Ehrgeiz, Fotografie, Gravelbike, Lust, Mensch-Maschine

Mainfranken Graveller (2): Streckencheck #1 – Der Spessart

Weiter geht es … für die Interessierten hoffentlich nicht in zu großen Intervallen, aber da der Mainfranken Graveller ein unkommerzielles Unterfangen ist und ich ja nebenher nicht nur ein Berufs-, sondern auch ein Familienleben führe, dauert das alles ein klein wenig länger als geplant. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass zwischen der Idee und der Umsetzung nicht, wie ursprünglich geplant, ein Jahr, sondern nur etwa ein Quartal für die Vorbereitungen bleibt. Aber Überraschungen sind bekanntlich des Lebens Würze …

… und so war auch mein Streckencheck von Samstag auf Sonntag von Überraschungen geprägt. Vorneweg: Die positiven Überraschungen überwogen deutlich – es gibt verdammt viele schöne Ecken und Wege auf dem Streckenabschnitt durch den Spessart! Und ordentlich Höhenmeter – mit knapp 3.000 fast ein Drittel der Anstiege in gerade mal einem Viertel der Strecke (ok, ich habe auch einige Patzer drin). Die Strecke habe ich von Würzburg bis Gemünden getrackt (siehe komoot), die knapp 50 km am Mainradweg zurück nach Würzburg nicht mehr (für den MfG17 uninteressant). Ein paar – zugegeben: teilweise grottige – Bilder dazu:

Das ist in etwa das erste Viertel des Mainfranken Gravellers. Start in Würzburg, bei Homburg über den Main (Höhenprofil: ca. 40 km) und so langsam in den Spessart hinein, von Südosten her.
(Abb. ©komoot)

Überraschung – eine Schutzhütte (49,741 N / 9,7904 O) bei Oberaltertheim, wenige Meter entfernt von der Strecke, die ich schon öfter gefahren bin …

… ebenfalls nur wenige Meter entfernt vom Haselbrunn (Trinkwasser auffüllen!), wo sich auch eine verschlossene Hütte mit überdachten Vorbauten findet.
(49,7428 N / 9,7888 O)

Auf dem Weg nach Homburg – noch dominieren eher Felder die Optik, der Spessart wird dann Wald in Fülle bieten.

Eigentlich der Regelfall bei Schutzhütten hier in der Gegend: Verschlossene Jagd-/Forsthütte am Wegrand mit Sitzgelegenheit davor und überdachter, frei zugänglicher Veranda.
(49,81 N / 9,5076 O)

»Der mit dem Sand …« – ich bin fast ein wenig überrascht, wie sandig die Wege hier sein können. Zugegeben, der Abschnitt heisst »Sandäcker« – aber … 😉

Ein unfahrbares Stück, kurz vor Schollbrunn im Wald – nach dem groben Schotter, der den Sandweg abgelöst hat, endlich mal ein paar Meter ohne roten Kopf schieben. Das Stück Schiebepassage wird im finalen Track bleiben müssen, die Abschnitte davor/danach rechtfertigen die paar Meter Fußweg den Berg hoch.

Am Ende des wunderschönen Haseltals verfranse ich mich total (linke Bildhälfte geplant, rechte gefahren), suche die Route, werde schließlich fündig, nahe dem »Mordgrund«-Schild: Eine echte Rampe hoch im Wald, sandig und als Weg zuerst gar nicht wahrgenommen. Für mich unfahrbar … irgendwann gebe ich auf, verlasse den Track und wechsle auf Schotter. Ich radele am Hang entlang nach Westen hin, lande mitten in der Brückenbaustelle der A3 bei Rohrbrunn, erreiche beim Versuch, diese westlich zu umfahren, schließlich auch die Autobahnraststätte, wähle nach langem hin und her den Versuch, über die Baustelle (neue Brücke neben alter B8-Brücke) die Autobahn zu kreuzen … es gelingt, aber das ganze blöde Ausweichmanöver hat mich einiges an Zeit und guter Laune gekostet.

So erreiche ich den Breitsol/Geiersberg, den höchsten Berg im Spessart (rechts), erst bei Einbruch der Dämmerung … und ich wollte eigentlich noch das Taglicht nutzen, um den Trekking-Zeltplatz Rothenbuch II zwischen Birkenberg und Bayerskopf zu erreichen.

