Alltag, Dialog, Lust, Mensch-Maschine

Jahresrückblick 2017 (2/2): … und ich

Und ich? 2017 war ganz ordentlich, auch wenn ich immer mal wieder das Gefühl hatte, dass ich doch eigentlich noch mehr Rad fahren möchte, müsste, könnte … und mehr darüber schreiben. Aber mein Dilemma beim Bloggen ist doch: Beim ersten Mal schreibt sich ein Artikel von selbst, die Wiederholung wird schon etwas zäher, und dann »schon wieder eine mehrtägige Tour, schon wieder draußen geschlafen, schon wieder dies, schon wieder das …« – muss ich alle meine Radbewegungen dokumentieren? Jede getauschte Schraube erwähnen, jeden Plattfuß, jede Bastelei? Will das jemand lesen? Können diejenigen nicht einfach einen meiner älteren, ähnlichen Beiträge lesen, und gut ist’s? Ehrlich gesagt: Genau so ist es auch – meine drei Teile zur »Rennrad-Restaurierung« (Teil 1, Teil 2, Teil 3) vom Sommer 2013 (!) halten seit Jahren die Zugriffszahlen auf dieses Blog oben, mit weitem Abstand vor allen anderen (bisher) 213 Artikeln – danke, Google!

Nachdem ich mich im letzten Quartal ein wenig an die Unkompliziertheit und Direktheit von Facebook gewöhnt habe: Warum schaffe ich es nicht, hier im Blog einfach ein paar Zeilen in die Tasten zu klopfen, zwei Bilder dazu, und fertig ist der Blogeintrag? Warum glaube ich, hier immer die langen Riemen raushauen zu müssen – um den Preis, dass ich tage- und wochenlang an einer Augustrunde herumschreibe und dabei nicht bemerke, wie es Dezember geworden ist? Ich mit jedem Tag immer panischer werde, immer mehr Gewissensbisse bekomme ob der Schreib-Verzögerung, und dadurch noch langsamer werde, noch länger brauche?

Ein möglicher, sogar wahrscheinlicher Grund: Da ich tagsüber beruflich quasi ausschließlich am Computer sitze, hat sich die Lust, auch freie Zeit am Computer zuzubringen, über die Jahre fast vollständig in Wohlgefallen aufgelöst – eine Tour mit komoot planen, evtl. mal ein Filmchen schauen: das wars dann schon. Schreiben? Och nö, dann lieber ein Buch lesen … oder eine Runde auf dem Rad, ein kleines Feierabendbierchen, Kino oder Theater etc.

Zur Schreibunlust gesellt sich in der »Handschuhe & Jacke«-Jahreshälfte der Umstand, dass der Schnappschuss zwischendurch nicht mehr einfach so zu bewerkstelligen ist. Das iPhone aus der Trikottasche friemeln, Kamera aktivieren, knipsen – alles nicht mehr so leicht »on the fly« möglich, wenn dicke Finger vergebens versuchen, das iPhone hervorzukramen – und dem Besitzer der dicken Finger irgendwann einfällt, dass über der Trikottasche ja noch die Windjacke (ohne Taschen) sitzt. Anhalten, Jacke öffnen, Handschuh aus, … nein, viel zu umständlich. Und wenn ich dann doch mal ein Foto mache, stelle ich zuhause fest, dass es verwackelt ist … oder es gibt halt nur Pausenstopp-Fotos, die sind natürlich oft nicht so prickelnd. Hier ein paar Januar-Fotos, von der Tour mit Tilman von Coburg über Bamberg nach Würzburg (natürlich inkl. Overnighter):

Start gegen 14 Uhr in Stöppach, beim Schwiegervater – Tilman ist mit meiner Frau zusammen mit dem Auto gekommen. Bildmitte (blau): 5 kg Winterspeck …

Nach zwei feuchten Stunden (Dauernieselregen) im Itzgrund erreichen wir Bamberg und gönnen uns im Altstadtcafé erstmal Kaffee und Kuchen.

Weiter geht es, ein Stück am Main lang und dann über den Hügel in den Steigerwald, Ziel: Brauerei Roppelt in Trossenfurt – sehr leckeres Bier, Abendessen dazu, so war das geplant (Tip von Tilman).

Danach nur noch 10 km bis zu der kleinen Wetterschutzhütte, in der ich schon einmal eine gute Nacht verbracht hatte – diesmal leider etwas feuchter Boden, aber wir helfen uns mit meiner Notdecke (die das nicht überleben wird). Zuvor allerdings noch ein wenig am Brennerle sitzen, das hebt die Stimmung immer ungemein.

