Alltag, Dialog, Fotografie, Frust, Gravelbike, Lektüre, Lust, Tour 100–200 km

Dies und das (9)

Wer schreibt, der bleibt / Facebook / Mainfranken Graveller / Overnighter / Equipment / Lektüre

»Wer schreibt, der bleibt« – aber: wo bleibt er denn, wann schreibt er denn? Ich muss mich entschuldigen: 52 Tage sind seit dem letzten Eintrag hier vergangen, 33 seit dem letzten im Mainfrankenblog. Schon einige Mails kamen hier rein, denen ich ein gesteigertes Interesse an meiner Gesundheit (»Geht’s Dir gut? Man liest gar nichts mehr von Dir …«) und an diesem Blog entnehmen darf: DANKE dafür! Ja, es geht mir gut, und nein, ich habe nicht die Lust am Bloggen verloren – im Gegenteil: Es hat sich allerdings so vieles ereignet, über das zu schreiben lohnen würde, dass ich schlicht schon gar nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll. Deswegen gibt es hier als kleinen Druckablass mal wieder ein lauwarmes »Dies und das«, um einige Spitzen zu nehmen – und es kommt dann hoffentlich wieder mehr Regelmäßigkeit rein hier … einen Versuch der teilweisen Entschuldigung muss ich aber zumindest versuchen: Mein Tag hat 24 Stunden, wie der aller anderen auch, und so sehr ich mir wünsche, ich könnte alle Zeit mit Radfahren zubringen, mit Schreiben (und Lesen) darüber – es geht nicht. Leider. Familie, Beruf, diverse (ehrenamtliche) Engagements sind eben auch wichtig, und zwar in genau dieser Reihenfolge: »Erst kommt das Fressen, dann die Moral« – vor beidem jedoch immer meine Lieben.


Nach Jahren der Verweigerung beschäftige ich mich seit Anfang Oktober ein wenig mit Facebook – mit dem Versuch, das auf Radfreunde und -aktivitäten zu beschränken. Klappt natürlich nicht, ruckzuck sind da Freunde in der Timeline, die auch politisch sich äussern, was mich dann auch reizt, meinen Senf dazu zu geben … und: ist es klug, als Mitglied des Radverkehrsbeirats der Stadt Würzburg eine Freundschaftsanfrage vom Oberbürgermeister abzulehnen? Ziemlich kompliziert, das, und es stimmt: Der Zeitdieb Nr. 1 hat auch mich in seinen kalten, klammen Klauen gefangen, aber gerade was das Radfahren angeht, ist Facebook natürlich wie ein großer Funpark: Alle Themen sind da, von Alltagsfotos über Radevents, Rennnrad oder Mountainbike, Kurz- oder Langstrecke, Overnighter oder Understatement – hui ui ui. Schuld daran ist Walter mit einer einzigen Ansage, beim Start des Mainfranken Gravellers: »Du bist nicht bei Facebook? Dann kriegst Du halt nichts mit …«. Und er hat recht, leider. Nur will ich nicht wie er völlig nach Facebook abwandern (sein letzter Blogbeitrag ist immerhin schon bald drei Jahre alt), sondern hier auch weiterhin etwas schreiben – vielleicht mal wieder etwas längeres, vielleicht aber doch mal versuchen, öfters kleine Häppchen rauszuhauen.


Der Mainfranken Graveller hat sich gut eingeführt: 13 Starter beim MfG17 – und alle scratched, oder deutsch: DNF 😉 . Aber der MfG17 war zu groß, um ihn hier in ein paar Zeilen abzuhandeln, nur soviel: Ich hatte wohl eine verschleppte Erkältung, die sich im Büroalltag nicht weiter bemerkbar gemacht hat ausser mit gelegentlichem Räuspern und Schniefen, und ich war so fokussiert darauf, den MfG17 auf den Weg zu bringen, dass ich das so gut wie nicht bemerkt habe. Am zweiten Abend hat es mich in der Kissinger Hütte innerhalb weniger Minuten völlig zerbröselt, das Essen habe ich nur halb hinuntergebracht (was nicht am hervorragenden Hüttenschnitzel lag, das ich auch so nötig gebraucht hatte), das zweite Bier ging schon gar nicht mehr, die Körpertemperatur kletterte auf kurz unter Siedepunkt – und am nächsten Morgen ging es mir kaum besser: Appetitlosigkeit, ich musste mich zum Essen eines Brötchens zwingen – keine gute Basis für den Start in die verbleibenden 2/3 der Route. Also habe ich abgebrochen, mich von meiner Mutter zum Bahnhof nach Bad Kissingen fahren lassen und ab 12 Uhr die nächsten 24 Stunden im heimischen Bett verbracht, unterbrochen nur von Kräutertee-Aufbrühen, -Trinken und -Entsorgen. Und einem üblen Gefühl des Versagens, das noch einige Tage anhielt …
Aber dazu demnächst noch mehr, sowie zum MfG18, denn: nach dem Graveller ist vor dem Graveller 😉

Für alle Fahrer nachgereicht: Das Shirt zum MfG17 – kleines Dankeschön und Memo fürs nächste Jahr!


