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Würzburg–München 2017: Go West!

Freitag, 2. Juni, letzter Tag der drei Wochen Stadtradeln in Würzburg, für das ich dieses Jahr mal wieder ein eigenes Team angemeldet habe – idealer Anlass, die jährliche Münchenfahrt zu absolvieren und dem Team nochmal 300 km draufzupacken! Und damit es auch mir nicht langweilig wird: Komoot, surprise me, please! Start- und Zieladresse eingegeben, dazu »Fahrrad (mit Schotter)« gewählt, und siehe da: Eine überwiegend ganz neue Streckenführung mit einigen bekannten Abschnitten am Anfang (klar: Großraum Würzburg, alles schon gefahren), am Ende (München ist halt München), dafür viele neue Strecken, Orte und Landschaften dazwischen: Nördlinger Ries, ich komme!

Ein paar Fotos …

Morgens, kurz nach 6 Uhr – der Mainradweg beginnt in der aufgehenden Sonne zu leuchten. Immer wieder schön, um diese Zeit Richtung Süden loszufahren.

Vor Ochsenfurt finde ich diesmal den »echten« Anfang des Gaubahnradwegs samt Info-Tafel.

Eine meiner Lieblingsstrecken: der Gaubahnradweg.

Bei Bieberehren erstes kleines Päuschen, bevor ich …

… auf den Taubertal-Radweg wechsle. Dieser verläuft allerdings hier meistens am Hügel entlang, das gibt bis Rothenburg schon einiges an Auf und Ab (samt Höhenmetern).

In Rothenburg gönne ich mir gegen 9 Uhr ein zweites Frühstück, purisitisch mit Marmeladenbrötchen und Filterkaffee. Super Kaffee übrigens, ich bin der geschäumten Milch langsam ein wenig überdrüssig …

Tolle Landschaft bei Schillingsfürst, ich liebe diesen sanften Schwung der Hügel, der einem doch so viel Kraft abverlangen kann – es sei denn, man fährt einfach daran vorbei 😉

11 Uhr, Schopfloch, kurz vor Dinkelsbühl – Temperatur und Durst auf Apfelschorle überzeugen mich, die Pause vorzuziehen, …

… was den Effekt hat, …

… dass ich Dinkelsbühl nicht durchfahre, sondern umfahre – »schönste Altstadt« hin oder her (wer hat das behauptet? Focus? Na dann …).

Hui ui ui, wenn es da mal brennt, …

Kleine geografische Lerneinheit am Wegesrand.

Radweg vor Fremdingen.

Wer meint, »Graveln« sei wieder so eine neumodische Sache: Auf (offiziellen) Radwegen, mindestens den bayerischen, ist ein Gravelbike sicherlich nicht die schlechteste Wahl.

Die Netze hängen voll mit kleinen Insekten, so »angeln« die Spinnen (welche Art macht das so?). offensichtlich handelt es sich um das Werk der Gespinstmotte (s.u. Kommentare).

Nördlingen – spukt seit Jahrzehnten in meinem Kopf herum, seit ich als Jugendlicher den »Bleisiegelfälscher« gelesen habe. Nun bekommt es auch einen (ersten) Haken: Gesehen/durchgefahren.

Spannender ist ja eigentlich das Nördlinger Ries, aber meinen »Eintritt« habe ich gar nicht rechtzeitig bemerkt, und dann hätte ich mir irgendwo einen Erhöhung suchen müssen, um den Meteoritenkrater besser zu überblicken. So fahre ich durch die Ebene und auf die umgebende Hügelkette zu.

Harburg liegt am südlichen Rand, wo die Wörnitz das Ries durchbricht. Wahrzeichen der Stadt: Die Anzeige mit den Benzinpreisen …

… ach nee, doch eine Burg!

Vor Donauwörth pausiere ich unter zwei schattenspendenden Bäumen – endlich. Was mir in der Südhälfte Bayerns immer wieder auffällt, zumindest bei den Fahrten nach München: Die Abwesenheit schattiger Routen und Plätze, fast immer ist man in der prallen Sonne unterwegs. Ich denke öfters an den Abbruch der Tour letztes Jahr in Rain, nicht weit von hier – heuer sind die Temperaturen wieder ähnlich hoch, deutlich über 30°C, aber ich bin besser drauf und pausiere öfters, dann ist das auch zu schaffen.
Kleiner Witz am Rande: Hier, unter den Bäumen, treffe ich zwei Mountainbiker, die ebenfalls kurz durchschnaufen – und aus Würzburg stammen! Na also, da muss man nur kreuz und quer durch die Gegend fahren, um seine nächsten Nachbarn zu treffen …

Solche Wege bin ich natürlich auch mit dem Renner (25er Reifen) gefahren, aber Hand aufs Herz: Das Hook mit seinen 36er Reifen bügelt hier einfach drüber weg.

