Alltag, DIY, Ehrgeiz, Fotografie, Lust, Mensch-Maschine, Rennrad, Technik

2016 – weiter gehts

Auch 2016 wird hier gebloggt, allerdings werde ich das Tempo weiterhin im unteren Bereich halten …

Kurzer Jahresrückblick 2015 in Zahlen

Zuallererst möchte ich mich bei meinen Leserinnen und Lesern bedanken für das rege Interesse im letzten Jahr – auch wenn ich dieses Blog vor allem für mich selbst betreibe, ist es doch spannend zu sehen, dass meine Texte auch andere interessieren. So haben 10.027 Besucher 26.886 Seiten aufgerufen, also etwa 2,7 Seiten je Besuch (bzw. täglich 27,5 Besucher 73,7 Seiten aufgerufen). Im Ranking der besten Fahrradblogs 2015 ist dieses Blog in der vorderen Hälfte gelandet, was auch nicht schlecht ist: Platz 87 von 193, ganz in der Nähe der Blogs, die ich selbst regelmäßig lese – knapp hinter Presserad (85), aber vor Mucradblog (97) und überraschenderweise auch vor den durchaus engagierten Berliner Blogs von Clevere Städte (103) und dem Urbanist Magazin (108). Dafür findet sich unter den Top 10 nur ein Blog, das ich regelmäßig lese, It started with a fight (10) von Daniel Doerk aus Osnabrück – Glückwunsch an dieser Stelle von mir: Wer täglich postet, manchmal mehrmals täglich, betreibt kein Blog, er ist ein Blog … 😉

Mein persönliches Resümee fällt allerdings etwas ernüchtert aus. Mit meinen Rennradkilometern blieb ich sehr, sehr deutlich hinter dem Vorjahr zurück – gerade mal die Hälfte habe ich geschafft (in Klammern die Zahlen von 2014):

  • Gefahrene Kilometer: 3.405,48 (6.714,65)
  • Höhenmeter: 31.876 (56.771)
  • Höhenmeter/Kilometer: 9,4 (8,5)

Woran lags? Spät aufs Rad gestiegen (erste Rennradrunde am 7. März), und dann ausser Würzburg–München (am 4. Juni) keine längere (± 200 km/Tag) Tour gefahren. Vom 22. August bis zum 9. Oktober stand der Renner komplett im Eck – warum, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen … an sechs Wochen Dauerregen im Spätsommer kann ich mich jedenfalls nicht erinnern.

Das muss in diesem Jahr wieder anders werden, v.a. will ich mir unter der Woche wieder mehr kürzere Einheiten gönnen für das Training. Interessant ist aber, dass ich verhältnismäßig mehr Höhenmeter absolviert habe als im Vorjahr. Ein guter Messer für anstrengendere (oder leichtere) Touren ist für mich mittlerweile der Wert der Höhenmeter/Kilometer. Bei weniger als 7 Hm/km behaupte ich, dass Steigungen quasi gar nicht vorhanden sind, alles darüber merkt man schon eher in den Beinen, wobei es ziemlich zügig anzieht und eine Tour mit 10–12 Hm/km schon ordentlich in meine Beine geht. Die Marathonrunde beim Rhöner Kuppenritt im letzten Jahr war da mit 17,3 Hm/km (bei 200 km Gesamtstrecke) nicht nur ein kleines Highlight in meiner Statistik, sondern hat mich auch richtig geschlaucht. Recht so … 😉

Schrauberfreuden

Die am meisten aufgerufenen Seiten dieses Blogs sind die zur Rennradrestaurierung (Teil 1, Teil 2, Teil 3) – (m)ein Evergreen. Ich verrate soviel: Teil 4 wird hoffentlich in diesem Jahr erscheinen – wenn ich mich vom mehr schlecht als recht polierten/klarlackierten Stahl-Look trennen und entweder nochmal Hand anlegen und versuchen werde, die Stahloptik zu verbessern (also ohne sichtbare Roststellen) oder, was wahrscheinlicher ist, den Rahmen pulverbeschichten lasse in einer RAL-Farbe meiner Wahl.

