Ehrgeiz, Fotografie, Lust, Radwege, Rennrad, Tour 100–200 km, Training

Oster-(Zw)Eier und Kreuzberg

So langsam werden die Rennradsaison 2015 und ich warm miteinander, nach einem recht späten Start kommen nun wieder vermehrt Gelegenheiten, das eine (Familienbesuche etc.) mit dem anderen (Rennrad, Langstrecke) zu verbinden. Wie im letzten Jahr nutzte ich auch heuer die (Groß-)Elternbesuche an den Osterfeiertagen, um ein paar Kilometer mit dem Rennrad zu sammeln. Allerdings war es morgens noch ziemlich kalt – ich fuhr nur an den Nachmittagen, so legte das Rennrad mit mir am Ostersonntag Vormittag die ersten 70 km im Auto zurück, von Würzburg zu meinen Eltern nach Waldfenster.

Nach dem Mittagessen in großer Runde blieb Margit noch den Nachmittag über bis zum Kaffee dort, mich aber zog es aufs Rad: Kein Regen, ab und zu blauer Himmel, mäßiger Wind, der von der Seite, aber auch mal von hinten kommen kann … ideales Radwetter, auch wenn die Höchsttemperatur vorerst noch im einstelligen Bereich blieb. Das Menü: Von Waldfenster nach Stöppach, ca. 100 km über Aschach, Münnerstadt, Bad Königshofen, Hellingen und Seßlach. Lecker! Und die Gelegenheit, den Abbruch vom letzten Jahr wieder wettzumachen.

Schon bei meiner ersten Rennradrunde in diesem Jahr machte sich mein Tacho bemerkbar und monierte eine leere Batterie am km-Zähler (Vorderrad), aber die Batterie hielt auch am Karfreitag bei einer kleinen Aufwärm-Kurbelrunde noch durch, so dass ich das Thema verdrängte – ein Fehler, denn am Ostersonntag stieg der Tacho dann hinter Bad Königshofen aus, die Batterie war endgültig leer … zwar hatte ich mich per iPhone mit komoot getrackt, aber dummerweise in Bad Königshofen, bei der obligatorischen Kaffeepause, auch das Tracking pausiert und vergessen, wieder einzuschalten. Fiel mir 1-2 km später wieder ein, beim Kleidungs-Upgrade hinter Bad Königshofen, aber das Tracking lief nicht mehr sauber und stieg irgendwo in Thüringen dann aus … und beim Überprüfen mit komoot bzw. Trailrunner Mini am Mac musste ich im Nachhinein erneut feststellen, dass v.a. die Höhenmeterangaben ziemlich weit entfernt sind von dem, was der (barometrische) Höhenmeter am Tacho misst (und der arbeitet sehr genau).

Am Ostermontag dann wieder von Stöppach nach Würzburg zurück, 112 km, die Haßberge bin ich nun schon öfters gefahren; neben den Touren in die Rhön gefühlt die am zweithäufigsten gefahrene Tour. Auch völlig ok, die Besuche bei den Schwiegereltern (ca. 110 km) so oft wie möglich ans Fahrrad zu koppeln …

Zu guter Letzt war gestern (11. 4.) auch der Kreuzberg dran, mal wieder, trotz nicht so überragendem Wetter: Warm, ja, aber schon hinter Würzburg vereinzelte Regentropfen in der Luft. Das blieb glücklicherweise auch bei einzelnen Tröpfchen, aber am Kreuzberg wurde es dann ziemlich windig, und ich war auch nicht so motiviert, mir gleich die volle Tour über die Teerrampe hoch zu geben: Am Guckaspass, oberhalb von Langenleiten und vor der Abfahrt nach Oberwildflecken (um von dort mit Blut, Schweiß und Tränen die letzten 5 km Anstieg hochzuschleichen), bog ich rechts ab in den Wald und fuhr die kürzere MTB- und Wanderroute auf der Schotterpiste. »Gecheatet«, würden meine Jungs sagen, und ich würde auch gar nicht widersprechen: Zum Saisonstart bin ich mit mir selbst sehr nachsichtig. Vom Kreuzberg dann Abfahrt ganz hinunter nach Bischofsheim und im Brend-Tal nach Bad Neustadt geradelt – mit Rückenwind ein echter Spaß, auf der Ebene am Tacho (mit neuer Batterie) ständig die 4, manchmal die 5 als erste Ziffer zu sehen. Zumindest die ersten Kilometer. In Bad Neustadt am Bahnhof stellte ich fest, dass für den nächsten Zug nach Würzburg über eine Stunde Wartezeit anstanden – also noch die zehn Kilometer bis Münnerstadt zum nächsten Bahnhof geradelt. Und: Einen alten (Schul-)Freund zufällig auf dem Rennrad getroffen, das erste Mal seit über 20 Jahren (!) – und gleich erkannt. Lustig …

