Ehrgeiz, Lust, Rennrad, Tour 100–200 km, Training

Saisonstart auf dem Renner (2)

»Schönwetterradler« – es gibt ja kaum ein schlimmeres Schimpfwort. Trotzdem würde ich mir etwas mehr Sonne, ein paar Grad mehr Außentemperatur wünschen. Also doch immer nur mehr, mehr, mehr? Nein, ich gäbe mich natürlich auch mit weniger zufrieden – weniger Wind, weniger Wolken, und weniger Textilschichten am Körper …

Nachdem diese Woche die Sonne ab und an hervorgeschaut hat und der Freitag Nachmittag so richtig schön hell war, war klar: Am Samstag muss ich radeln, und zwar ordentlich, damit ich langsam wieder in Form komme für die größeren Touren auf zwei Rädern, die dieses Jahr bestimmt zuhauf anstehen. Und leider bin ich im Winter doch sehr untätig und fahre nicht, auch nicht auf der Rolle. Ich gebe zu: nach dieser Lektüre habe ich mir auch eine bestellt – sie aber nach einer Woche unausgepackt zurückgeschickt. Warum? Herrjeh, ich mag nicht nur radeln um des Trainings willen, sondern trainiere (weil’s halt sein muss) um des Radelns willen – ich will vor allem draussen sein! Und dieser Wunsch kann eben, je nach Jahreszeit und Wetterlage, so klein schrumpfen, dass ich ihn tagelang gar nicht bemerke. Was übrigens viel weniger schlimm ist als dann tagelang im Büro festzusitzen, während draussen die Sonne lacht …

Gestern morgen schien noch die Sonne, aber bei gerade mal +3° – ich kam erst um 10.15 Uhr los, als Areal hatte ich mir mal wieder den Norden Würzburgs ausgesucht: Am Main lang bis Gemünden (45 km, Kaffeepause), weiter im Sinntal nach Burgsinn (15 km) und dann: Klettern! Der Wechsel vom Sinntal ins Saaletal (10 km) über die Hochstraße stand als Extra auf dem Plan. Ich bin aber nicht hinter Burgsinn die reguläre Straße hoch, nachdem vor Burgsinn ein Wegweiser Richtung Gräfendorf auftauchte, auf einer geteerten Straße, »senkrecht« hoch in den Wald. So habe ich keine Steigung gespart – vermutlich ging es hier sogar steiler hoch –, aber ein paar Kilometer Flachland und ein paar Kilometer oben auf dem Kamm im Wald (Hochstraße). Runter nach Gräfendorf gibt es satte 17% Gefälle (Mittelwert, teilweise geht’s da richtig runter!) – die bin ich ohne schlechtes Gewissen hinuntergerauscht, schließlich bin ich da vor zwei Jahren auch hoch, ohne mir die entsprechende Abfahrt auf der anderen Seite zu gönnen.

Von Gräfendorf aus ging’s weiter im Saaletal bis Lager Hammelburg (20 km), wo ich dem Onkel eines Freundes einen kleinen Besuch abstattete und zum Nachmittagskaffee eine Stunde blieb. Allerdings wurde es dann schon recht spät, ich wollte eigentlich vor 18 Uhr in Würzburg zurück sein und hatte mir – kess! – keine Lichter mitgenommen … und dann die Überraschung: Mein Gastgeber wollte mein Rad sehen, und als ich ihm das so zeige, sehe ich am Hinterrad: eine Speiche davonhängen! Ich hatte am alten Laufradsatz schon mal eine gerissene Speiche, da ging nach ein paar hundert Metern gar nichts mehr. Aber die hier war glücklicherweise nicht gerissen, sondern nur locker: Speiche ganz, Nippel noch da. So konnte ich dem älteren Herrn (82) gleich noch demonstrieren, wie wenig Werkzeug man braucht, um ein Laufrad wieder flott zu bekommen: Laufrad ausgebaut, Mantel, Schlauch und Felgenband runter, ein wenig geschüttelt, bis der Nippel zum Vorschein kam, den dann wieder ins passende Loch versenkt und die Speiche angezogen. Felgenband, Schlauch und Mantel wieder drauf und mit meiner kleinen Pumpe rein an Luft, was ging. Und es ging genug … allerdings war es nun schon fast 17 Uhr, jetzt hieß es losfahren. Bis Arnstein noch ein paar Wellen, dann der Anstieg vom Werntal hoch bis zur Anhöhe zwischen Arnstein und Gramschatz, ab da, über den Ochsengrund dem Dürrbach folgend bis Ober- bzw. Unterdürrbach (Stadtteile von Würzburg). In der Dämmerung dann möglichst unauffällig eine Mischung aus Ringpark und Radwegen, Schleichfahrt bis zur Haustür, Touchdown um 18.45 Uhr mit 140 km in den Beinen.

Die Tour war gut, aber trübe (1h Sonne am Anfang) und kalt (max. 7° am Nachmittag, viel Wind). Und wo sind die Bilder? Die Ghost-Akkus habe ich längst flott gemacht – aber vor der Abfahrt die Halterung nicht gefunden: also keine Fotos. Übrigens habe ich noch überlegt, sicherheitshalber die Lichter einzupacken – habe aber auch die Halterung für mein Vorderlicht nicht gefunden … alter Schlamper, ich! Also höre ich hier auf zu schreiben und räume gleich noch ein Stündchen in der Garage auf … 😉

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5 Gedanken zu “Saisonstart auf dem Renner (2)

  1. Henry schreibt:

    Das klingt nach einer lohnenden Runde und einem anspruchsvollen Saisonstart. Nach dem letztjährigen Touren Bericht zur Hochstraße musste ich da auch mal hoch – damals mit dem Anstieg vor Burgsinn.
    Schön hier wieder was zu lesen und danke für die guten Ideen.

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    • »Vor Burgsinn« von oben gesehen, also die reguläre Straße? Die fahre ich demnächst nochmal hoch, ich will die Runde nochmal ähnlich fahren, aber mit einem Schlenker über Ruppertshütten/Hermannskoppe.
      Wo ist denn Dein Revier?

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