Kleiner Wortwitz am Rande, für meine Leserinnen und Leser, die Markus W. kennen … 😉

Am Lechkanal die nächste Pause, …

… wieder was für die Bildung getan, …

… wieder entspanntes Wegfahren der Schotterpisten …

… und ein neues Motiv an der Lechbrücke. Aber: Warum hat die Nixe einen Bart? …

Urbanes Feeling macht sich schließlich breit, als ich durch Dachau komme – abends, spärliches Licht schon, während dem Radeln geknipst: Das kann nicht scharf werden.

Neben dem Besuch von Freunden (Gastgeberin diesmal: Alexandra) baue ich ja immer gerne ein wenig Kulturprogramm ein – zwei Tage nach der Eröffnung sehe ich mir am Samstag die Willy Fleckhaus-Ausstellung in der Villa Stuck an, nachdem sie schon in Köln und Hamburg zu sehen war. Bekannt ist er vermutlich den meisten nicht nur durch sein Design für die Suhrkamp-Reihen, sondern …

… sein Editorial-Design für Zeitschriften der 1950er bis 1980er Jahre, allen voran natürlich Twen.

Die Ausstellung fand ich ganz ok, den Katalog hatte ich ja schon vorher (aber nicht ganz durchgelesen, da kommt in der Ausstellung mehr vom Flair rüber).

Klar: Im Nachhinein wird jeder zum größten Umstürzler erklärt – ob der zeittypische Sexismus (der 1960er Jahre) so viel besser war als der Mief, den er weggeblasen hat?

Unscharf, aber erkennbar hoffentlich: »Kann man in Deutschland leben?«, illustriert mit Autos, vor über 50 Jahren schon …

Und Mief? Ein »Liebesspiel« aus der Twen, getextet von Dieter Hildebrandt:
»Er erklärt, warum er immer CDU gewählt hat. 20 zurück.« oder »Sie kennt den Kinsey-Report nicht. Geh getrost 5 vor.« …

… sehr fotolastig jedenfalls, die Ausstellung, und teilweise recht haarig, auch zeitbedingt, …

… wie auch der Notizbucheintrag, der den alten Who-Slogan aufgreift: »Hope I die before I get old.« Fleckhaus ist 1983 im Alter von 58 Jahren gestorben – war er da nun alt oder nicht? …

Statistik (Sigma):
300,94 km Gesamtstrecke
12:36:39 reine Fahrzeit
23,86 km/h Schnitt
1.988 m Anstiege
bei komoot ansehen …

Kleine Nachbemerkung: »Fahrrad (mit Schotter)« bei der komoot-Tourenplanung hat sich als Volltreffer erwiesen – da wird dann eben nicht eine wüste Graveltour draus (dazu am besten »Wandern« ocder »Mountainbike« verwenden), sondern eine Tour fast ausschließlich auf offiziellen Radwegen und -routen. Ich hatte die Planung von komoot anhand meiner Papierkarten überprüft und nur minimal verändert. Die ganze Tour verlief zu 80% abseits der Straße, dafür aber auf gut bis sehr gut fahrbaren Wegen. Das war unglaublich entspannend, es gab, bis auf den Großraum München (und die Stücke ohne eigene Radwege), kaum unangenehme Situationen. Was aber die motorisierten Irren im Münchner Umland angeht: immer berücksichtigen bei der Planung, Radwege suchen, auf der Straße fahren ist dort tatsächlich nur was für stärkere Nerven. Leider.

Und noch was – navigiert habe ich diesmal komplett mit dem etrex 30 x von Garmin: ein Traum, vor allem im unbekannten Terrain! Nie mehr anders …

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11 Gedanken zu “Würzburg–München 2017: Go West!

  1. klasse! Und eine schöne Streckenführung hast Du gefunden. Zum Teil bin ich die auch schon mal von Süden kommend vor ca. 10 Jahren abgeradelt. Und schön, dass Du Dich endlich mit dem Garmin angefreundet hast. Das Etrex 30, bzw. auch das Etrex Touch hat deutlich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Und m. E ist es zum „Randonnieren“ besser geeignet als die Edge.

    bleib munter

    beste Grüße

    Dietmar

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  2. Tilman schreibt:

    Da kommt Neid auf und Respekt, mein Freund. Die Strecke merk ich mir und fahre sie auch mal. Nach wie vor glaube ich nicht, dass ich sie an einem Tag schaffe, aber ich kann es ja mal probieren. Dank für den schönen Bericht.