An Bastelarbeiten habe ich, neben den üblichen Wartungsarbeiten, zwar nichts weltbewegendes vollzogen, aber doch zumindest endlich mal das Thema »Lasten-« für mich befriedigend erledigt. Als Freund schöner Fahrräder hätte ich mir natürlich am liebsten ein echtes Lastenrad zugelegt, weil so ein Lastenrad auch unbeladen ein ziemlich deutliches Statement ist. Aber wohin damit? Und wie oft benutze ich es wirklich bestimmungsgemäß (also vollbeladen)? Und vor allem: Wer soll das bezahlen? …

Die Antwort auf meine Frage, wie ich mich (und ansatzweise auch meine Familie) weiter unabhängig vom Auto machen könnte, stand dabei schon seit Jahren in der Garage: Unser alter, billiger Kinderanhänger, vor Ewigkeiten (also um die Jahrtausendwende) bei Aldi gekauft, immer gehasst wegen der blöden Schraubbefestigung am Rad und irgendwann in die hinterste Ecke verbannt …

So sieht er aus, der typische Billiganhänger. Er hat mehr oder weniger gute Dienste geleistet, aber die Befestigung am Rad mittels Schraube (statt einer Kupplung, unten links) war schon immer nervig – und ging auch nur, weil ich jahrelang keinen Ständer am Hinterrad links montiert hatte. Ich hatte ausserdem in Erinnerung, dass er gar keine gerade Wanne hatte, sondern eine gebogene (Sitzbank).

So sieht er aus, der typische Billiganhänger. Er hat mehr oder weniger gute Dienste geleistet, aber die Befestigung am Rad mittels Schraube (statt einer Kupplung, unten links) war schon immer nervig – und ging auch nur, weil ich jahrelang keinen Ständer am Hinterrad links montiert hatte. Ich hatte ausserdem in Erinnerung, dass er gar keine gerade Wanne hatte, sondern eine gebogene (Sitzbank).

Umso größer die Freude, festzustellen, dass die Sitzbank nur aus gespanntem Stoff besteht, der sich schnell demontieren lässt. Statt also Hunderte von Euros in einen neuen Hänger zu stecken, investierte ich ziemlich genau 100 Euro für einen Weber-Umrüstsatz: Ständer inkl. Kupplung (oben rechts). Nach einem ersten »Trockenversuch« (u.l.) beschloss ich, die Deichsel etwas zu kürzen (u.r.) – Vorarbeit mit dem Rohrschneider, Restarbeit mit der Eisensäge.

Umso größer die Freude, festzustellen, dass die Sitzbank nur aus gespanntem Stoff besteht, der sich schnell demontieren lässt. Statt also Hunderte von Euros in einen neuen Hänger zu stecken, investierte ich ziemlich genau 100 Euro für ein Weber-Umrüstset: Ständer inkl. Kupplung (oben rechts). Nach einem ersten »Trockenversuch« (u.l.) beschloss ich, die Deichsel etwas zu kürzen (u.r.) – Vorarbeit mit dem Rohrschneider, Restarbeit mit der Eisensäge.

Wie »gekauft«: Der fertige Lastenanhänger transportiert problemlos drei volle Getränkekästen, der Getränke-»Großeinkauf« für die vierköpfige Familie ist mit zwei Fahrten erledigt. Kniffliger war da schon der Einkauf von Regalelementen für mein Büro, den ich am 30. Dezember gewichtsmäßig ebenfalls auf zwei Fahrten verteilt habe – von meinem Büro nach Rottendorf zum Möbelum über den Uni-Berg sind es 10 km einfach, mit ordentlichen Anstiegen dazwischen – hervorragende Trainingseinheit zum Jahresende: 40 km, davon 20 mit Last …

Wie »gekauft«: Der fertige Lastenanhänger transportiert problemlos drei volle Getränkekästen, der Getränke-»Großeinkauf« für die vierköpfige Familie ist mit zwei Fahrten erledigt. Kniffliger war da schon der Einkauf von Regalelementen für mein Büro, den ich am 30. Dezember gewichtsmäßig ebenfalls auf zwei Fahrten verteilt habe – von meinem Büro nach Rottendorf zum Möbelum über den Uni-Berg sind es 10 km einfach, mit ordentlichen Anstiegen dazwischen – hervorragende Trainingseinheit zum Jahresende: 40 km, davon 20 mit Last …

Das war zwar nur Schrauben auf einfachem Niveau, aber dafür mit maximalem Effekt. Der Hänger ist mit einem Handgriff an- oder abgehängt, leer sehr leicht und kann in der Garage (ohne die Kinderaufbauten) senkrecht platzsparend verstaut werden. Und positiv überrascht war ich vom (neuen) Ständer, der doch um einiges länger ist als mein bisheriger (den ich erst seit ca. 2 Jahren am Rad hatte) und somit dem Fahrrad einen viel besseren, sichereren Stand ermöglicht. Ärgern tut mich im Nachhinein lediglich meine eigene Lethargie: Warum habe ich die Kupplung nicht schon gleich montiert, als wir den Anhänger noch für die Kinder genutzt haben? Was habe ich mich geärgert über die billige Schraubbefestigung, jahrelang …

