttingen, das ich links umfahre: Ein Radler kommt mir entgegen, ich fahre rechts – da überholt mich noch schnell ein älterer Herr mit seinem Rennrad …

17:36 | Irgendwo auf der Höhe von Göttingen, das ich westlich umfahre: Ein Radler kommt mir entgegen, ich fahre rechts – da überholt mich noch schnell ein älterer Herr mit seinem Rennrad …

… und ich hänge mich sofort ran, so gut es geht: Etwas Windschatten wäre jetzt schön. ich hole wieder auf, aber ich merke, dass das Tempo schon leicht über meiner aktuellen Kondition ist – ich fahre seit fast 10 Stunden, der hier dreht vermtulich eine schnelle, kleine Feierabendrunde.

… und ich hänge mich sofort ran, so gut es geht: Etwas Windschatten wäre jetzt schön. Ich hole wieder auf, aber ich merke, dass das Tempo schon leicht über meiner aktuellen Kondition ist – ich fahre seit fast 10 Stunden, der hier dreht vermutlich eine schnelle, kleine Feierabendrunde.

Einen Abzweig nimmt er schneller als ich, er kennt die Gegend, …

Einen Abzweig nimmt er schneller als ich, er kennt die Gegend, …

… und so muss ich ihn ziehen lassen. Minuten später fahre ich wieder alleine, inzwischen fast 200 km in den Beinen.

… und so muss ich ihn ziehen lassen. Minuten später fahre ich wieder alleine, inzwischen fast 200 km in den Beinen.

18:37 | Moringen. Ich halte nochmal an, links unter der Trauerweide, letzte SMS an Stefan in Einbeck – noch ca. 30 km zu fahren, es wird bald dunkel, und ich schalte die Kamera ab. Die letzte Stunde fahre ich nochmal richtig flott und erreiche Einbeck kurz vor 20 Uhr, mit einsetzendem Nieselregen. Hoffentlich ist das morgen besser …

18:37 | Moringen. Ich halte nochmal an, links unter der Trauerweide, letzte SMS an Stefan in Einbeck – noch ca. 30 km zu fahren, es wird bald dunkel, und ich schalte die Kamera ab. Die letzte Stunde fahre ich nochmal richtig flott und erreiche Einbeck kurz vor 20 Uhr, mit einsetzendem Nieselregen. Hoffentlich ist das morgen besser …

 

Donnerstag, 11. September – von Einbeck nach Hamburg Uelzen

8:50 | Viel zu späte fahre ich in Einbeck ab – aber der morgendliche Regen war keine Motivation, und nach 8:30 Uhr ließ er nach. Noch schnell eine runde durch den historischen Kern – ein wunderschönes Städtchen, …

8:50 | Viel zu späte fahre ich in Einbeck ab – aber der morgendliche Regen war keine Motivation, und nach 8:30 Uhr ließ er nach. Noch schnell eine Runde durch den historischen Kern – ein wunderschönes Städtchen, …

8:52 | … und dann los auf regennasser Fahrbahn …

8:52 | … und dann los auf regennasser Fahrbahn …

9:37 | … und nach einer kleinen Kletterpartie wieder in den nächsten Regenguss: B64 vor Bad Gandersheim. Sauwetter.

9:37 | … und nach einer kleinen Kletterpartie wieder in den nächsten Regenguss: B64 vor Bad Gandersheim. Sauwetter.

10:14 | L489. zur Abwechslung mal wieder etwas Sonne.

10:14 | L489. Zur Abwechslung mal wieder etwas Sonne, aber weiter hinten immer noch verhangen, fast schon surreal.

10:47 | Lamspringe – noch keine 50 km gefahren und schon wieder Hunger: 2 Belegte beim Metzger rechts.

10:47 | Lamspringe – noch keine 50 km gefahren und schon wieder Hunger: 2 Belegte beim Metzger vorne rechts.

11:17 | Unterwegs nach Bad Salzdetfurth entlang der K317

11:17 | Unterwegs nach Bad Salzdetfurth entlang der K317

12:34 | L429 bei Schellerten. Inzwischen bin ich oberhalb von Hildesheim, aber noch südlich von Hannover – bede umfahre ich rechts.