Ein paar Eindrücke in Bildern – diesmal habe ich teilweise Ausschnitte gewählt, die der Originalgröße der Ghost-Bilder entsprechen, während ich die Bilder sonst komplett auf 25–33% verkleinern und schärfen kann, was oft eine ganz passable Qualität liefert, sind manche Bilder nun 1:1 zu sehen – grieselig, verrauscht, voller Artefakte …

5. April, Ostersonntag – von Waldfenster nach Stöppach

Abfahrt in Waldfenster, bestes Wetter, wenn auch kühl.

Abfahrt in Waldfenster, bestes Wetter, wenn auch kühl.

Diesmal die Variante über Windheim und Reichenbach – lange Abfahrt vor Reichenbach …

Diesmal die Variante über Windheim und Reichenbach – lange Abfahrt vor Reichenbach …

… und lange Abfahrt nach Reichenbach, leider mit etwas räudigem Belag. Blick auf Münnerstadt, im Hintergrund die Autobahnbrücke über das Lauertal, unter der ich durchfahren werde auf meinem Weg nach Bad Königshofen.

… und lange Abfahrt nach Reichenbach, leider mit etwas räudigem Belag. Blick auf Münnerstadt, im Hintergrund die Autobahnbrücke über das Lauertal, unter der ich durchfahren werde auf meinem Weg nach Bad Königshofen.

Kurz vor Bad Königshofen kommen auch die thüringischen Gleichberge ins Blickfeld (links der Kleine, rechts der Große Gleichberg).

Kurz vor Bad Königshofen kommen auch die thüringischen Gleichberge ins Blickfeld (links der Kleine, rechts der Große Gleichberg).

Hinter Bad Königshofen, nach einem schnellen Cappuccino und einer klitzekleinen Zigarette, biege ich in Obereßfeld nach Alsleben ab – dummerweise hatte ich keine Karte dabei, sonst hätte die mir gesagt, dass es am Abzweig im Bild rechts, nach Zimmerau, die kürzere Strecke wäre. Also: Umweg gefahren, noch dazu mit einigen Anstiegen …

Hinter Bad Königshofen, nach einem schnellen Cappuccino und einer klitzekleinen Zigarette, biege ich in Obereßfeld nach Alsleben ab (ST 2283) – dummerweise hatte ich keine Karte dabei, sonst hätte die mir gesagt, dass es am Abzweig im Bild rechts, nach Zimmerau, die kürzere Strecke wäre (NES 46). Also: Umweg gefahren, noch dazu mit einigen Anstiegen …

In dieser Ecke von Thüringen lässt es sich wirklich schön fahren! Zwischen Rieth und Hellingen auf der K 502.

In dieser Ecke von Thüringen lässt es sich wirklich schön fahren! Zwischen Rieth und Hellingen auf der K 502.

Hinter Poppenhausen, vor dem Abzweig nach Gleismuthausen, steht links ein Schild im Wald: »Hilft uns Bayern? Denn Thüringen hilft uns Nicht.« – Wie bitte? Ihr habt Bodo Ramelow und ruft nach Seehofer, Söder, Scheuer? Geht's noch? …

Hinter Poppenhausen, vor dem Abzweig nach Gleismuthausen, steht links ein Schild im Wald: »Hilft uns Bayern? Denn Thüringen hilft uns Nicht.« – Wie bitte? Ihr habt Bodo Ramelow und ruft nach Seehofer, Söder, Scheuer? Geht’s noch? …

Seßlach – bitte Schild rechts beachten: Der Altort an Wochenenden und Feiertagen gesperrt für Autoverkehr – ein Traum!

Seßlach – bitte Schild rechts beachten: Der Altort an Wochenenden und Feiertagen gesperrt für Autoverkehr – ein Traum!

Und entsprechend geht es zu Fuß (oder mit dem Rad) zum einen Tor rein, zum anderen raus – kann man diese sinnvolle Mittelalterstruktur nicht überall wiederbeleben, statt nur noch musealen Kopfsteinpflaster-Kitsch zu pflegen, der dann doch nur konsequent mit Autos zugemüllt wird – siehe Würzburg (Residenzplatz, Postparadeplatz hinterm Dom, …).