Um nicht aus der Übung zu kommen, haben Tilman und ich das Projekt »jeden Monat einen Overnighter« ins Leben gerufen – bis zum MfG war das auch, bei meist sommerlichen Temperaturen, kein großes Ding. Der November-Overnighter vorgestern (Sa>So) war allerdings, trotz eher feuchtem Wetter und einem ordentlichen Graupelschauer kurz vor Würzburg, bisher der beste: statt in einer Schutzhütte haben wir uns in einer Ruine in einem trockenen Gewölbe eingenistet und dort einen herrlichen Abend am Feuer verbracht (»Brennerle« – Tausend Dank an Mario für diesen Tipp, den er mir ungewollt mit diesem Blogartikel gegeben hat: Von nun an sollst Du »Supermario« heissen!). Gut, es ist ein Kocher, aber uns hat er gewärmt und eine klasse Lagerfeuer-Atmosphäre geboten – vollkommen rückstandsfrei: Am nächsten Morgen die kalte Asche im Wald verteilt, der einsetzende Regen arbeitet die dann als Dünger in den Boden. Win-win auf der ganzen Linie.

Am Spot, den wir bei Dunkelheit erreichen, wird zuerst das Brennerle in Betrieb genommen – und geht auch gleich los wie Teufel! Ein Hammer-Teil!

Am nächsten Morgen – meine »Aussicht« vom Schlafsack aus: Tilman beim Kaffeekochen (auf dem Gaskocher).

Einziger »Nachteil«: nach 4 Stunden ist das Brennerle ziemlich voll mit Asche – aber ich gebe zu, dass das Jammern auf hohem Niveau ist 😉 Den Spot verlassen wir jedenfalls, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen – und ein wenig Restabfall von irgendwelchen Vorgängern haben wir auch mitentsorgt. So muss das …

Das »Brennerle« gibt übrigens den Hinweis auf ein Thema, das mich in diesem Jahr extrem beschäftigt hat, aufgrund der doch überraschend zahlreichen Selbstversorgerfahrten/Overnighter: mein Equipment. Wahnsinn, was ich heuer geschaut, gesucht, geliehen und gekauft habe … dazu in kleinen Portionen demnächst mehr.


Zum Schluss – und aus aktuellem Anlass, siehe Jamaika-Ende* – noch ein Phänomen, das sich gerade durch meine Lektüre zieht: Das Wort »Arschloch« taucht so häufig auf, dass es fast schon unheimlich wird. Das ging bei »Mit Rechten reden. Ein Leitfaden« vom Autorentrio Leo, Steinbeis, Zorn los, setzte sich im Kursbuch 191, »Bullshit.Sprech« in Georg Seeßlens Beitrag »Die Sprache der Verblödung« fort – und schrie mich dann auf der Titelseite des aktuellen Hohe Luft Kompakt: »Ethik für alle« richtiggehend an, im kleinen schwarzen Kreis: »Extra: Der kleine Arschloch-Test«. Alle: gekauft, gelesen, genickt (sehr oft, leider).

*Ich konnte mich zu keinem Zeitpunkt mit »Jamaika« anfreunden, so wenig wie mit der Fortsetzung der GroKo – und noch weniger mit Neuwahlen, die die Rechten noch mal stärken werden. Vor 30 Jahren bin ich zum ersten Mal wählen gegangen – und ich war noch nie so ratlos und desillusioniert wie heute. Daher auch die aufgeführten Lektüren – der Versuch, zu verstehen, wie es zu unserer Wohlstandsverwahrlosung, -verblödung, ja: -verarschlochung kommen konnte. Und ob es da auch wieder einen Ausweg gibt …

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6 Gedanken zu “Dies und das (9)

  1. schoenie schreibt:

    Hey Jochen, was ne Überraschung 🙂 Danke für die Erwähnung meines Blogs. Das freut mich natürlich, wenn ich damit direkt etwas Anregung liefern konnte!
    Etwas Pause zwischen Blogartikeln finde ich gar so nicht schlimm. Es freut umso mehr, wenn es dann wieder etwas Neues zu lesen gibt. So wie heute 🙂

    Viele Grüße
    DerSupermario 😉

    Gefällt 1 Person

    • Da siehst Du mal: Auch wenn ich nicht immer meinen Senf zu allem gebe in Kommentarfeldern, lese ich fleissig mit – und ziehe mir natürlich die essenziellen Infos zwischen den Zeilen heraus: Betriebsspionage mal anders … 😉
      Zählt jedenfalls zu den absoluten Volltreffern des Jahres, das Brennerle.
      Danke dafür!

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  2. Ja, das Brennerle ist bei mir jetzt auch ganz oben auf der Wunschliste. Sehr schöner Ausflug war das, gut zusammengefasst, lieber Jochen. Und 2 Items Deiner Leseliste hab ich auch gleich bestellt. Danke!

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  3. Na denn, willkommen zurück! Es ist schön, wenn nicht alle, die ich verlinke, in diesem Jahr einfach aufhören zu schreiben! Auf den Bericht vom MfG warte ich schon gespannt, auf der Sonderseite ist ja ein bißchen was an Kommentaren zu finden, aber mir fehlt es dort ehrlich gesagt an Übersicht. Ein paar Worte dazu wären ein willkommenes Weihnachtsgeschenk 🙂

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