12:34 | L429 bei Schellerten. Inzwischen bin ich oberhalb von Hildesheim, aber noch südlich von Hannover – beide umfahre ich östlich.

13:39 | Pause in Hämelerwald: Essen, Trinken, Rauchen. Scheißwetter – mittlerweile trocken, aber windig (aus Norden) und kühl. Zu kühl: Wenn ich nicht in Bewegung bin, kühle ich schnell aus …

13:39 | Pause in Hämelerwald: Essen, Trinken, Rauchen. Scheißwetter – mittlerweile trocken, aber windig (aus Norden) und kühl. Zu kühl: Wenn ich nicht in Bewegung bin, kühle ich schnell aus …

14:49 | Mal wieder einen Schlenker gefahren, unnötige km gesammelt. Ich fahre irgendwie auf Autopilot und denke nur noch an Bargfeld – und nicht mehr an Hamburg.

14:49 | Mal wieder einen Schlenker gefahren, unnötige km gesammelt. Ich fahre irgendwie auf Autopilot und denke nur noch an Bargfeld – und nicht mehr an Hamburg. Das Flachland ist ok, aber der andauernde Gegenwind bremst und macht mich müde.

16:32 | Eldingen, nur noch wenige km bis Bargfeld – und eine Tankstelle, wo ich mir noch ein paar Kohlenhydrate einpacke, die ich dann in Bargfeld wohlverdient verdrücken werde. Ich bin durch.

16:32 | Eldingen, nur noch wenige km bis Bargfeld – und eine Tankstelle, wo ich mir noch ein paar Kohlenhydrate einpacke, die ich dann in Bargfeld wohlverdient verdrücken werde. Ich bin durch.

16:41 | Endlich: Bargfeld.

16:41 | Endlich: Bargfeld.

Beweisfoto – wofür?

Beweisfoto – wofür? Wer von meinen LeserInnen liest auch Arno Schmidt?

In Bargfeld: An einer alten Scheune eine Ausstellung mit Fotografien von Arno und Alce Schmidt.

In Bargfeld: An einer alten Scheune eine Ausstellung mit Fotografien von Arno und Alice Schmidt.

Ich mache Rast, schaue mir die Bilder an, esse, trinke, rauche.

Ich mache Rast, schaue mir die Bilder an, esse, trinke, rauche.

Erst nach 17 Uhr fahre ich weiter, aber Hamburg als Ziel ist für heute nicht mehr drin – mit gerade mal 140 km bisher fehlen noch 100. Ich disponiere um und fahre noch 40 km bis Uelzen, um von dort mit dem Zug nach Hamburg zu fahren.

Erst nach 17 Uhr fahre ich weiter, aber Hamburg als Ziel ist für heute nicht mehr drin – mit gerade mal 140 km bisher fehlen noch 100. Ich disponiere um und fahre noch 40 km bis Uelzen, um von dort mit dem Zug nach Hamburg zu fahren.

18:09 | B4 von Sprakensehl nach Uelzen – der längste Puff Norddeutschlands? Vorne rechts ein Wohnmobil …

18:09 | B4 von Sprakensehl nach Uelzen – der längste Puff Norddeutschlands? Vorne rechts ein Wohnmobil …

… und unterwegs noch viele, viele Wohnmobile und -wägen mehr. Skurril.

… und unterwegs noch viele, viele Wohnmobile und -wägen mehr. Skurril.

18:22 | Wechsel der B4-Seite. Am Abend wird es richtig schön, und die B4 fährt sich hier echt flott. 2 Stunden früher, und ich wäre bis Hamburg gefahren.

18:22 | Wechsel der B4-Seite. Am Abend wird es richtig schön, und die B4 fährt sich hier echt flott. 2 Stunden früher, und ich wäre bis Hamburg gefahren.