Und entsprechend geht es zu Fuß (oder mit dem Rad) zum einen Tor rein, zum anderen raus – kann man diese sinnvolle Mittelalterstruktur nicht überall wiederbeleben, statt nur noch musealen Kopfsteinpflaster-Kitsch zu pflegen, der dann doch nur konsequent mit Autos zugemüllt wird – siehe Würzburg (Residenzplatz, Postparadeplatz hinterm Dom, …)?

 

6. April, Ostermontag – von Stöppach nach Würzburg

Abfahrt in Stöppach gegen 14.30 Uhr – an der Eselsbrücke nähere ich mich zwei skatenden Jungs … den einen kenne ich ganz gut: Unser jüngster, Emil, ist noch mit seinen Freunden aus Stöppach unterwegs.Da er gleich nach dem Mittagessen wieder mit seinem Cruiser verschwunden ist, kann ich mich hier noch von ihm verabschieden, bevor ich die ersten Kilometer entlang der Itz bzw. B 4 fahre.

Abfahrt in Stöppach gegen 14.30 Uhr – an der Eselsbrücke nähere ich mich zwei skatenden Jungs … den einen kenne ich ganz gut: Unser jüngster, Emil, ist noch mit seinen Freunden aus Stöppach unterwegs.Da er gleich nach dem Mittagessen wieder mit seinem Cruiser verschwunden ist, kann ich mich hier noch von ihm verabschieden, bevor ich die ersten Kilometer entlang der Itz bzw. B 4 fahre.

Radweg an der B 4.

Radweg an der B 4.

Hinter Untermerzbach der Anstieg hoch nach Fierst, immer wieder gerne, hoch wie runter.

Hinter Untermerzbach der Anstieg hoch nach Fierst: Immer wieder gerne gefahren, hoch wie runter.

Nachdem es die ganze Zeit schon ziemlich wolkig war, fallen hier tatsächlich ein paar kleine Schneeflocken – aber wirklich nur ein paar wenige …

Nachdem es die ganze Zeit schon ziemlich wolkig war, fallen hier tatsächlich ein paar kleine Schneeflocken – aber wirklich nur ein paar wenige …

… und an der Abfahrt von Fierst nach Ebern ist das schon wieder Schnee von gestern.

… und an der Abfahrt von Fierst nach Ebern ist das schon wieder Schnee von gestern.

Radwegtunnel hinter Ebern, unter der ST 2278 durch.

Radwegtunnel hinter Ebern, unter der ST 2278 durch.

Mainbrücke bei Haßfurt (ST 2275).

Mainbrücke bei Haßfurt (ST 2275).

Das Auge fährt mit: Schöner Kurvenschwung auf der ST 2275 hinter Donnersdorf.

Das Auge fährt mit: Schöner Kurvenschwung auf der ST 2275 hinter Donnersdorf.

Ich wähle natürlich immer gerne Fotos aus, die leere Straßen und die Weite der Landschaft zeigen, aber auch das ist Realität: Fahren neben den Autos, deren hermetisch abgeschirmte Insassen leider zu oft nicht realisieren, was für einen (für andere) gefährlichen Stiefel sie zusammenfahren, wenn sie mich schneiden.

Ich wähle natürlich immer gerne Fotos aus, die leere Straßen und die Weite der Landschaft zeigen, aber auch das ist Realität: Fahren neben den Autos, deren hermetisch abgeschirmte Insassen leider zu oft nicht realisieren, was für einen (für andere) gefährlichen Stiefel sie zusammenfahren, wenn sie mich schneiden.

Für Dirk: das obligatorische Schatten-»Selfie« …

Für Dirk: das obligatorische Schatten-»Selfie« …

Auch immer wieder schön: Die Brücke zwischen Volkach und Astheim läutet die letzten (ca. 25) Kilometer ein.

Auch immer wieder schön: Die Brücke zwischen Volkach und Astheim läutet die letzten (ca. 25) Kilometer ein.

Und noch ein optischer Leckerbissen: Bahnunterführung kurz vor Rottendorf, schön verzerrt und gegen die Sonne.

Und noch ein optischer Leckerbissen: Bahnunterführung kurz vor Rottendorf, schön verzerrt und gegen die Sonne.

Hier mal ein Blick auf meine Kleidung, direkt nach der Rückkehr am heimischen Balkon gemacht: zuunterst ein Trikot (weiß/rot), darüber eine leicht angeraute Langarm-Jacke (schwarz), darüber Windjacke 1 (blau), darüber Windjacke 2 (schwarz). Der Körper bleibt warm, der Schweiß geht raus, der Wind nicht rein. Damit kann ich gut fahren zwischen 5° und 15°. An den Beinen eine kurze Gore-Hose plus (ebenfalls innen angeraute) Beinlinge.

