Alltag, Ehrgeiz, Fotografie, Frust, Lust, Mensch-Maschine, Radwege, Rennrad, Tour 100–200 km, Würzburg

Dies und das (2)

Jetzt ist es soweit – was vor einiger Zeit hier noch als Tour mit fast 100 Bildern episch ausgebreitet wurde, wird jetzt in die Ramschkiste »Dies und das« gepackt: Würzburg–Stöppach (bei Coburg) am 27. September, am 28. zurück (jeweils 110 km) und Würzburg–Kreuzberg–Bad Neustadt am 3. Oktober (125 km) …

… aber irgendwie macht sich bei mir eine herbstliche Schwere gerade jetzt breit, da eigentlich jeder schöne Tag genutzt werden müsste für kurze Ausfahrten (60–80 km) oder mittlere Touren (120–190). Doch mit einsetzender Dunkelheit schon vor 19 Uhr bleibt unter der Woche kaum noch ein Zeitfenster, um bei Tageslicht zu fahren – ausser als Alltagsradler mit bescheidenem km-Kontingent (aber ein paar schönen kurzen, strammen Steigungen). Dazu kommt im Alltag auch das Engagement für den lokalen Radverkehr und die Beschäftigung mit Fragen zu Sicherheit und Komfort, Planung und Realisierung, Wunsch und Wirklichkeit … und da tut sich in Würzburg, leider aufgrund eines ganz, ganz tragischen Unfalls auf der Löwenbrücke, nun doch langsam mal etwas: Tempo 30 auf der Brücke, deren Querung für Radfahrer laut Auskunft der Verwaltung selbst nur etwas für »Todesmutige« ist. Da es sich bei der Beschilderung um einen überschaubaren Aufwand handelt mit sofortigem Effekt, der keinerlei späteren Planungen oder Umbauten im Wege steht, ist für mich jedoch völlig unverständlich, wie dieser Beschluss im Stadtrat mit lediglich 26:17 Stimmen durchgehen konnte – ist es parteipolitisches Kalkül, die Sozialisierung in der Hochphase der Automobilisierung (ab den 1960er Jahren) oder schlichtes Desinteresse an erhöhter Sicherheit für die Bewohner Würzburgs, die da 17, von letztgenannten gewählte, Volksvertreter zur Schau stellen? Bei mir bleibt in diesem Fall der Fremdschäm-Reflex aus, stattdessen macht sich echte Übelkeit breit … deshalb hier nochmal für alle diejenigen, die Tempo 50 innerorts für sinnvoll halten, der Hinweis auf eine sachlich richtige Grafik und noch ein kleines Filmchen (Danke, Thorsten!):

Wie sich das alles hier in der Stadt – und in der Gesellschaft generell – entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Grund für Optimismus besteht kaum – aber erst recht kein Grund, die Hoffnung auf einen menschenwürdigen Straßenverkehr aufzugeben und die Arbeit daran und dafür einzustellen.

Umso schöner, wenn am vorletzten Wochenende ein »offizieller« Anlass wie Schwiegervaters Geburtstag die Möglichkeit bot, ein paar Kilometer zu sammeln und ein paar Stunden lang zu kurbeln, oder der Tag der deutschen Einheit mich wieder zum Kreuzberg lockte. Ein paar Fotos dazu – leider auch wieder mit kritischen Kommentaren versehen …

Ein herrlicher Tag – nicht einmal getrübt durch die Fahrt auf der »schlechtesten Straße Bayerns« (ST2260 von Prosselsheim nach Volkach), dafür garniert mit der ersten Begegnung mit der Mainschleifenbahn im Kreuzungsverkehr.

Hinfahrt am Samstag, 27. September. Ein herrlicher Tag – nicht einmal getrübt durch die Fahrt auf der »schlechtesten Straße Bayerns« (ST2260 von Prosselsheim nach Volkach), dafür garniert mit der ersten Begegnung mit der Mainschleifenbahn im Kreuzungsverkehr.

Leider trübte sich meine Stimmung gewaltig ein, als mich dieser LKW hinter Donnersdorf auf der ST2275 so nah (bei Gegenverkehr) überholte, dass der Sog mich fast vom Rad riss: Da riskiert ein LKW-Fahrer das Leben anderer, nur um ein paar Sekunden, vielleicht Minuten herauszuholen, für einen blöden Supermarkt-Transport. Mieses, blödes, verschissenes Arschloch, Du …

Leider trübte sich meine Stimmung gewaltig ein, als mich dieser LKW hinter Donnersdorf auf der ST2275 so nah (bei Gegenverkehr) überholte, dass der Sog mich fast vom Rad riss: Da riskiert ein LKW-Fahrer das Leben anderer, nur um ein paar Sekunden, vielleicht Minuten herauszuholen, für einen popeligen Supermarkt-Transport. [***]

… und Du erst recht, Busfahrer der Firma Frosch Reisen, der mich hinter Hassfurt ebenfalls viel zu eng überholt und zum Wackeln gebracht hat – diesmal bei vollkommen freier Fahrbahn. Drecksack, elender!