Für dieses Jahr steht mindestens noch eine weitere Restaurierung an – als ich vor einigen Wochen, vermutlich im November, in der Nähe abends an einem größeren Haus vorbeikam, wo gerade eine Entrümpelungsaktion stattfand, standen auch 3 wirklich erbärmliche Räder herum, etwa ein Billig-MTB mit notdürftig genietetem (!) Rahmenbruch. Ach herrjeh. Doch bei näherem Hinsehen entpuppte sich eines der drei Räder als Hercules-Halbrenner mit 6-Gang-Sachs-Huret-Schaltung (also vorne nur ein Blatt, hinten eine Kassette mit 6 Ritzeln, ein Schalthebel an der Lenkerstange) und dem klassischen Halbrenner-Lenker (also eine leichte M-Form auf einem Niveau). Ich wollte eigentlich nur den Lenker, aber sofort kam einer der Entrümpler zu mir und fragte, ob ich ein Fahrrad bräuchte – ich dürfe mich gerne bedienen. Und da unsere Garage nur wenige Meter entfernt war, griff ich mir das Rad und trug es heim …

Mit demontiertem Hinterrad ohne Achse (oben) stand der Halbrenner auf der Straße. Irgendjemand hat sich wohl schon mal daran verkünstelt und geglaubt, dass nur ein Schalthebel dazu berechtigt, auch nur noch eine Bremse (alte Weinmann vorne ) am Rad zu belassen. Irre, auf welche Ideen Menschen kommen, die meinen, sich ein »Urban Bike« basteln zu können durch die Wegnahme (über)lebenswichtiger Komponenten …

Mit demontiertem Hinterrad ohne Achse (oben) stand der Halbrenner auf der Straße. Irgendjemand hat sich wohl schon mal daran verkünstelt und geglaubt, dass nur ein Schalthebel dazu berechtigt, auch nur noch eine Bremse (alte Weinmann vorne ) am Rad zu belassen. Irre, auf welche Ideen Menschen kommen, die meinen, sich ein »Urban Bike« basteln zu können durch die Wegnahme (über)lebenswichtiger Komponenten …

Ich will noch nicht zu viel verraten, nur soviel vorneweg: Ein Paar nagelneue Tektro-Bremsen R559, extra zum Umbau für alte Renner gedacht, liegen schon bereit – und im Hinterrad steckt mittlerweile ebenfalls eine nagelneue Schraubachse. Der Lenker wird ein neues, rotes Lenkerband bekommen, und die Bremsgriffe habe ich noch von meinem Singlespeed übrig. Nur Zeit und Lust hindern mich also momentan am Basteln – bzw. die Eiseskälte in unserer Garage …

Gute Vorsätze für 2016

Dieses Jahr muss es wieder eine größere Tour geben, ich will mir mindestens eine verlängerte Woche (zehn Tage) dafür hernehmen, um Deutschland mit dem Rad zu erkunden. Wobei zehn Tage wenig sind – trotzdem steht der Plan, und wieder habe ich Berlin im Visier. Zumindest die Hinfahrt will ich diesmal besser planen als meine Hamburg–Berlin–Tour 2013. Dafür habe ich mir im Herbst schon ein kleines Büchlein geholt mit den Radfernwegen in Deutschland samt Übersichtskarte – sehr interessant!

Handwerkszeug für Träumer: Verschiedene Deutschlandkarten, aber neben der analogen Planung wird natürlich auch noch digital geplant, vermutlich wieder mit komoot …

Handwerkszeug für Träumer: Verschiedene Deutschlandkarten, aber neben der analogen Planung wird natürlich auch noch digital geplant, vermutlich wieder mit komoot …

Obwohl ich nicht der typische Radwege-Tourist bin, muss ich doch zugeben, dass ich mittlerweile ganz gerne »away from the numbers« unterwegs bin, wenn die Radwege entsprechend sind. Die Route Würzburg–Berlin gehe ich entspannter an als beim letzten Mal die Hamburg-Tour und werde vermutlich von Coburg aus starten: zuerst radele ich einen halben Tag nach Coburg, dann von dort in zwei Tagen nach Berlin, mit Stopp/Übernachtung in Halle. Dann … weiss ich auch noch nicht weiter, aber es gibt viele Optionen: um Berlin herum, weiter zur Ostsee, rüber nach Hamburg, in einem größeren Bogen über entweder Hannover oder den ICT zurück … da kann ich vorerst noch ein wenig grübeln.