Aber nun gehe ich die letzten km bis Uelzen gelassen an – und nutze den Sonnenschein für einen Blick auf mein Cockpit: Lampe (links unten), Kamera, Fahrradcomputer, iPhone (mit Ladkabel, Ladegerät in der Tasche unter dem Oberrohr). Ankunft in Uelzen kurz nach 19 Uhr, fast eine Stunde Pause bis zum nächsten Zug. Hundertwasser-Bahnhof: schlimm, schlimm … ich mache keine Fotos.  Ankunft in Hamburg um 21 Uhr (Hauptbahnhof), anschließend 20 Minuten mit Rad und iPhone als Navi nach Altona zu Thomas. Frustriert wegen der letzten Kilometer per Zug, aber nicht allzu sehr: zusammen mit den 75 km extra nach Waldfenster bin ich 495 km bisher gefahren – und das wäre ja ziemlich genau die von Komoot vorgeschlagene Strecke Würzburg–Hamburg gewesen.

Aber nun gehe ich die letzten km bis Uelzen gelassen an – und nutze den Sonnenschein für einen Blick auf mein Cockpit: Lampe (links unten), Kamera, Fahrradcomputer, iPhone (mit Ladkabel, Ladegerät in der Tasche unter dem Oberrohr).
Ankunft in Uelzen kurz nach 19 Uhr, fast eine Stunde Pause bis zum nächsten Zug. Hundertwasser-Bahnhof: schlimm, schlimm … ich mache keine Fotos.
Ankunft in Hamburg um 21 Uhr (Hauptbahnhof), anschließend 20 Minuten mit Rad und iPhone als Navi nach Altona zu Thomas. Frustriert wegen der letzten Kilometer per Zug, aber nicht allzu sehr: zusammen mit den 75 km extra nach Waldfenster bin ich 495 km bisher gefahren – und das wäre ja ziemlich genau die von Komoot vorgeschlagene Strecke Würzburg–Hamburg gewesen.

 

Freitag, 12. September – 1 Tag Pause in Hamburg

9:45 | In Hamburg machte ich mich morgens gleich auf, um die 3-Tages-Tourer am Hauptbahnhof zu treffen – Andreas Kahl, Fritz Tietz und Marlene Voß (v.l.n.r. in roten T-Shirts).

9:45 | In Hamburg machte ich mich morgens gleich auf, um die 3-Tages-Tourer am Hauptbahnhof zu treffen – Andreas Kahl, Fritz Tietz und Marlene Voß (v.l.n.r. in roten T-Shirts).

Die Stimmung ist gut, Marit Hofmann (Mitte, braune Jacke) von der konkret-Redaktion ist auch da. Dann fahren die drei ab (rechts), und das bei Sonnenschein und blauem Himmel.

Die Stimmung ist gut, Marit Hofmann (Mitte, braune Jacke) von der konkret-Redaktion ist auch da. Dann fahren die drei ab (rechts), und das bei Sonnenschein und blauem Himmel.

10:35 | Mein eigentlicher Programmpunkt für heute: Die Fahrradausstellung im Msueum der Arbeit – ich bin gespannt …

10:35 | Mein eigentlicher Programmpunkt für heute: Die Fahrradausstellung im Museum der Arbeit – ich bin gespannt …

… und werde nicht enttäuscht: Statt Materialschlacht und Exponaten ohne Ende eine sauber kuratierte, gut aufbereitete Schau, sehr informativ anhand exemplarischer Räder. Der Gang im Mittelteil bildet den Kern der Ausstellung, hinter den Wänden befeinden sich dann noch ein paar Kuriosa und Besonderheiten.

… und werde nicht enttäuscht: Statt Materialschlacht und Exponaten ohne Ende eine sauber kuratierte, gut aufbereitete Schau, sehr informativ anhand exemplarischer Räder. Der Gang im Mittelteil bildet den Kern der Ausstellung, hinter den Wänden befinden sich dann noch ein paar Kuriosa und Besonderheiten.

Gleich am Eingang zeigt ein Diagramm die Entwicklung des fahrrads und der Fahrradtypen.

Gleich am Eingang zeigt ein Diagramm die Entwicklung des Fahrrads und der Fahrradtypen.

Es wimmelt nur so vor sehens- und begehrenswerten Rädern.

Es wimmelt nur so vor sehens- und begehrenswerten Rädern.

Immer wieder Thema: Der Antrieb, seien es Alternativen zur Pedal-Kurbelbewegung oder zum Einzelfahrer: Ein wunderschönes Quadruplet.

