Dialog, Lektüre, Lust

Papierkarten

Wie ich schon angedeutet habe, hat die Tour Erfurt-Basel bei mir die Renaissance der Navigation mit Papierkarten eingeläutet. Zwar habe ich permanent Papierkarten zur Hand vor längeren Touren, aber bei dieser Tour bin ich wieder mit Lenkertasche samt Kartenhalterung obenauf gefahren – und es war gut. Sehr gut sogar …

Die Vorteile der Papierkarte liegen auf der Hand, wörtlich: Man nimmt sie in die Hand und orientiert sich – ohne auf den Akkustand des Smartphones zu achten, ohne Einschränkungen durch Funklöcher etc. Natürlich benötigt man etwas Übung, um den eigenen Standpunkt auf der Karte auszumachen, Himmelsrichtungen (spannend, wenn die Sonne sich hinter einer Wolkendecke versteckt) und Entfernungen abzuschätzen. Kein Vergleich mit dem Punkt auf dem Display, der einem haargenau sagt, wo man gerade steht und welche Strecke man zurückgelegt hat (Tracking-Linie) bzw. wohin man als nächstes muss (geplante Tour-Linie). Wenn denn ein Punkt auf einem Display erscheint …

Für die Erfurt-Basel-Tour habe ich mich mit drei unterschiedlichen Karten versorgt: Ab Erfurt (Tag 1) mit zwei ähnlichen Karten unterschiedlicher Anbieter, einmal bikeline (RK-TH03), einmal Kompass (3079), am Tag 2 (Münnerstadt–Rothenburg) wurde keine Karte benötigt, obwohl hier schon der Großteil von einer von 2 Kompasskarten (3098) abgedeckt wurde, die zusammen mit einer weiteren (3102) am Tag 3 bis Heidenheim reichte. Die Karten hatten einen ähnlichen Maßstab von 1:70.000 (Kompass) bzw. 1:75.000 (bikeline). Für den Rest von Tag 3 sowie die Tage 4 und 5 verwendete ich die sog. Großraum-Radtourenkarte (Kompass, 3711) für Baden-Württemberg Süd, ein Set aus zwei Karten im Maßstab 1:125.000.

Vergleich der Kompass-Karte (links) mit der bikeline-Karte (rechts). Der leicht unterschiedliche Maßstab sorgt für leicht verschiedene Größen. Die bikeline-Karte wirkt auf mich ruhiger und übersichtlicher, das Papier ist nicht so hochglanzversiegelt wie bei den Kompass-Karten. Nachteil: bikeline hat bei weitem nicht die Flächenabdeckung wie Kompass (100%). Beide Anbieter kennzeichnen Haupt-, Neben- und MTB-Routen sowie sonstige Routen – auch hier ist bikeline etwas differenzierter (asphaltiert, nicht asphaltiert, schlecht befahrbar, Kopfsteinpflaster, mäßig/stark befahrene Straße), während Kompass sich bei Fern-, Haupt- und Nebenradwegen auf die Unterteilung in gute und schlechte Oberfläche beschränkt. Das genügt allerdings meistens auch an Information.

Vergleich der Kompass-Karte (links) mit der bikeline-Karte (rechts). Der leicht unterschiedliche Maßstab sorgt für leicht verschiedene Größen. Die bikeline-Karte wirkt auf mich ruhiger und übersichtlicher, das Papier ist nicht so hochglanzversiegelt wie bei den Kompass-Karten. Nachteil: bikeline hat bei weitem nicht die Flächenabdeckung wie Kompass (nahezu 100%).
Beide Anbieter kennzeichnen Haupt-, Neben- und MTB-Routen sowie sonstige Routen – auch hier ist bikeline etwas differenzierter (asphaltiert, nicht asphaltiert, schlecht befahrbar, Kopfsteinpflaster, mäßig/stark befahrene Straße), während Kompass sich bei Fern-, Haupt- und Nebenradwegen auf die Unterteilung in gute und schlechte Oberfläche beschränkt. Das genügt allerdings meistens auch an Information.

Maßstabsvergleich der Kompasskarten für das gleiche Gebiet: links 1:125.000, rechts 1:70.000. In der rechten Karte sind auch Feld- und Flurwege zu sehen – für Rennradtouren nicht wirklich zwingend, für MTB aber eigentlich Pflicht.

Maßstabsvergleich der Kompasskarten für das gleiche Gebiet: links 1:125.000, rechts 1:70.000.
In der rechten Karte sind auch Feld- und Flurwege zu sehen – für Rennradtouren nicht wirklich zwingend, für MTB aber eigentlich Pflicht.