Ich erreiche die Wiese im Wald, direkt am Weg gelegen – und treffe auf drei Stuttgarter, die hier ebenfalls übernachten und bereits ein Feuer entfacht haben. Es war noch gut hell bei der Ankunft, so dass ich ohne künstliches Licht auskam beim Aufbau des Tarps mit Rad zusammen. Regen war nicht gemeldet, die Nacht trocken und gar nicht so kalt – ich will allerdings den Umgang mit dem Tarp üben, hier waren ideale Bedingungen. Die Tomatensuppe vom Primus-Kocher mit den mitgebrachten Laugenzöpfen aß ich dann im Dunkeln am Feuer, mit den dreien plaudernd. Auch 2 Dosen Bier hatte ich vorsorglich eingepackt – dafür den Flachmann mit Gin vergessen …

Ein netter Spot, allerdings müsste man sich zum Übernachten eigentlich vorher anmelden – das haben mir die drei Stuttgarter erzählt, und das stimmt wohl.

Einziger Nachteil: Einflugschneise Flughafen Frankfurt – kann am Morgen schon den Wecker sparen.

Zwischen Hoher Knuck und Erlenfurt wieder das gleiche Spiel, kurz nach der Abfahrt – diesmal ist die komoot-Linie nur noch mit viel Fantasie auf so etwas wie Weg übertragbar.

Nach einer Schiebepassage – bergab, gegen alle guten Vorsätze einem Uralt-Restweg-Matsch folgend – versöhnt mich die Brücke über die Hafenlohr wieder mit der Welt. Genauso wie der lange Anstieg zwischen Erlenfurt und Bischborner Hof. Gerade richtig grob und steil – vor mir wechseln vier junge Füchse über den Weg, in aller Seelenruhe. Fantastisch: 6-7 km/h ist doch die ideale Reisegeschwindigkeit 😀

Nach einem kurzen Stück Straße geht es auf Schotter weiter im Wald entlang, entspannt um Küppel und Weikertshöhe herum, wo diese verschlossene Hütte am Wegrand steht. Wie lange braucht so eine neue Vollholzgarnitur, um so zu verwittern?
50 N / 9,4563 O

Nach der langen Abfahrt nach Krommenthal wechsle ich an den Aubach und folge ihm über Wiesthal bis Habichsthal, dem westlichsten Punkt des Mainfrankengravellers. Pflicht also, …

… nicht zuletzt, weil am Ort eine frische Quelle lockt!

Frisch gestärkt geht es weiter Richtung Frammersbach, zuerst ein gutes Stück auf der Straße, danach rechts in den Wald (linke Bildhälfte). Ab Partenstein verläuft der Weg oberhalb der Bahntrasse bis zum nächsten längeren Anstieg (rechte Bildhälfte), hoch auf die Sohlhöhe.

Vor der Sohlhöhe das Katharinenbild mit Schutzhütte.
50,0482 N / 9,5677 O.

Die luftige Bauweise hilft auch hier nicht gegen die grüne Tapete, dazu ist der Wald dauerhaft wohl zu feucht und zu dunkel. Aber ein Riesendach über dem Kopf, ein gutes Dutzend passt hier bequem hinein.

Auf der Sohlhöhe befindet sich das Oberbecken des Pumpkraftwerks Langenprozelten – der Anblick des leeren Beckens weckt doch die Lust auf Bahnradfahren, oder nicht?

Aber es geht ja um den Blick nach Nordosten – das Panorama der Rhön breitet sich aus, …

… eine Infotafel hilft bei der Orientierung. Fantastischer Fernblick heute, ich habe ziemliches Glück.

Über die Schutzhütte zurück geht es in die entgegengesetzte Richtung, jetzt fallen eher alte Grenzsteine ins Auge – oder neue Gedenkstätten: Zwei Schwestern trauern um ihren Vater. Ich komme ins Grübeln, die Einsamkeit im gefühlt endlosen Wald tut gut beim Dahinkurbeln auf Schotter, Schotter, Schotter …

MFG17-Check1-23

Nächster Zwischenstopp auf der Bayerischen Schanz, bei Kaffee & Kuchen, Bier … und schwer verdaulicher Lektüre.