Immer wieder Thema: Der Antrieb, seien es Alternativen zur Pedal-Kurbelbewegung oder zum Einzelfahrer: Ein wunderschönes Quadruplet.

Viele Details: Seien es edle Rahmen, Antriebskonzepte oder sogar das Hochrad-erlebnis zum selbst ausprobieren (v.l.n.r.).

Viele Details: Edle Rahmen, Antriebskonzepte oder sogar das Hochraderlebnis zum selbst ausprobieren (v.l.n.r.).

Auch interessant: Der kulturelle Aspekt um das Radfahren herum, vor allem die Auswirkungen auf die Emanzipation der Frauen …

Auch interessant: Der kulturelle Aspekt um das Radfahren herum, vor allem die Auswirkungen auf die Emanzipation der Frauen …

… im frühen 20. Jahrhundert (auch wenn mir nicht bekannt ist, dass auch Radrennen der »schönen Männer« angepriesen wurden).

… im frühen 20. Jahrhundert (auch wenn mir nicht bekannt ist, dass auch Radrennen der »schönen Männer« angepriesen wurden).

Altes Rad mit Kinderbeiwagen und »Notbau« aus Flugzeugteilen nach dem II. Weltkrieg.

Altes Rad mit Kinderbeiwagen und »Notbau« aus Flugzeugteilen nach dem II. Weltkrieg.

Beim Studium der Texte erhärtet sich ein Verdacht: vermutlich die Hälfte der Exponate stammt aus dem Deutschen Fahrradmuseum Bad Brückenau (erneut also der dringende Hinweis an alle LeserInnen, dieses bei Gelegenehit unbedingt zu besuchen).

Beim Studium der Texte erhärtet sich ein Verdacht: gefühlt die Hälfte der Exponate stammt aus dem Deutschen Fahrradmuseum Bad Brückenau (erneut also der dringende Hinweis an alle LeserInnen, dieses bei Gelegenheit unbedingt zu besuchen).

Noch so ein Thema: Klappräder und Versuche, Räder möglichst kompakt zu bauen – das linke möchte ich aber nicht wirklich fahren müssen.

Noch so ein Thema: Klappräder und Versuche, Räder möglichst kompakt zu bauen – das linke möchte ich aber nicht wirklich fahren müssen.

Thema Lastenrad: Hier der Selbstbau von ??? mit Materialien aus dem Baumarkt.

Thema Lastenrad: Hier der Selbstbau von XYZ mit Materialien aus dem Baumarkt.

Plakate aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, (inhaltlich) aktuell wie eh und jeh.

Plakate aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, (inhaltlich) aktuell wie eh und jeh.

Kuriosa I: Der Porsche auf Fahrradbasis (»der langsamste Porsche der Welt«) und der Umbau eines Saab 900 in zwei Fahrräder aus Autoteilen (hier eines davon).

Kuriosa I: Der Porsche auf Fahrradbasis (»der langsamste Porsche der Welt«) und der Umbau eines Saab 900 in zwei Fahrräder aus Autoteilen (hier eines davon).

Kuriosa II: Mercedes-E-Bike, vermutlich aus irgendeiner Rumpelkammer geholt und noch nicht einmal den vorderen Reifen geflickt – Mercedes hat sich auch schon längst wieder aus dem Fahrradsektor verabschiedet. Rechts daneben eine Nähmaschine mit Fahrradantrieb.

Kuriosa II: Mercedes-E-Bike, vermutlich aus irgendeiner Rumpelkammer geholt und noch nicht einmal den vorderen Reifen geflickt – Mercedes hat sich auch schon längst wieder aus dem Fahrradsektor verabschiedet. Rechts daneben eine Nähmaschine mit Fahrradantrieb.

Auch das gab es zu sehen: Kunst aus Fahrradteilen, wirkt sehr archaisch.

Auch das gab es zu sehen: Kunst aus Fahrradteilen, wirkt sehr archaisch.

14:45 | Was für ein wunderschöner Tag in Hamburg bei 26° und strahlend blauem Himmel. Nach der Fahrradausstellung bummele ich ein wenig an den Landungsbrücken.

14:45 | Was für ein wunderschöner Tag in Hamburg bei 26° und strahlend blauem Himmel. Nach der Fahrradausstellung bummele ich ein wenig an den Landungsbrücken.