Am nächsten Morgen: Die Hütte …

… Tilman beim Packen …

… und der Blick auf die große Waldkreuzung. Die Stimmung im Wald ist immer faszinierend, bei Tag oder bei Nacht, im Sommer wie im Winter.

Ich will mich 2018 wieder etwas mehr aufs Radfahren konzentrieren – heisst: Mehr! Rad! Fahren! Die Overnighter sind eine ganz gute Übung, um zu verstehen, was »wichtig« und »luxuriös« unterscheidet – leider tendiere ich eher zum Luxus (Essen & Trinken am Spot am Abend, häufig in Begleitung von Freund Tilman, s.o.), ein spätes Echo darauf, als ich beim CBG neidisch mitansehen musste, wie Mario nachts einen kleinen Gaskocher rausholte und sich ein Nudelgericht zubereitete … Also: Graveln ja, Bikepacking ja, Overnighter ja, aber kleine Trainingsrunden und Tagestouren mit leichtem Gepäck müssen auch wieder her – die habe ich 2017 nämlich fast komplett weggelassen, und da ich beinahe permanent beladen gefahren bin (plus 10 kg), ist mein Tempo mittlerweile etwas unten angekommen, da will ich wieder ein wenig zulegen (und dafür ein bisschen mehr Gepäck weglassen). Denn die Pläne für einige »amtliche« Touren 2018 sind geschmiedet, der Kalender füllt sich langsam:

Bei den beiden erstgenannten bin ich Wiederholungstäter, den Taunus hat sich Jesko, ein Mitfahrer beim MfG17, vorgenommen und eine ziemlich beeindruckende Rundfahrt konzipiert. Da freue ich mich, ehrlich gesagt, am meisten drauf, denn da wird alles für mich neu sein – nicht nur der Track, sondern die ganze Gegend. Aufregend!

Einen Trainingsvorsatz habe ich für 2018: 10/Tag. Klingt jetzt banal, denn bei 6.240 km (2017) komme ich ziemlich genau auf 17 km/Tag. Es geht mir dabei auch mehr um Kontinuität, am besten auf Wochenbasis, mindestens aber auf Monatsbasis. Denn im Januar bin z. B. ich vorher gerade mal 61 km gefahren – und zwar in allen Januars 2014, 2015, 2016 und 2017 zusammen! Das zumindest habe ich schon ganz gut im Griff – heute ist der 29. Januar, im km-Tagebuch stehen 335 km (und 2x 10 km habe ich auch schon gemacht im Stadtgebiet, die ich nicht im Blog notiere, aber zähle, weil diese km zusammenhängend gefahren wurden, etwa die Critical Mass am vorletzten Freitag). Und so soll das das ganze Jahr durchgehen: Die »schwachen Monate« mit 10/Tag abschließen, die guten mit mehr – dann kommt auch die Zahl der Jahreskilometer langsam in einen Bereich, in dem ich sie gerne hätte (Eva, ich blicke neidisch auf deine 13.000 km: Chapeau!), denn …

… 2018 wird an meinem Geburtstag nicht nur die zweite, sondern auch die erste Zahl eins weiter geschoben – gefühlt von »2« auf »3«, tatsächlich aber auf die Summe der beiden. Ich bin sicherlich fitter als vor 5 Jahren, aber dennoch: Wenn ich körperlich noch was reissen will, gibt es wenig Veranlassung, damit übertrieben lang zu warten.

In diesem Sinne: Schaut auch hier 2018 ab und an vorbei, vor allem aber bleibt gesund und fahrt viel Rad!


PS: Ich habe dieses Jahr keine Werbetrommel gerührt, um unter die TOP-Fahrrad-Blogs gewählt zu werden – trotzdem bin ich von Euch in den Kategorien »Radreise und Bikepacking« sowie »Allrounder« genannt worden und unter den TOP 50 gelandet (PDF mit Liste aller nominierten Blogs). Dafür bedanke ich mich ganz, ganz herzlich! Und für Euer fortgesetztes Interesse – meine Schreibfrequenz wird wohl auch 2018 weiter niedriger bleiben als in früheren Jahren, aber ganz ohne geht es nicht …

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15 Gedanken zu “Jahresrückblick 2017 (2/2): … und ich

  1. Dirk Wendt schreibt:

    Da sind wir dieses Jahr auf den exakt gleichen drei Events, wenn alles nach Plan läuft 🙂

    Was ein Glück liegt mir nicht viel am Übernachtungsspot …. mit dem ganzen Gedöns. Ankommen, hinlegen, schlafen, aufstehen, weiterfahren. Dadurch muss ich nicht soviel mitschleppen und nicht den ganzen Krempel anschaffen. Wobei …. Lagerfeuer mit Grillen, quatschen, Bierchen und dann morgens nen Kaffee hat auch was. Naja, mal schauen ….den Brennerle habe ich mir mal besorgt …. inspiriert von Deinem Höhlen(?)feuer.