Szenenwechsel: Nun kommt noch ein historisches Schmankerl – die Birkenhainer Straße. Zuerst aber noch ein kleiner Abstecher, zu einer weiteren (privaten) Hütte mit Vordach und Feuerstelle.
50,0985 N / 9,5485 O

Die Birkenhainer Straße (links) ist eine uralte Handelsstraße, die im späten Mittelalter jedoch schon an Bedeutung verloren hat. Glücklicherweise erweist sich der von komoot vorgeschlagene Weg (rechts) als deutlich weniger attraktiv, und so wird der ursprüngliche Verlauf nach Rieneck spontan umgeplant und der Birkenhainer Straße bis Gemünden gefolgt.

Die ersten Ausgrabungsstellen des Klosters Elisabethenzell kann ich noch nicht wirklich einordnen, ein paar Meter weiter, auf einer Lichtung, folgt im Ensemble und an der Infotafel die Erkenntnis.

Eine hochinteressante archäologische Anlage mitten im Wald, an einer ehemaligen europäischen Hauptroute. Spannend!

Die Infotafeln sind ergiebig, die Website noch viel mehr, und am Bauwagen des Grabungsteams nehme ich mir gleich noch ein informatives Faltblatt mit, bevor es weiter auf der Birkenhainer Straße geht.

Wieder ein verschlossenes Jagdhaus, riesengroß, …

… mit überdachter Veranda rundherum.
50,0882 N / 9,5931 O

Und noch eine Hütte, etwas abseits von der Route: Die »Schneckenweghütte« der Wanderfreunde Rieneck, sauber eingerichtet und offen – aber leider aktuell nicht begehbar, ein Aushang warnt eindringlich vor Wespen im Innern der Hütte. Schade. Ansonsten eine gepflegte Hütte, die wirklich einlädt zum Verbleib.

Auch dieses alte Kreuz lädt ein zum Verbleib – mitten im Wald hat jemand eine halbwegs verwitterungsresistente Bank gegenüber platziert.

Hinter der Bank einer von vielen Hohlwegen, die parallel laufen und Verästelungen der Birkenhainer Straße sind, hier an den steileren Anstiegen (links). Auf dem Mainfranken Graveller hingegen Abfahrten – bis auf wenige ebene Stücke und einen klitzekleinen Anstieg verlaufen 90% der Birkenhainer Straße bergab, allerdings nicht immer so entspannt und charmant wie in der rechten Bildhälfte, aber immer fahrbar. Nur wenn es noch nässer sein sollte, dann könnte das hier in Sport ausarten: Von der Bayerischen Schanz bis nach Gemünden besteht die Birkenhainer Straße ungefähr 10 km lang aus einer Spur, mehrere Spuren finden sich eigentlich nur an den Matschlöchern, von denen es doch einige gibt. Aber auch hier gilt: Das fantastische große Ganze überwiegt, nicht die paar ekligen Meter.

Mein Resümee: Super! Im Spessart war ich noch nicht so oft, zumindest nicht auf dieser Route. Es gibt ein paar Schwachstellen, aber die sind verkraftbar, denke ich, darunter das Stück von Triefenstein nach Rettersheim auf der Straße – hier müssen sowohl Main als auch A3 überquert werden, die Auswahl ist nicht so riesig, und die entspannte Strecke bis Homburg sowie die tollen Abschnitte ab Röttbach sind es wert, hier ein paar wenige Kilometer Straße unter die Räder zu nehmen.

Am Abschnitt vor und nach dem Breitsol/Geiersberg muss ich noch arbeiten, werde aber vermutlich nicht mehr die Zeit haben, Alternativen auch abzufahren. Optionen habe ich leider vor Ort nicht so gut erkennen können auf dem Garmin als am heimischen Computer, da werde ich also noch deutlich nachbessern.

Ein paar markante weitere Punkte – Habichsthal, Sohlhöhe, Bayerische Schanz – müssen einfach sein, und mit Frammersbach/Partenstein liegen mittelgroße Ortschaften mit guter Infrastruktur auf der Strecke, mit Gemünden sowieso. Der allergrößte Teil des Wegs von der Bayerischen Schanz nach Gemünden (15 km), die Birkenhainer Straße, ist einfach spannend, nicht nur wegen der Ausgrabungen am Kloster Elisabethenzell. Dennoch wird es hier eine Schlechtwetter-Option geben (vielleicht so etwas wie ein Joker?): Von der Bayerischen Schanz geht es auf der Straße entspannte, saubere 13 km bis nach Burgsinn – von Gemünden dahin sind es nochmal 14 km, allerdings auch entspannt auf dem Sinntal-Radweg.