 

Samstag, 13. September – von Hamburg nach Berlin Glöwen

6:34 | Reeperbahn: Ich bin um 5:30 Uhr aufgestanden, schnelles Frühstück, und um 6:25 Uhr fahre ich los. Bei bescheidenem Licht belichtet die Kamara zu lange für scharfe Bilder …

6:34 | Reeperbahn: Ich bin um 5:30 Uhr aufgestanden, schnelles Frühstück, und um 6:25 Uhr fahre ich los. Bei bescheidenem Licht belichtet die Kamara zu lange für scharfe Bilder …

7:55 | Ebenfalls lange dauert die Fahrt durch Hamburg durch – ganze 90 Minuten benötige ich bis zum Ortschild, das ich dann zufällig links erspähe: Gelegeneheit für ein Selfie.

7:55 | Ebenfalls lange dauert die Fahrt durch Hamburg durch – ganze 90 Minuten benötige ich bis zum Ortschild, das ich dann zufällig links erspähe: Gelegeneheit für ein Selfie.

8:04 | Elbbrücke bei Geesthacht (B404) – der Schleusenkanal …

8:04 | Elbbrücke bei Geesthacht (B404) – der Schleusenkanal …

… den ich für die Elbe halte: Blick zurück nach Westen, Richtung Hamburg.

… den ich für die Elbe halte: Blick zurück nach Westen, Richtung Hamburg.

Aber die eigentliche Elbquerung folgt erst ein paar Meter weiter.

Aber die eigentliche Elbquerung folgt erst ein paar Meter weiter.

8:11 | Radweg auf dem Elbdamm. Im Osten Wolken, es soll mittags Regen geben, aber noch ist alles trocken.

8:11 | Radweg auf dem Elbdamm. Im Osten Wolken, es soll mittags Regen geben, aber noch ist alles trocken.

8:20 | Eine wunderschöne Landschaft hier!

8:20 | Eine wunderschöne Landschaft hier!

8:58 Uhr | Eisenbahnbrücke bei Honstorf.

8:58 Uhr | Eisenbahnbrücke bei Honstorf.

9:05 | Nicht die direkte Route, aber die schönere.

9:05 | Nicht die direkte Route, aber die schönere.

9:56 | Bleckede – Zweites Frühstück und SMS an Fritz Tietz. Die 3-Tages-Tourer sind noch in Hitzacker, ich bin schon bis auf 30 km rangekommen.

9:56 | Bleckede – Zweites Frühstück und SMS an Fritz Tietz. Die 3-Tages-Tourer sind noch in Hitzacker, ich bin schon bis auf 30 km rangekommen.

10:12 | Hinter Bleckede mal wieder Rumpelpiste …

10:12 | Hinter Bleckede mal wieder Rumpelpiste.

10:16 | Bei Alt-Garge überhole ich eine Herren-Gruppe – und versaue dem vorausgefahrenen sein Fotomotiv. Ich winke fröhlich in die Kamera, aber er ärgert sich fürchterlich darüber.

10:16 | Bei Alt-Garge überhole ich eine Herren-Gruppe – und versaue dem vorausgefahrenen sein Fotomotiv. Ich winke fröhlich in die Kamera, aber er ärgert sich fürchterlich darüber.

10:20 | Durchwachsene Piste bei Walmsburg. Baustelle in Neu Darchau – ich fahre mir einen Platten und realisiere beim Reifenwechsel, dass schon wieder das Gewebe durchschaut und der Gummi an mehreren Stellen abgefahren ist. Zum Glück habe ich Schlauch UND Mantel dabei. Beim Wechseln fährt die Herrengruppe wieder vorbei: »Dich kennen wir!« und »Die letzten werden die ersten sein!« rufen Sie mir zu, ohne anzuhalten. Sorry, Leute: Die letzten werden immer die letzten sein.