    Bzgl. Kontinuität … hat was … weniger Gefahr in die schlechtes-Gewissen- oder was-verpasst-Nachhol-Spitzen zu fahren, die einem dann auch den Spaß verleiten können. Man sollte sich nur nicht zu sehr in den Arsch treten.

    Gefällt 3 Personen

    • Du triffst den Nagel auf den Kopf: Ich muss/will mich bei den langen Dingern wieder auf die Strecke konzentrieren – Luxus gibts, wenn der Overnighter das Ziel ist, auf der Langstrecke muss es wieder deutlich »leichter« werden.
      Und ja: Witzig, das mit den drei gemeinsamen Touren (letztes Jahr waren’s ja auch schon zwei): Wir sollten uns unbedingt mal kennen lernen … 😀 😀 😀

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  2. Schöne Pläne haste da. Möge es so werden, wie Du Dir das vorstellst!
    Viele Grüße, Alexandra
    P.S.: Darf ich mir den Anfang dieses Posts ausleihen? Ich müsste nur ein paar Schlagworte ändern und schon hätte ich auch wieder einen Blogpost. Sogar einen, der mir aus der Seele spricht. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Eigentlich ging der Anfang mal so: »Und ich? 2017 war mehr als ok, auch wenn ich immer mal wieder das Gefühl hatte, …« – aber dann dachte ich, das käme vielleicht (ab-)wertend rüber … was nie gemeint gewesen wäre, hätte ich zu Dir verlinkt. Jetzt habe ich doch verlinkt – auch Deine/Eure Pläne verfolge ich ja aufmerksam! 2018 wird gut, ganz bestimmt!

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      • Ich finde das schade, wenn Euch das Bloggen mehr Stress als Spaß bereitet… Und wenn schon, dann sind es halt die immer gleichen Touren! Ich z.B. vergesse auch mal wieder, wo Du so überall warst, weil ich Deine Gegend nicht so genau kenne. Und solche Meilensteine wie Würzburg-München oder umgekehrt, die sind ja sowieso jedesmal lesens- und nacherlebenswert.

        Ich zumindest kann Deinen roten Radfahrfaden besser sehen, wenn ich hier mal ab und zu etwas Ausführliches (ja, es kann auch kürzer sein, aber einfach ein Stück Text!) von Dir lese, anstatt mir die Bruchstücke Deiner Likes und Kommentare auf Facebook zusammenzuklauben. Die Informationen, die ich über die Menschen möchte, mit denen ich vor allem online Kontakt habe, zerfallen immer mehr in verschiedene Kanäle. Ich finde es mühsam und zeitraubend, mir die überall einzusammeln. Bleib‘ doch also bitte Deinem Blog noch ein wenig treu und poste den Text auch mal, auch wenn er vielleicht nicht 100%ig ist 🙂

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        • Keine Angst, Eva, es wird weiter gebloggt, v.a. wenn mal wieder besseres Fotowetter ist. Facebook ist schon speziell, was fragmentierte Kommunikation angeht, hat mir aber andererseits richtig viele Infos gebracht – nicht nur bezüglich Radfahren.
          Und das ist der andere Punkt: Zurzeit gehen mir viele, viele Sachen durch den Kopf, die nicht zwingend mit Radfahren zu tun haben, die binden sehr viel meiner Lese- und Schreib-Kapazitäten. Da bin ich manchmal sehr egoistisch und denke, dass mir das blanke Radfahren an sich, ohne darüber zu schreiben, auch sehr gut gefällt und sehr gut tut.
          Ich weiß, ich bin immer noch meine persönliche MfG17-Zusammenfassung schuldig – kommt aber noch, versprochen, denn aktuell bin ich schon wieder mit Hochdruck am Planen und Optimieren des Tracks für den MfG18 …
          … für ganz Neugierige hier (m)eine »offizielle« Zusammenfassung des MfG17

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