Alltag, Ehrgeiz, Lust, Mensch-Maschine, Rennrad, Tour 100–200 km

Genußradeln ohne Ballast

Dieser Sommer hat es in sich – scheinbar ist es zu allem zu heiß: zum Radeln … und zum Bloggen. Die Blog-Lektüre wird dünn, nuernberg2rad pausiert(e) über einen Monat, Presserad pausiert schon länger, und Alexandra liefert vielleicht auch einen Grund, warum das so ist und warum ich mir auch die letzten Wochen sehr schwer getan habe, hier zu schreiben: Sind es nicht immer die gleichen Geschichten? Ist nicht alles schon erzählt, fotografiert, dokumentiert …?

Meine Beschäftigung mit dem Fahrrad lässt sich auf wenige markante Punkte festlegen:

  • Radeln im Alltag (kleine Wege, nicht der Rede wert)
  • kleine Reparaturen und Schraubereien am heimischen Fuhrpark (auch die Räder der anderen Familienmitglieder müssen hin und wieder gewartet werden)
  • Engagement für den Radverkehr in Würzburg (als Mitglied des Radverkehrsbeirats der Stadt Würzburg und Sprecher der AG Radverkehr), d.h.: Problemstellen benennen, ERA/RASt studieren, mit Verwaltungsangestellten diskutieren (bzw. sich geduldig/hilflos anhören, warum dieses oder jenes, obwohl Vorschrift, an genau dieser oder jener Stelle nicht oder nur schlecht umgesetzt werden kann), etliches an Freizeit (und auch Arbeitszeit) ranhängen, um den Unfug zu dokumentieren bzw. über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren etc. etc.
  • Rennradfahren, möglichst >100 km (Langstrecke)

So richtig Spaß macht eigentlich nur letzteres – und gerade das Rennradfahren, das ich im letzten Jahr ausgiebig zelebriert habe, kommt heuer relativ kurz: Ich fahre aktuell zwar jede Woche eine längere Strecke, die aber zweckgebunden (Familienbesuche, meistens beim Schwiegervater bei Coburg, seltener die eigenen Eltern in der Rhön), mit entsprechend wenigen Variationen bzw. Neuland. Dazu kommt, dass ich die meiste Zeit meine dicke Tasche (22l/8kg) hinten auf dem Träger habe, da ich i.d.R. Klamotten für ein paar Tage dabei haben will und unbedingt autonom sein möchte, vulgo: unabhängig vom KFZ, das meine Frau ja meistens auf den gleichen Strecken benutzt.

Am letzten Wochenende war es wieder so: Ich am Samstag mit unserem Jüngsten zusammen im KFZ nach Stöppach, Schwiegervater besuchen, am Sonntag kamen meine Frau und unser Ältester mit Freunden (meiner Frau) nach, Grillen zum Mittagessen, Chillen in der Hitze, üppig Kaffee und Kuchen – und am Abend ging es wieder zurück nach Würzburg. In so einem Fall nehme ich das Rennrad auf dem Dach mit, um wenigstens einmal die Strecke mit dem Rad/ohne Auto zurückzulegen. Und diesmal ohne Gepäck, das habe ich dann einfach im Auto mitgeschickt, das fährt ja eh … und ich wollte einfach mal wieder »einfach« radeln: Kein Gepäck, kein Träger, keine Kamera (die Fahrt von Ost nach West hat sowieso die ganze Zeit Gegenlicht, da werden auch die Fotos nicht so wirklich gut), zwei Flaschen Wasser, Geldbeutel, iPhone, Tabak. Braucht es mehr?