10:20 | Durchwachsene Piste bei Walmsburg. Baustelle in Neu Darchau – ich fahre mir einen Platten und realisiere beim Reifenwechsel, dass schon wieder das Gewebe durchschaut und der Gummi an mehreren Stellen abgefahren ist. Zum Glück habe ich Schlauch und Mantel dabei. Beim Wechseln fährt die Herrengruppe wieder vorbei: »Dich kennen wir!« und »Die letzten werden die ersten sein!« rufen Sie mir zu, ohne anzuhalten. Sorry, Leute: Die letzten werden immer die letzten sein.

11:55 | Wieder einen unnötigen Bogen gefahren, aber auf dem Deich geht es flott voran – fast 27er Schnitt bisher erreicht, trotz Nordwind von der Seite.

11:55 | Wieder einen unnötigen Bogen gefahren, aber auf dem Deich geht es flott voran – fast 27er Schnitt bisher erreicht, trotz Nordwind von der Seite.

12:07 | Auf dem Deich unterwegs, …

12:07 | Auf dem Deich unterwegs, …

12:13 | … Richtung Elbbrücke/Dömitz, wo Fritz Tietz und Marlene Voß gerade eine kleine Pause machen. Keine 10 km trennen uns mehr.

12:13 | … Richtung Elbbrücke/Dömitz, wo Fritz Tietz und Marlene Voß gerade eine kleine Pause machen. Keine 10 km trennen uns mehr.

12:14 | Typisch, auch im Norden: Rentnerpulk belegt den ganzen Radweg beim Begaffen der Kühe und ich muss bremsen, weil die sich natürlich auch in einer Kurve/Senke breitgemacht haben.

12:14 | Typisch, auch im Norden: Rentnerpulk belegt den ganzen Radweg beim Begaffen der Kühe und ich muss bremsen, weil die sich natürlich auch in einer Kurve/Senke breitgemacht haben.

12:27 | Endspurt zur Elbbrücke, jetzt unterhalb vom Deich (besserer Weg, weniger Wind).

12:27 | Endspurt zur Elbbrücke, jetzt unterhalb vom Deich (besserer Weg, weniger Wind).

12:30 Uhr | Auffahrt Elbbrücke – und einsetzender Regen, sehr schnell sehr stark werdend. Stopp und Regenschutz über die Tasche bzw. Regenjacke an den Mann.

12:30 Uhr | Auffahrt Elbbrücke – und einsetzender Regen, sehr schnell sehr stark werdend. Stopp und Regenschutz über die Tasche bzw. Regenjacke an den Mann.

12:37 | Nach dem Überqueren der Elbe rechts weg auf den Radweg. Gerade will ich nach links Richtung Dömitz fahren, da kommen von dort Fritz und Marlene angeradelt. Großes Hallo, Fritz macht ein Foto von mir, dann gehts gemeinsam weiter.

12:37 | Nach dem Überqueren der Elbe rechts weg auf den Radweg. Gerade will ich nach links Richtung Dömitz fahren, da kommen von dort Fritz und Marlene angeradelt. Großes Hallo, Fritz macht ein Foto von mir, dann gehts gemeinsam weiter.

12:43 / 13:41 | Der »Sündenfall«: Fahren auf Sandwegen bei Regen, der ganze feine Sand wandert an meinem Rad hoch und in alle Engstellen zwischen Bremsen und Felge, in die Schaltung, überall hin. Das Rad fängt erbärmlich zu knirschen und zu quietschen an. Zwar lässt der Dauerregen mal kurz nach, aber es ist trotzdem ungemütlich und eine echte Sauerei.

12:43 / 13:41 | Der »Sündenfall«: Fahren auf Sandwegen bei Regen, der ganze feine Sand wandert an meinem Rad hoch und in alle Engstellen zwischen Bremsen und Felge, in die Schaltung, überall hin. Das Rad fängt erbärmlich zu knirschen und zu quietschen an. Zwar lässt der Dauerregen mal kurz nach, aber es ist trotzdem ungemütlich und eine echte Sauerei.

14:06 | Wir pausieren in Lenzen, danach fahren wir getrennt weiter – ich muss wieder auf die Straße, weg vom Sand. Außerdem will ich nicht nur bis Havelberg, sondern noch bis Berlin – und habe gerade erstmal die Hälfte der Strecke geschafft.