Dazu aber später mehr …

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24 Gedanken zu “Mainfranken Graveller (2): Streckencheck #1 – Der Spessart

    • Danke Harald, die Mühe ist aber nicht der Rede wert im Vergleich zur Landschaft … von der ich schwer beeindruckt bin. Und natürlich von den Meldungen zur Teilnahme, Deiner besonders! Ich spoilere hoffentlich nicht zu viel … 😉

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    • Keine Sorge, Dietmar: der wird sicherlich auch 2018 gefahren werden, mit mehr Vorlauf und einem anderen Termin, damit nicht so viele in Konflikt kommen – zwischen Mai und August, wenn die Tage schön lang sind und die Nächte kurz 🙂

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  1. Hallo Jochen, wann ist denn Meldeschluss. Ich kenn einen, der nur noch ganz wenig Überzeugungsarbeit benötigt. Er würde gerne, aber das Rad muss gecheckt werden, die Ausrüstung, aber kein Urlaub mehr, und er läuft am Wochenende davor nen Marathon.

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        • Ach, der Jürgen! Welche Überraschung … 😀
          Vielleicht hilft der Hinweis, dass man von der Sohlhöhe einen sagenhaften Blick von Südwesten aus zur Platzer Kuppe und den Schwarzen Bergen hat – das muss er als exilierter Rhöner einfach mal gesehen haben … was ist mit den anderen 2/3 der Familie? Ich dachte, Du und der Junior sind voll in der Spur jetzt, nach Euren gemeinsamen Touren?

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          • Ein Drittel ist der Meinung, dass er nach den beiden Mini-Touren seine Lebensleistung an Radfahrern erledigt hat. Und das andere Drittel ist tendenziell interessiert, fühlt sich aber leider nicht fit genug. Die Höhenmeter sind zuviel.

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  2. Dirk Wendt schreibt:

    Hallo Jochen: Hört sich super an! Werde auch gerne in Würzburg am Start sein. Urlaub habe ich und Regierung gibt mir auch frei 🙂 Bis dahin. Freue mich. Grüße, Dirk.

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  3. Dirk Wendt schreibt:

    Hi Jochen. HastDu in etwa ne Vorstellung, wann gestartet wird? Wenn ich morgens anreise, wäre die erste Verbindung um 0921 in Würzburg Hbf.

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            • Leider wahr: Durchfahrer passieren den Kreuzberg vermutlich frühestens um Mitternacht (Streckenkilometer 217), aber sicher deutlich vor 8 Uhr morgens … ich will nicht eine Gegend gegen die andere ausspielen, und jede/r wird ihren/seinen eigenen zeitlichen Rahmen abstecken, aber ich plane derzeit für mich eher, Spessart und Rhön inkl. Übernachtung zu machen und anschließend mehr Strecke. Nicht zuletzt steckt schon mehr als die Hälfte der Höhenmeter in diesem ersten Drittel (und mit dem Kreuzberg ist die Rhön auch noch gar nicht abgehakt), das leider auch die attraktivsten Zapfhähne bietet … 😉

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  4. Es könnte sehr gut sein, dass ich auch mitfahren will. Vielleicht bekomme ich dafür sogar ein schickes Testrad. Das würde dann aber bedeuten, dass die Veranstaltung etwas mediale Aufmerksamkeit bekommt (Roadcycling DE). Ich hoffe, du hast nichts dagegen 😀

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    • Hallo Svenja, das wäre ja schön, wenn Du mitradeln würdest, auch wenn die Schutzhütten in der Rhön deutlich weniger komfortabel sind als die dänischen Shelter, dafür mit mehr Moosbesatz … 🙂
      Mediale Aufmerksamkeit wird es eh geben (am Start zumindest, der findet bei der Mainfrankenmesse statt), von daher ist auch das kein Problem – nur, wenn die ganze Zeit ein motorisiertes Begleitfahrzug neben Dir herfährt bzw. die Drone permanent über unseren Köpfen kreisen würde, würde ich Einspruch erheben … 😀

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