Ja, bitte mal wieder eine neue Streckenvariante! Also fuhr ich vorgestern mal wieder ein paar neue Abschnitte neben den bekannten – und es war einfach toll! Gestartet wie immer in Stöppach (kurz nach 17 Uhr, immer noch bei ca. 35° C), dann gleich im Wald hoch, über Schloß Hohenstein, hinab nach Schafhof, dann Eicha, Witzmannsberg, Seßlach, weiter über Heilgersdorf und Bischwind zur nächsten Burg hinauf (Lichtenstein). Schöner Anstieg, schöne Abfahrt nach Dürrnhof, dann Pfarrweisach. Ab hier dann neue Variante via Lohr und Gemeinfeld über die HAS 40 an Erlsdorf vorbei nach Hofheim. Über Aidhausen, Reichmannshausen und Hesselbach zur ST2280 und auf dieser nach Schweinfurt. Von dort, nach einem kleinen Päuschen bei kalter Cola und glühender Zigarette, wie gewohnt am Main entlang bis Untereisenheim, dann Prosselsheim, Euerfeld, Rottendorf, Würzburg. Ein locker gefahrener 27er Schnitt bei 125 km Strecke legt Zeugnis ab vom günstigen Wind und dem fehlenden Ballast: Ich sollte wieder öfter einfach nur kurbeln, und nicht jedes Mal das ganze Geraffel mitschleppen.

Die Route diesmal stärker westwärts ausgerichtet, erst ab Hofheim wieder deutlicher Knick Richtung Südwesten. Tour bei komoot anschauen …

Die Route diesmal stärker westwärts ausgerichtet, erst ab Hofheim wieder deutlicher Knick Richtung Südwesten. Tour bei komoot anschauen

Das wirklich schöne dabei: Kein Ballast! Kein Gepäck (das geschleppt werden will), keine Kamera (deren Akku in regelmäßigen Abständen getauscht werden muss), keine Wind- oder Regenjacke (für alle Fälle), kein Zeitdruck (weil nach der Tour irgendwann nur noch das heimische Bett wartet, sonst nichts) … und während ich da so vor mich hinkurbelte, dachte ich immer wieder, wie schade es doch ist, dass sich dieses Gefühl tiefer Zufriedenheit, das sich bei mir beim durch-die-Landschaft-gleiten immer wieder einstellt, nicht wirklich adäquat im Blog vermitteln lässt. Nicht durch Worte, nicht durch Bilder – man muss es selbst erleben, erfahren (!).

Das musste ich dann doch mal fotografieren: Blick zurück nach Hofheim (Standpunkt zwischen Lendershausen und Kerbfeld). Das tolle Panorama der Haßberge, die sich hier als eine lange Wand präsentieren, links bis vor Bad Königshofen reichen und rechts weitergehen bis Königsberg bzw. Zeil am Main.

Das musste ich dann doch mal fotografieren: Blick zurück nach Hofheim (Standpunkt zwischen Lendershausen und Kerbfeld). Das tolle Panorama der Haßberge, die sich hier als eine lange Wand präsentieren, links bis vor Bad Königshofen reichen und rechts weitergehen bis Königsberg bzw. Zeil am Main.

Und deswegen werde ich auch weiterhin vor allem … fahren, fahren, fahren, am liebsten auf dem Rennrad. Für diesen Freitag steht schon die nächste Variante an: Nach einem Schlenker über Hammelburg (meine dann frisch operierte Mutter im Krankenhaus besuchen) von dort über Wirmsthal und Maßbach/Stadtlauringen gen Coburg. Und irgendwann hat jede Ortschaft, jede Straße in Unterfranken auf meiner imaginären Karte ein Häkchen bekommen: abgefahren …

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3 Gedanken zu “Genußradeln ohne Ballast

  1. Ja Mensch, jetzt hat mich diese Bloglethargie sogar von Bloglesen abgehalten. Schande. Sonst hätte ich mich schon viel früher bedankt für den Link und die Seelenverwandschaft. Sind es die fehlenden Ziele oder die Skrupel Belanglosigkeiten zu schreiben? Als Trost: Ich lese gerne gut geschriebene Texte, was ich hier immer finde. Die Inhalte sind nicht zweit- aber auch nicht erstrangig. Grüße aus Waldfenster und es regnet. Endlich.

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      • Nein, warst Du nicht … und um »Waldfenster im Regen« beneide ich Dich fast – ich hab’s aber gerne getrennt: Waldfenster? Ja. Regen? Ja. Waldfenster und Regen? Hmmm, da merkt man dann recht schnell, was ein »Dorf« ist bzw. warum manche Leute gerne mal »da ist der Hund verreckt« sagen …
        Viel Spaß in der Rhön, ich schaffe es leider diese Woche nicht mehr 😦

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