14:06 | Wir pausieren in Lenzen, danach fahren wir getrennt weiter – ich muss wieder auf die Straße, weg vom Sand. Außerdem will ich nicht nur bis Havelberg, sondern noch bis Berlin – und habe gerade erstmal die Hälfte der Strecke geschafft.

15:43 | Einfahrt Wittenberge (B195). Wieder Dauerregen, schon wieder Hunger – und eine Lichtreklame, die mich schwach werden lässt …

15:43 | Einfahrt Wittenberge (B195). Wieder Dauerregen, schon wieder Hunger – und eine Lichtreklame, die mich schwach werden lässt …

16:38 | Bad Wilsnack – zu dem tristen Wetter kommen die tristen Bilder …

16:38 | Bad Wilsnack – zu dem tristen Wetter kommen die tristen Bilder …

… verrammelte Häuser und NPD-/AFD-Wahlplakate. Trübe Aussichten hier …

… leerstehende Häuser und NPD-/AFD-Wahlplakate. Trübe Aussichten hier …

18:18 | Ankunft in Havelberg nach zwei Stunden Fahrt im strömenden Regen. Ich folge den Wegweisern zum »Dom«, der sich aber als eher wenig einladend präsentiert mit seiner gemauerten Front.

18:18 | Ankunft in Havelberg nach zwei Stunden Fahrt im strömenden Regen. Ich folge den Wegweisern zum »Dom«, der sich aber als eher wenig einladend präsentiert mit seiner gemauerten Front.

18:22 | Ich sehe eine Kneipe in der Nähe, kehre dort ein, trinke ein Pils (!) und einen Pfefferminztee und überlege, wie es weitergehen soll. Das Rad macht mir Sorgen, ebenso meine psychische Verfassung – und die fortgeschrittene Stunde. Der Wirt verrät mir auf Anfrage, dass der nächste Bahnhof in Glöwen ist, 9 km entfernt. Ich überlege noch hin und her, evtl. bis Firesack zu fahren und dort den Zug zu nehmen (40 km), aber als beim Verlassen der Kneipe der regen wieder stärker wird und mein Rad bei der kleinsten Bewegung fürchterlich zu quietschen beginnt, steht der Entschluss fest: Abbruch nach 230 km, fahrt nach Glöwen und von dort mit dem Zug nach Berlin.

18:22 | Ich sehe eine Kneipe in der Nähe, kehre dort ein, trinke ein Pils (!) und einen Pfefferminztee und überlege, wie es weitergehen soll. Das Rad macht mir Sorgen, ebenso meine psychische Verfassung – und die fortgeschrittene Stunde. Der Wirt verrät mir auf Anfrage, dass der nächste Bahnhof in Glöwen ist, 9 km entfernt. Ich überlege noch hin und her, evtl. bis Friesack zu fahren und dort den Zug zu nehmen (40 km), aber als beim Verlassen der Kneipe der Regen wieder stärker wird und mein Rad bei der kleinsten Bewegung fürchterlich zu quietschen beginnt, steht der Entschluss fest: Abbruch nach 230 km, fahrt nach Glöwen und von dort mit dem Zug nach Berlin. Hubert treffe ich am Alexanderplatz, wir fahren zu ihm nach Neukölln, ich dusche, und wir gehen nochmal los: Pizza essen, Bier trinken, quatschen. Und das alles recht trocken und bei angenehmen nächtlichen Temperaturen.

 

Sonntag, 14. September – Berlin

Mein Gästezimmer in Berlin, ganz nach meinem Geschmack mit 3 Rädern bestückt.

Mein Gästezimmer in Berlin, ganz nach meinem Geschmack mit 3 Rädern bestückt.

Am Nachmittag nehme ich am Rad eine Generalreinigung vor und entferne über eine Stunde lang den Sand, so gut es geht. Die Kette ist komplett ölfrei, völlig ausgewaschen – damit kann ich so nicht zurückfahren, und wenn ich am Montag erst am Vormittag in einen Radladen muss, schaffe ich meinen Zeitplan sowieso nicht mehr. Also beschließe ich, komplett abzubrechen und am Montag mit dem Zug zurück nach Würzburg zu fahren.