Gruß auch an den Busfahrer der Firma Frosch Reisen, der mich hinter Hassfurt ebenfalls viel zu eng überholt und zum Wackeln gebracht hat – diesmal bei vollkommen freier Fahrbahn, ohne Gegenverkehr, keine Passagiere. [***]

[***] Hier bitte die schlimmsten Schimpfwörter und Beleidigungen einsetzen, je nach Vorliebe. In solchen Situationen fällt mir selbst ja immer nur »Mieses, blödes, verschissenes Arschloch, Du …«, kürzer »Drecksack!« oder, ganz kurz »Sau!!« ein …

Die Abfahrt von Fierst hinunter in Richtung Itzgrund: In der Kurve Motorradfahrer, die sich gegenseitig hier ihre Fahrtechnik und Geschwindigkeiten in den Kurven vorführen … na ja.

Die Abfahrt von Fierst hinunter in Richtung Itzgrund: In der Kurve Motorradfahrer, die sich gegenseitig hier ihre Fahrtechnik und Geschwindigkeiten in den Kurven vorführen … na ja.

Die Eselsbrücke bei Meschenbach – immer noch kein Hinweis am vorherigen Radweg-Abzweig (nach Scherneck), dass man hier nicht nach Stöppach fahren kann. Diesmal mache ich es wie die Buben aus dem Dorf und fahre keine weiteren Extrakilometer.

Die Eselsbrücke bei Meschenbach – immer noch kein Hinweis am vorherigen Radweg-Abzweig (nach Scherneck), dass man hier nicht nach Stöppach fahren kann. Diesmal mache ich es wie die Buben aus dem Dorf und fahre keine weiteren Extrakilometer.

Rückfahrt am Sonntag – wieder Motorradfahrer, diesmal vor dem kurvigen Anstieg hoch nach Fierst (hinten im Wald).

Rückfahrt am Sonntag, 28. September – wieder Motorradfahrer, diesmal vor dem kurvigen Anstieg hoch nach Fierst (hinten im Wald).

Die Rückfahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle (Sonntag Nachmittag), bei Seligenstadt taucht rechts der Kohlacker auf, der mich immer wieder fasziniert …

Die Rückfahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle (Sonntag Nachmittag), bei Seligenstadt taucht rechts der Kohlacker auf, der mich immer wieder fasziniert …

… im Vergleich zur Ghost wirken die iPhone-Fotos schon wie High-End.

… im Vergleich zur Ghost wirken die iPhone-Fotos schon wie High-End.

… doch dann das: Die schöne Abfahrt im Waldstück versauen mir vier minderjährige Dorfschranzen, die aus dem Acker rechts auf die Straße treten, eine lose Viererkette bildend auf mich (55 km/h) zulaufen und mich (45 km/h) ignorieren, obwohl ich (35 km/h) immer näher komme, so dass ich mich (25 km/h) fast aufrecht aufsetze, den rechten Arm hebe (15 km/h), winke (13 km/h) und »Hallo« rufe (10 km/h). Ein Wabern geht durch die Viererkette, die Körper biegen sich, aber halten wacker spur, so dass ich schließlich mit Schrittgeschwindigkeit links vorbeifahre und ein verärgertes »Guten Morgen« kurz vor 18 Uhr durch die gefletschten Zähne presse. Boah, Mann: Ich hatte mich so gefreut, die Gesichter nicht mit schwarzen Balken, sondern schön gemaserten Holzbrettern zu anonymisieren, aber die Grazien sind nur auf diesem einen Bild zu sehen (links die 5. ist unschuldig und läuft bergab – bitte genau hinsehen: sie läuft im Grünstreifen!).

… doch dann das: Die schöne Abfahrt im Waldstück versauen mir vier pubertäre Dorfschranzen, die aus dem Acker rechts auf die Straße treten, eine lose Viererkette bildend auf mich (55 km/h) zulaufen und mich (45 km/h) ignorieren, obwohl ich (35 km/h) immer näher komme, so dass ich mich (25 km/h) fast aufrecht aufsetze, den rechten Arm hebe (15 km/h), winke (13 km/h) und »Hallo« rufe (10 km/h). Ein Wabern geht durch die Viererkette, die Körper biegen sich, aber halten wacker die Spur, so dass ich schließlich mit Schrittgeschwindigkeit links vorbeifahre und ein verärgertes »Guten Morgen!« kurz vor 18 Uhr durch die gefletschten Zähne presse. Boah, Mann: Ich hatte mich so gefreut, die Gesichter nicht mit schwarzen Balken, sondern schön gemaserten Holzbrettern zu anonymisieren, aber die Grazien sind nur auf diesem einen Bild zu sehen (links die 5. ist unschuldig und läuft bergab – bitte genau hinsehen: sie läuft im Grünstreifen an den Kanaillen vorbei!).

Das letzte Mal über die Raiffeisenbrücke, die seit dieser Woche abgerissen wird. Zuerst die Eisenbahnbrücke, dahinter die Raiffeisenbrücke, die als Einbahnbrücke von meiner Fahrtrichtung aus (stadteinwärts) in einer 270°-Schnecke über die Schweinfurter Straße in die Raiffeisenstraße führt. Schon seit längerem gesperrt (siehe Bewuchs), aber für Radfahrer und Fußgänger noch frei. Ersatzloser Abriss.