A propos »numbers« …

Letztes Jahr ist es mir, trotz aller guten Vorsätze, nicht gelungen, den Auto-Schwachsinn auszublenden bzw. nicht weiter zu thematisieren. Heuer ein neuer Anlauf, diesem ganzen Quatsch (bzw. seiner Kritik) hier keinen Platz mehr zu widmen …

… mit einer Ausnahme, hier und jetzt: Fotos von einer Situation, gesehen am 10. Dezember hier in Würzburg, am späten Vormittag. Wie so ein Parkverhalten zustande kommt, ist mir ein Rätsel – oder auch nicht. Man kann ja immer wieder beobachten, dass, wenn der erste richtig parkt hält, die anderen es auch so machen – parkt hält der erste auf der Straße statt auf dem Radweg (Langzeitbeobachtung in der Valentin-Becker-Straße in Würzburg), parken halten andere auch eher auf der Straße. Parkt hält der erste auf dem Radweg, parken halten auch alle anderen auf dem Radweg. Vor Jahren hat man versucht, uns den Begriff der »Schwarmintelligenz« schmackhaft zu machen – ich sehe das mittlerweile etwas kritischer, meistens ist es ja doch eher »Schwarmdummheit«, wie diese La-Ola-Parkreihe sehr anschaulich zeigt:

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Wieso, weshalb, warum? Keine Ahnung, aber drei der vier hier geparkten Fahrzeuge wurden offensichtlich von Vollpfosten abgestellt. Ich arbeite echt hart daran, diese Zustände (künftig) mit Humor zu nehmen – aber immer wenn ich denke, ich bin drüber weg, stolpere ich wieder über etwas, das mich so fassungslos macht, dass sich in mir die Überzeugung immer weiter verfestigt, dass wir als Gesellschaft schon weit jenseits der reparablen Verblödung angelangt sind. Mag sein, dass der Klimagipfel im Dezember endlich mal ein Schritt in die richtige Richtung war (was ich stark bezweifle), aber wenn nicht wirklich massiv und entschieden in die Auto-Idiotie eingegriffen wird, hier und jetzt sofort, dann wird das nichts. Smogalarm in Peking? Weit weg. Feinstaubalarm in Stuttgart? Perlt am deutschen Autofahrer ab wie Wasser von der frisch gewachsten und polierten Motorhaube …

Und was macht die Bundesregierung? Dieser Tage ins Haus geflattert kam die neueste Ausgabe von Deutschland aktuell, Themenschwerpunkt »Flüchtlinge«.

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Ach ja, und eine Seite zu TTIP (alles ganz harmlos natürlich – bloß warum wird dann immer noch hinter verschlossenen Türen verhandelt?). Ich frage mich schon die ganze Zeit, wie es möglich ist, Autodeppen Autofahrer überhaupt noch zu erreichen, um ihnen ein paar Neuigkeiten mitzuteilen, die sich im Straßenverkehr seit Erwerb des Führerscheins anno dunnemal mittlerweile ergeben haben, und da wäre so ein Heft, verteilt an die meisten Haushalte, ja vielleicht gar nicht die schlechteste Option. Und dann blättere ich so und lese den TTIP-Artikel, und da geht es um Ventile, um Patente, um technische Konstruktionen, und gegen Ende auch um uns:

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Das eine ist ja, dass ich diesen ganzen dummen, verlogenen Fairness-Wettbewerb-Arbeitsplätze-Wohlstand-Stuss einfach nicht mehr hören oder lesen mag – die meisten Medien stimmen da übrigens seit geraumer Zeit längst andere Töne an, nur unsere CSPDU-Politiker nebst den neoliberalen Grünen beten immer noch die gleiche Leier runter (oh, ich sehe gerade: »Wachstum« wurde in dem Text vergessen – böser Lapsus, Bundesregierung!). Aber der totale Klopfer ist dann der letzte Satz, und ich verstehe nicht, warum er da steht – was er uns sagen will, verstehe ich wohl:

»Denn die Löhne werden schließlich in die Lebensmittelgeschäfte und Autohäuser getragen.«

Merkt Euch, Kinder: Ohne Kleider, ohne Wohnung, ohne Freunde (und natürlich: ohne Kultur etc.) – das geht schon irgendwie. Aber ohne Lebensmittel? Ohne Auto? … boah, Bundesregierung, das war aber mal ganz subtil, du!

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