Alltag, Dialog, Wörterbuch

Dies und das (7)

Termine 2017 – Neue Kolumne: Wörterbuch – Fahrradblogger Landkreis Main-Spessart – Demokratie in Bewegung

Nur ein paar Tipps möchte ich loswerden, was den Terminkalender betrifft:

  • 7.–9. Juli, Kalte Buche, Rhön: Provinzlesung
    Alle zwei Jahre wieder – die Provinzlesung, von Peter Engstler veranstaltet, an der Kalten Buche in der Rhön, zwischen Weisbach und Ginolfs. Nachdem ich 2015 und 2013 bereits mit dem Rad für je einen Nachmittag/Abend dort war, werde ich mir heuer den Luxus gönnen, dort einen Overnighter zu machen. Schlafsack und Matratze sind im Gepäck, den Rest (Kultur, Essen&Trinken) gibt es vor Ort.
  • 16. Juli, TSV Brendlorenzen/Bad Neustadt a.d. Saale: Rhöner Kuppenritt
    Ich sags mal weiter … aber nach mehreren Teilnahmen in den letzten Jahren weiss ich nicht, ob ich dieses Jahr wieder die ewig gleiche Strecke abradeln will, v.a. weil ich etliche Teile auch unterm Jahr schon in meinen Touren drin habe. Ich entscheide spontan nach Lust und Laune …
  • September: Bocksbeuteltour
    Mehr Lust hätte ich eigentlich, mal wieder die Bocksbeuteltour zu fahren im Landkreis Kitzingen, aber da schweigt sich die Website bisher aus … und in den letzten Jahren kam mir immer was dazwischen (meistens Abwesenheit, urlaubsbedingt).
  • Harz und Brocken – muss heuer sein, ich weiss noch nicht genau wann, aber ich peile (ab Mitte) Juli oder (bis Mitte) August an.

Wörterbuch: Schon seit fast zwei Jahren schraube ich geistig und an der Tastatur an einer neuen Kolumne herum, einer Art Wörterbuch, in dem ich mich Begriffen widmen will, die mehr oder weniger mit dem Radfahren zu tun haben, die mir aber immer wieder auch missverständlich, zweideutig oder fragwürdig erscheinen. Ich fange einfach mal an mit …

Wörterbuch: »auch«

Stellt Euch folgendes Szenario vor: Eine Gruppe von Frauen unterhält sich über Themen, die sie direkt berühren – sei es über Emanzipation, seien es biologische und physiologische Eigenheiten der Frauen und die Unterschiede zu Männern … es gibt sicher genügend Themen, solche oder andere mehr. Ich stelle mich zu den Frauen, höre aufmerksam zu, dann beginne ich, mitzudiskutieren – meine Einwürfe sind nicht sonderlich gehaltvoll, eher die erwartbare Mischung aus Halbbildung, Hörensagen, Vorurteilen und den eigenen Vorstellungen davon, wie Frauen in Wirklichkeit »ticken«. Dennoch fühle ich mich berufen, meinen Senf dazuzugeben.
Irgendwann fährt mich eine der Diskutantinnen verärgert an: »Was hast Du denn eigentlich Substanzielles zu dieser Unterhaltung beizutragen?« Ich schaue sie mit festem Blick an und antworte lächelnd: »Ich habe auch ein X-Chromosom – aber eben nicht so extrem wie Ihr!«

Völlig an den Haaren herbeigezogen? Absurd? Vielleicht – aber genau so ist die Realität: Wann immer ich über das Radfahren spreche, ob über mein privates Vergnügen am Langstrecke-Fahren durch die Landschaft oder die Probleme auf den alltäglichen Kurzstrecken im urbanen Gebiet – sobald jemand »ich fahre auch Fahrrad« sagt, ist das der sichere Einstieg in die unendlichen Weiten absolut rationaler Argumente, warum die- oder derjenige das Fahrrad die meiste Zeit stehen lässt und stattdessen das Auto benutzt, natürlich fast ausschließlich auf Kurzstrecken unter 5 km (privater Bekanntenkreis) bzw. warum sich der öffentliche Raum nicht flächengerechter oder sicherer gestalten lässt (Verwaltung, Tiefbauer, Verkehrsplaner etc.).
Diese Argumente dienen aber nicht nur dazu, das eigene permanente Unterlassen in den Adelsstand einer gründlich überlegten, aktiv getroffenen Entscheidung zu heben, sondern, um das (radfahrende und/oder verkehrspolitisch engagierte) Gegenüber zu diskreditieren: »extrem«, »dogmatisch«, »missionierend«, »einseitig«, »weltfremd« oder »arrogant« sind die häufigsten Zuweisungen, mit denen ich (und andere, die für das Radfahren argumentieren) in privaten Unterhaltungen genau so wie in Sitzungen des Radverkehrsbeirats der Stadt Würzburg, dem ich seit ein paar Jahren angehöre, konfrontiert werde(n). Besonders abgeschmackt ist dabei ein weiterer Satzbaustein, »Du hast / Sie haben ja recht, aber …«, mit dem dann der eigenen Lethargie noch das (leider unvermeidliche) Schicksal zur Seite gestellt wird – wenn man/frau wollte, wie er/sie könnte, dann aber! Ehrlich!
Ehrlich? …