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  3. Jochen, danke für den Tipp zur Komoot-Einstellung, das ist in der Tat noch mal einen Versuch wert. Bisher habe ich für das Graveln immer „MTB“ ausgewählt und wurde tatsächlich über jede krude Ansammlung von Stock und Stein geleitet (CGB-würdig!). Dich hat offroad ja wirklich gepackt! Da lockt doch nicht etwa die GST? 😉

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    • Hallo Eva,
      fehlender Asphalt ist nicht gleich »offroad« – es gibt jede Menge offizielle Verbindungsstraßen, mit dem KFZ befahrbar, die nur geschottert sind, sowohl in der Rhön als auch an der Ostsee (von den offiziell ausgeschilderten Radwegen ganz zu schweigen) … ist es nicht eher so, dass 5 km Umweg oder 1–2 km/h weniger im Schnitt locker aufgewogen werden durch die quasi völlige Abwesenheit der Autodeppen und ihrer menschenverachtenden Fahrweise? Durch die schönere Landschaft, die besseren Ausblicke? …

      Die GST wäre sicher mal interessant, aber Termin und Dauer sind in diesem Jahr leider so gar nicht mit meinem Kalender kompatibel. Dennoch stehen noch ein paar »Overnighter« auf dem Programm in diesem Jahr – DAS ist tatsächlich neu und hat mich gepackt, da fühle ich mich um Jahrzehnte zurückversetzt in die Zeit der Zeltlager und Abenteuer-Urlaube, nur wird jetzt eben nicht mehr das Provisorische, Unperfekte gefeiert, sondern der Minimalismus und die Flexibilität. Da bin ich auch noch am Lernen, aber es geht erstaunlich schnell … und macht richtig Spaß!

      Ich merke immer mehr, dass mir ja seit je her das Interesse an »Radsport« (Tour, Giro etc.) fehlt – das Rennrad war gut zum Anfüttern (und wird sicher noch die eine oder andere Runde drehen), aber letztlich will ich doch bloß Strecke machen, gerne lang und am liebsten landschaftlich schön. Mit dem Lineal gezogene Bundesstraßen mögen auf dem Fahrrad Tempi ermöglichen, die ebenfalls für Glücksgefühle sorgen, aber ich werde künftig, wann immer nötig und möglich, lieber auf den rumpeligen Feldweg ausweichen, anstatt mir von motorisierten Soziopathen die gute Laune verderben (oder Gesundheit/Leben nehmen) zu lassen … 😉

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  4. Moin Jochen, hast Du Dir für das Bombtrack noch einen Lenkeraufsatz zugelegt? Der war doch beim CBG noch nicht da, oder? Welcher ist das? Bist Du damit zufrieden und wie intensiv hast Du den genutzt bei Deiner letzten Tour?

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    • Hallo Joas,
      zweimal ja, also erst vor kurzem zugelegt (nachdem ich beim CBG so viele studieren konnte) – es ist ein BBB AEROBASE BHB-52, der sich sehr gut in allen möglichen Variationen einstellen lässt, von mir noch mit 2 Querstreben versehen für Garmin (hinten) und Licht (vorne).
      Bin ich zufrieden damit? Ja, absolut …
      Wie intensiv ich ihn nutze? Ich frage mich ernsthaft, wo ich eigentlich vorher meine Hände hatte … 😉
      Im Ernst: Der bleibt am Rad und wird schon intensiv genutzt, v.a. bei Gegenwind ist das Teil absolut effektiv. Der Renner bekommt auch so eine Aerobar.

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  5. Stephan schreibt:

    Einmal mehr ein herzliches Dankeschön für Deinen Tourbericht!
    Ich schließe mich Andra an und tippe auf die Gespinstmotte: Manche Tiere fertigen Gespinste, um zu fressen, andere dagegen, um nicht gefressen zu werden …
    Und, um hier die Ehre Mittelfrankens zu retten: Die Dinkelsbühler Altstadt ist wirklich schön! So schön, dass auch ein Focus-Ranking dies nicht zu relativieren vermag.
    Viele Grüße und allseits gute Fahrt!

    PS: Danke auch für Deine Einschätzungen hinsichtlich der „motorisierten Soziopathen“, mit denen Du mir aus der Seele sprichst.

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  6. Georg schreibt:

    Hallo Jochen, ein Lob auch von meiner (der Münchener Seite), aber müsste es nicht heißen „Go South“? Hört sich halt nicht so schön an … das nächste Mal bin ich wieder dabei, als Mitfahrer oder Gastgeber. Weiterhin gute Fahrt, oder sollte ich sagen Kondition statt Carbon … G.

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  7. Henry schreibt:

    Es ist immer wieder schön deine Tourenberichte zu lesen. Kein Wunder, dass dir die Einfahrt in den Rieskrater nicht aufgefallen ist. Der nördliche Rand ist auch nicht so ausgeprägt wie der südliche, wo die schwäbische/fränkische Alb getroffen wurde. Falls es dich mal wieder in diese Richtung verschlägt kann ich aus eigener Erfahrung die Fahrt entlang der Sulzach empfehlen. Anschließendes Abkürzen des Wörnitzbogens garantiert auch den Ausblick auf den Rieskrater bei Utzwingen (km 51) http://www.bernhard-gaul.de/gpxviewer/gpxviewerlinksvar.php?url=http://www.bernhard-gaul.de/file/liroutedl1497359162.gpx

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