Beide Karten nochmal in der gleichen Größe, links ist das Gebiet markiert, das von der rechten Karte dargestellt wird – fast doppelt so groß. Details sieht man so natürlich besser …

Beide Karten nochmal in der gleichen Größe, links ist das Gebiet markiert, das von der rechten Karte dargestellt wird – fast doppelt so groß. Details sieht man so natürlich besser …

Und nochmal beide Karten, diesmal die linke auf den Ausschnitt der rechten vergrößert: Deutlich mehr Details in der rechten Karte erkennbar, auch bei Ortsdurchfahrten sind die Karten im Maßstab 1:75.000 nicht schlecht, man erkennt fast jedes Haus darauf (nicht vergessen: der rechte Ausschnitt ist fast doppelt so groß wie im Original – da braucht es schon sehr gute Augen, um die gleichen Details wie rechts zu erkennen).

Und nochmal beide Karten, diesmal die linke auf den Ausschnitt der rechten vergrößert: Deutlich mehr Details in der rechten Karte erkennbar, auch bei Ortsdurchfahrten sind die Karten im Maßstab 1:75.000 nicht schlecht, man erkennt fast jedes Haus darauf (nicht vergessen: der rechte Ausschnitt ist fast doppelt so groß wie im Original – da braucht es schon sehr gute Augen, um die gleichen Details wie rechts zu erkennen).

Kompass und bikeline bieten beide ganz ausgezeichnete Karten an, optimiert auf die Bedürfnisse von Radfahrern; aufgrund der quasi vollständigen Flächenabdeckung werde ich künftig eher die Kompass-Karten bevorzugen, optisch finde ich die bikeline-Karten klarer gegliedert, und auch die ausführlichere Markierung der Wegarten und -qualitäten überzeugt.

Kartenschnitt von bikeline – die wichtigsten Gebiete sind sicherlich abgedeckt, aber es gibt eben auch deutliche Lücken.

Blattschnitt von Kompass: Abdeckung in D nahezu 100%.

Blattschnitt von Kompass: Abdeckung in D nahezu 100%.

Nun stellt sich die Frage: Welcher Maßstab ist der bessere? Hier gebe ich rein subjektiv dem größeren Maßstab (1:75.000) den Vorzug – zwar muss man öfter blättern, aber der kurze Blick während dem Fahren auf diese Karten ist einfacher, man muss nicht lange suchen nach den Details. Bei den 1:125.000-Karten musste ich teilweise schon sehr genau hinschauen – und dazu anhalten. Soll also während dem Fahren tatsächlich mit Karte am Lenker navigiert werden, wäre der größere Maßstab sinnvoller – wird die Karte im Gepäck mitgeführt, um bei Stopps nachzuschauen, reicht auch ein kleinerer Maßstab wie der von 1:125.000.

Ach ja: Meine Unterfrankenkarte, die ich gerne immer zur Hand nehme, wenn es um Touren in der nächsten Nähe geht, hat einen Maßstab von 1:185.000 – zum Planen und Nachschauen/Orientieren bei Zwischenstopps völlig ausreichend, als Lenkerkarte aber eher ungeeignet. Ausserdem ist sie nicht für Radfahrer optimiert, so wie etliche anderen Karten auch, die trotzdem immer mal gut zur Orientierung sind.

Hier noch eine kleine Auswahl aus meinem Fundus, unterschiedliche Maßstäbe, unterschiedliche Darstellungsschwerpunkte (alle Ausschnitte zeigen Würzburg und Umgebung):

1:185.000 – Die Unterfrankenkarte, ein Marketinginstrument der Grünen zur Landtags- und Kommunalwahl 2013. Als die Reste ins Altpapier wandern sollten, habe ich mir im Büro der Grünen einen Karton voll Karten mitgenommen – habe immer noch mehr als 100 Stück, also wer eine braucht … ;-) Die Markierungen in dieser Karte (Kreise, Dreiecke, Rauten) beziehen sich auf die KandiatInnen – aber immerhin sind auch die wichtigsten Fernradwege markiert.

1:185.000 – Die Unterfrankenkarte, ein Marketinginstrument der Grünen zur Landtags- und Kommunalwahl 2013. Als die Reste ins Altpapier wandern sollten, habe ich mir im Büro der Grünen einen Karton voll Karten mitgenommen – habe immer noch mehr als 100 Stück, also wer eine braucht … 😉
Die Markierungen in dieser Karte (Kreise, Dreiecke, Rauten) beziehen sich auf die KandiatInnen – aber immerhin sind auch die wichtigsten Fernradwege markiert.

1:300.000 – Der ADAC Kompaktatlas Deutschland 2012/2013. Als Ringbuch im Format A4 gut geeignet für die grobe Planung an Orten, an denen man keine großen Karten auseinaderfalten kann oder mag.