Hier mal ein Blick auf meine Kleidung, direkt nach der Rückkehr am heimischen Balkon gemacht: zuunterst ein Trikot (weiß/rot), darüber eine leicht angeraute Langarm-Jacke (schwarz), darüber Windjacke 1 (blau), darüber Windjacke 2 (schwarz). Der Körper bleibt warm, der Schweiß geht raus, der Wind nicht rein. Damit kann ich gut fahren zwischen 5° und 15°. An den Beinen eine kurze Gore-Hose plus (ebenfalls innen angeraute) Beinlinge.

Und hier auch nochmal der Vergleich: Horizont zuhause in Würzburg und unterwegs – klar, dass es mich immer wieder fortzieht (obwohl ich unsere urbane Wohngegend als noch gar nicht mal unangenehm empfinde …).

Und hier auch nochmal der Vergleich: Horizont zuhause in Würzburg und unterwegs – klar, dass es mich immer wieder fortzieht (obwohl ich unsere urbane Wohngegend als noch gar nicht mal unangenehm empfinde …).

 

11. April, Samstag – von Würzburg zum Kreuzberg und über Münnerstadt mit der Bahn zurück

Anstieg am Guckaspass, Handy klingelt: Emil ist dran und hat auf seinem neuen Handy noch nicht alle Rufnummern gespeichert. Ich übernehme kurz den Telefondienst, dann gehts weiter hoch, aber oben am Pass …

Anstieg am Guckaspass, Handy klingelt: Emil ist dran und hat auf seinem neuen Handy noch nicht alle Rufnummern gespeichert. Ich übernehme kurz den Telefondienst, dann gehts weiter hoch, aber oben am Pass …

… biege ich auf den Waldweg rechts ab. Kurz vor dem Ziel noch Reste des vergangenen Winters.

… biege ich auf den Waldweg rechts ab. Kurz vor dem Ziel noch Reste des vergangenen Winters.

Bad Neustadt, kurz nach 15 Uhr: Zug kommt erst über eine Stunde später, also fahre ich noch zum nächsten Banhof nach Münnerstadt (ca. 12 km).

Bad Neustadt, kurz nach 15 Uhr: Zug kommt erst über eine Stunde später, also fahre ich noch zum nächsten Banhof nach Münnerstadt (ca. 12 km).

Überraschung: Ein Rennradfahrer kommt mir kurz nach Bad Neustadt, beim Wechsel in die Saalewiesen, entgegen. Wir nicken uns kurz zu, ich denke: »Den kennst Du doch« … Anhalten, Umdrehen, Hinterherrufen – auch er wendet und fährt zurück zu mir, und siehe da: mein Freund Klaus aus längst vergangenen Tagen, seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen …

Überraschung: Ein Rennradfahrer kommt mir kurz nach Bad Neustadt, beim Wechsel in die Saalewiesen, entgegen. Wir nicken uns kurz zu, ich denke: »Den kennst Du doch« … Anhalten, Umdrehen, Hinterherrufen – auch er wendet und fährt zurück zu mir, und siehe da: mein Freund Klaus aus längst vergangenen Tagen, seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen …

Wir radeln gemeinsam bis Münnerstadt und plaudern auch fleißig. Echt witzige Überraschung …

Wir radeln gemeinsam bis Münnerstadt und plaudern auch fleißig. Echt witzige Überraschung …

 

Statistik für die Woche vom 5.–11. April:

Ca. 350 km gesamt, leider mit vielen Messungenauigkeiten, aber darum geht es ja nicht, sondern ums Fahren. Und das war, wie immer, schön!

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4 Gedanken zu “Oster-(Zw)Eier und Kreuzberg

  1. Dirk schreibt:

    Yep! Das macht Lust! … und die ersten Kilometer hab ich ja auch schon in den Beinen. Wenn auch maximal ein Zehntel Deines Pensums 🙂

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  2. itsmyspot schreibt:

    Hallo Jochen,

    was so Link wegen eines neuen Fahrrads auf Umwegen zu deinem Blog so mit sich bringt ……

    Finde es jedenfalls super, dass du so konsequent im Berichten und natürlich auch Fahren bist. Dein Stil ist auch sehr angenehm zu lesen.

    Vielen Dank für deine Mühe! Die Fotos dazu finde ich ebenfalls sehr anspornend.

    Wollte ich nur mal kurz so in den Blograum werfen …..

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