Am Nachmittag nehme ich am Rad eine Generalreinigung vor und entferne über eine Stunde lang den Sand, so gut es geht. Die Kette ist komplett ölfrei, völlig ausgewaschen – damit kann ich so nicht zurückfahren, und wenn ich am Montag erst am Vormittag in einen Radladen muss, schaffe ich meinen Zeitplan sowieso nicht mehr. Also beschließe ich, komplett abzubrechen und am Montag mit dem Zug zurück nach Würzburg zu fahren.

Und das mache ich dann auch.

Und das mache ich dann auch.

734,83 Kilometer gesamt
31:22:48 reine Fahrzeit
23,43 km/h Durchschnitt

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7 Gedanken zu “Würzburg–Hamburg–Berlin – abschließender Tourbericht

  1. Dirk Baierlipp schreibt:

    Na, eine gute und bereichernde Erfahrung war’s allemal! An dieser Stelle kann ich Dir nochmal Blog &Newsletter von Bycicle Touring Pro ans Herz legen: http://www.bicycletouringpro.com
    Schaue dort nur sporadisch vorbei, aber das dort behandelte Thema scheint mir hier wie die Faust aufs Auge zu passen: „WHAT IS BICYCLE TOURING? … the act of riding a bicycle for days, weeks, months or even years on end as you travel long distances across cities, states and countries. Thousands of people of all ages, incomes and demographics are traveling by bike… and you can be one of them!“

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    • Die »Kunst« beim Radfahren ist doch, Theorie (z. B. Vorbereitung) und Praxis (z. B. Fahren) ins richtige Verhältnis zu setzen – da war ich diesmal zu sehr Praktiker. Allerdings ist mir das lieber als andersrum … 😉

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  2. Dirk Baierlipp schreibt:

    Und noch eine Inspiration hinterher:

    Heinz Stücke und seine Velo-Weltreise: 52 Jahre, 648.000 Kilometer – alles auf dem Rad – SPIEGEL ONLINE

    http://www.spiegel.de/reise/fernweh/heinz-stuecke-aus-ostwestfalen-ueber-50-jahre-auf-dem-fahrrad-a-990874.html

    1962 fuhr Heinz Stücke mit dem Fahrrad los. Sein Ziel: die olympischen Spiele in Japan. Doch der Ostwestfale radelte immer weiter – rund um den Globus. Im Interview erzählt er, was er erlebt, wie er sich finanziert und was sich in den über 50 Jahren verändert hat.

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  3. Dieter schreibt:

    Hallo Jochen, Kompliment für’s Durchhalten bis dorthin…und für den tollen Bericht. Der hat so in etwa wiedergegeben, was Du durchgemacht hast. Dafür gebührt Dir Respekt. Freue mich auf Deinen nächsten Bericht. Gruß Dieter

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    • »durchgemacht« klingt zu dramatisch, auch wenn der Samstag Nachmittag kein allzu großes Vergnügen mehr war – ich wollte es so, und ich wusste auch, was am Samstag wettermäßig auf mich zukommt. Ich hätte auch stur auf meiner Route bleiben können, Sandwege meiden, »Augen zu und durch«: »hätte, hätte, Fahrradkette« eben … 😀
      Die nächsten Berichte werden wieder ganz profan, bzw. die gab es ja schon: Kreuzberg (muss ich unbedingt nochmal hoch heuer), Coburg (steht am Wochenende wieder an), … eigentlich stand auch München nochmal auf der Agenda, aber die Tage werden rapide kürzer, und in der Dunkelheit umherfahren ist nicht so prickelnd. Und leider war der Sommer auch nicht so dolle, um mal den Spessart ranzunehmen – naja, vielleicht geht da auch noch was.

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  4. Reisen bildet, sagt man. Das Lesen über Reisen anderer offensichtlich auch. Als ich dieses Jahr (mit dem Auto) zu einer Radgeschichte in Leipzig unterwegs war, sah ich auf einmal rechts der Autobahn einen riesigen, weißen „Berg“. Ich hatte mir vorgenommen rauszufinden, was es mit diesem weißen Berg so auf sich hat. Es ist dann aber in Vergessenheit geraten. Dank Deines Bildes von Philippsthal, weiß ich es nun :). Ich hab den weißen Berg gleich wieder erkannt. Und im Übrigen: feiner Blogpost.

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