1:300.000 – Der ADAC Kompaktatlas Deutschland 2012/2013. Als Ringbuch im Format A4 gut geeignet für die grobe Planung an Orten, an denen man keine großen Karten auseinanderfalten kann oder mag.

1:500.000 – Bayernnetz für Radler, Stand 5/2015. Wird jährlich von der Landesregierung herausgegeben, ist kostenlos und bietet einen Überblick über sämtliche Fernradrouten in Bayern, ergänzt um ein ebenfalls kostenloses Online-Angebot inkl. Routenplaner.

1:500.000 – Bayernnetz für Radler, Stand 5/2015. Wird jährlich von der Landesregierung herausgegeben, ist kostenlos und bietet einen Überblick über sämtliche Fernradrouten in Bayern, ergänzt um ein ebenfalls kostenloses Online-Angebot inkl. Routenplaner.

1:650.000 – Falk Länderkarte Deutschland. Hier ist wirklich nur noch eine grobe Orientierung möglich, Autobahnen und Bundes- sowie Land- und Kreisstraßen sind enthalten, keine sonstigen Wege … eher was für Autofahrer, die überwiegend auf der Autobahn fahren und bestenfalls mal einen Stau umfahren wollen/müssen.

1:650.000 – Falk Länderkarte Deutschland. Hier ist wirklich nur noch eine grobe Orientierung möglich, Autobahnen und Bundes- sowie Land- und Kreisstraßen sind enthalten, keine sonstigen Wege … eher was für Autofahrer, die überwiegend auf der Autobahn fahren und bestenfalls mal einen Stau umfahren wollen/müssen.

1:1.000.000 – Beigabe zum empfehlenswerten Buch »RadFernWege Deutschland« erschienen bei bikeline. Mit diesem Buch kann man sich sehr gut einen Überblick über die offiziellen Routen verschaffen und diese bei der eigenen Planung berücksichtigen – und gibt es etwas schöneres als eine Karte, in der nur Orte, Flüsse und Radfernwege dargestellt werden? … ;-)

1:1.000.000 – Beigabe zum empfehlenswerten Buch »RadFernWege Deutschland«, erschienen bei bikeline. Mit diesem Buch kann man sich sehr gut einen Überblick über die offiziellen Routen verschaffen und diese bei der eigenen Planung berücksichtigen – und gibt es etwas schöneres als eine Karte, in der nur Orte, Flüsse und Radfernwege dargestellt werden? … 😉

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2 Gedanken zu “Papierkarten

  1. nimm doch einfach einen dicken Globus mit. Aber im Ernst: die Aufzählung verschiedener Kartenformate und -Maßstäbe erscheint mir ein wenig verwirrend. Wenn jemand ohne Navi unterwegs sein will, reicht doch die „Generalkarte“ 1: 200000 aus. Da brauchst Du doch keine Aktenkiste voller Karten! Ich werde weiterhin auf meinGarmin vertrauen und mich immer vor einer Tour an der Planung eines geeigneten Tracks erfreuen. Vergiß smartphone und Verwandte!

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  2. Daniel Hagmann schreibt:

    Da ist es doch gut, dass man sich zwischen Papier und Bildschirm gar nicht entscheiden muss. Es hängt doch von einem selber ab, wie man tourt und wie detailliert man plant… Es ist jedoch gut, wenn einmal betont wird, dass die Papierkarte eben noch nicht ausgedient hat. Bei vielen digitalen Karten fehlt es an der individuellen Optimierung, für die sich Kartographen bei gezeichneten Karten viel Zeit nehmen und auch viel Können investieren.
    Es gibt aber auch ganz hervorragende digitale Angebote, die zumindest für die Planung zu Hause (keine Offlineverfügbarkeit) richtig wertvoll sind. Openrouteservice.org
    Smartphone muss nicht unbedingt schlecht sein: Windows Phone bietet z.B. die Möglichkeit, die Karten runterzuladen und offline zu nutzen. Funklöcher sind da kein Thema und der Akku wird auch weniger belastet.
    Da das Smartphone doch meistens sowieso dabei ist, wird das Tracking einfach nebenbei erledigt.
    Eigentlich nett ist das genannte Bayern-Netz. Die „grünen Radfernwege“ sind aber doch meistens eine enttäuschende Zumutung, wenn sie irgendwo auf schmalen Fußgängerwegen und mitten durch Fußgängerzonen verlaufen oder einen km nach der letzten Abzweigung an einer groben Schotterpiste fluchend zum Umkehren zwingen.
    Also, hat alles seine Berechtigung, Hauptsache man findet für seine Pläne das passende und kann einfach Radfahren…

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