Das letzte Mal über die Raiffeisenbrücke, die seit dieser Woche abgerissen wird.
Zuerst die Eisenbahnbrücke, dahinter die Raiffeisenbrücke, die als Einbahnbrücke von meiner Fahrtrichtung aus (stadteinwärts) in einer 270°-Schnecke über die Schweinfurter Straße in die Raiffeisenstraße führt. Schon seit längerem gesperrt (siehe Bewuchs), aber für Radfahrer und Fußgänger noch frei. Ersatzloser Abriss.

Über Raiffeisenstraße und Konradstraße die Seelbergstraße hinab – und schon bin ich wieder daheim: Rechts vor links – da nimmt mir gerade eine junge Dame in ihrem Skoda Fabia die Vorfahrt, die die Annastraße entlangfährt. Home is, where …

Über Raiffeisenstraße und Konradstraße die Seelbergstraße hinab – und schon bin ich wieder daheim: Rechts vor links – da nimmt mir gerade eine junge Dame in ihrem Skoda Fabia die Vorfahrt, die die Annastraße entlangfährt.
Home is, where …

Nach der Ankunft: Was der ganze trübe Sommer nicht geschafft hat, gibt mir dieser eine 28. September – Bräune, deutlich an der Handschuhkante abzulesen.

Nach der Ankunft: Was der ganze trübe Sommer nicht geschafft hat, gibt mir dieser eine 28. September – Bräune, deutlich an der Handschuhkante abzulesen.

Auch die Beine haben nur an bestimmten Stellen viel Farbe angenommen …

Auch die Beine haben diesen Sommer nur an bestimmten Stellen viel Farbe angenommen …

Am 3. Oktober fuhr ich von Würzburg zum Kreuzberg, von dort nach Bad Neustadt und dann mit dem Zug zurück nach Würzburg. Diesmal lief die HD Ghost durchgängig im Videomodus, filmte also jeden gefahrenen Meter. Nachdem ich schon so oft fotografiert habe, will ich mal ein paar Strecken richtig abfilmen. Aus fast 5 Stunden Video habe ich folgendes gelernt:

  • Im Nebel fahren ist okay, aber dann muss man ab und zu mal über die Linse wischen …
  • Je Nebel, desto wisch …
  • Der Ton ist grauenhaft: Entweder separat mitschneiden oder komplett nachvertonen
  • Die Befestigung am Vorbau ist okay, aber die Perspektive auf Dauer zu statisch und das Bild extrem stoßanfällig (Schlaglöcher, Steine etc.)
  • Die ist nicht ganz dicht: von Gefäll bis zum Kreuzberg, bei einigermaßen Sonnenschein, hat die Linse von innen beschlagen. Häh?!
Am 3. Oktober zum Kreuzberg – Abfahrt um 8 Uhr morgens, gegen 10 Uhr zweites Frühstück in Hammelburg (Kaffee, Apfel-Plotz) am Marktplatz.

Am 3. Oktober zum Kreuzberg – Abfahrt um 8 Uhr morgens, gegen 10 Uhr zweites Frühstück in Hammelburg (Kaffee, Apfel-Plotz) am Marktplatz.

Der Blick fällt auf die Radwegweiser – noch dezent und sehr hoch angebracht, aber wer sich genau umsieht, weiss: Es werden immer mehr, und die Wege immer besser.

Der Blick fällt auf die Radwegweiser – noch dezent und sehr hoch angebracht, aber wer sich genau umsieht, weiss: Es werden immer mehr, und die Wege immer besser.

Der Vormittag war neblig, auch das Thulbatal (hier bei Untererthal) liegt im Nebel …

Der Vormittag war neblig, auch das Thulbatal (hier vor Untererthal) liegt im Nebel …

… und, am Kreuzberg, leider auch die HD Ghost: Mein schönes Klettern hier hoch – verschwunden hinter einem dicken, zentralen Blur. Verd…

… und, am Kreuzberg, leider auch die HD Ghost: Mein schönes Klettern hier hoch – verschwunden hinter einem dicken, zentralen Blur. Verd…

Statistiken:

27. September 2014: Würzburg – Stöppach (bei Coburg)
112,69 Tageskilometer
4:12:42 reine Fahrzeit
26,75 km/h Durchschnitt
60,11 km/h max.
1.025 m Tageshöhe
9,1 Hm/km

28. September 2014: Stöppach (bei Coburg) – Würzburg
110,90 Tageskilometer
4:13:14 reine Fahrzeit
26,27 km/h Durchschnitt
65,15 km/h max.
930 m Tageshöhe
8,3 Hm/km

3. Oktober 2014: Würzburg – Kreuzberg – Bad Neustadt
127,99 Tageskilometer
5:13:38 reine Fahrzeit
24,48 km/h Durchschnitt
69,81 km/h max.
1.547 m Tageshöhe
12,1 Hm/km

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