Fahrradblogger Landkreis Main-Spessart

Sehr geehrter Herr Kleinhenz,

vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Projekt »Rundherum Main-Spessart«! Wir waren überrascht von der Anzahl der eingegangenen Bewerbungen und beeindruckt davon, mit wie viel Engagement und kreativen Vorab-Überlegungen diese verfasst waren. Leider können wir den Auftrag nur einmal vergeben und mussten uns daher für eine Person entscheiden. Es tut uns leid Ihnen mitzuteilen, dass die Wahl auf jemand anderen gefallen ist.

Wir hoffen, dass Sie das Geschehen im Landkreis Main-Spessart auch weiterhin mit Interesse verfolgen und wir uns vielleicht bei einem anderen Projekt wieder treffen!

Mit freundlichen Grüßen

Am 15. Mai kam die Absage per Mail – schade natürlich, denn das Projekt klang interessant (bis auf den Fahrrad-Anteil: das hätte man auch entspannt wandern können). Welche Auswahlkriterien letztlich entscheidend waren, geht aus der Absage nicht hervor … aber umgehend verbreitete sich die Nachricht unter der Hand, wer den Zuschlag bekommen hat, und als ich am 17. Mai abends im Biergarten einer Freundin den Namen nannte, sagte sie völlig verblüfft: »Ach was! Fährt der etwa auch Fahrrad?« …


Ganz was anderes: Demokratie in Bewegung heißt eine neue politische Initiative, die einiges grundlegend anders machen will in Deutschland. Gut, das wollten z. B. die Piraten auch – wer waren die nochmal? Egal …

Mir gefallen viele der politischen Aussagen ebenso wie die konzeptionellen Ansätze – nicht unähnlich den frühen Grünen, bevor sie »regierungsfähig« wurden. Nun muss relativ kurzfristig diese Bewegung als Partei zugelassen werden, dafür braucht es Unterstützerinnen und Unterstützer, die ein einfaches Formblatt ausfüllen und das Papier rechtzeitig (!) an die Initiative schicken. Und das in allen Bundesländern – die unterschiedlichen Formulare gibt es hier.

Mit der Unterschrift befürwortet man/frau lediglich die Zulassung der Initiative zur Bundestagswahl, nicht mehr – wo Ihr dann im September Euer Kreuz machen wollt, spielt momentan keine Rolle, es geht nur darum, einen zusätzlichen politischen Akteur ins Spiel zu bringen. Das finde ich unterstützenswert, weswegen ich mir ein Ziel von 1% gesetzt habe (in Bayern benötigt die Initative 2000 Unterschriften), d.h. ich will bis zum Stichtag 20 ausgefüllte Formulare abschicken.

Ich weiss: noch ätzender als Autoverkehr ist nur noch der institutionalisierte, grün-gelb flankierte CSPDU-Stillstand der Politik. Umso wichtiger erachte ich, jeden noch so winzigen Strohhalm zu ergreifen, der aus der gegenwärtigen Polit-Misere führen könnte. Trump, Orban, Erdogan, Seehofer & Co. sind keine (exotischen) Ausnahmen, sondern Exponenten und logische Konsequenz eines Politbetriebs, der ausschließlich nach der Pfeife der sog. »Wirtschaft« tanzt – die kleine Randnotiz zum »Berliner Kreis« der CDU vor wenigen Wochen (hier fordern CDU-Mitglieder das Ende des Klimaschutzes und ein Arrangement mit dem Klimawandel) hat wieder einmal verdeutlicht, dass in der Politik der schnelle Euro wichtiger ist als etwa Nachhaltigkeit (oder Gesundheits- und Sozialsysteme, Bildung, Menschenrechte etc.), mit Stammtischparolen und Desinformation werden Ressentiments und Ängste geschürt in einer Welt, die binnen weniger Jahre ein Beinahe-Paradies für alle sein könnte. Alle Zutaten dazu stehen bereit, es müsste halt nur mal jemand anfangen mit dem anfangen …

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