Ehrgeiz, Fotografie, Frust, Gravelbike, Lust, Tour 100–200 km

Eifel-Graveller: DNF

Zumindest die FB-Spatzen pfeifen es schon von den Dächern: Ich habe in der Eifel abgebrochen, am zweiten Tag, und werde auch keinen erneuten Anlauf mehr nehmen. Ja, der Track ist hart, und ja: es war heiß – mit der Hitze komme ich aber mittlerweile klar, wenn ich meine Kräfte einteilen kann. Das ist hier nicht der Fall: Der »Graveller« entpuppte sich spätestens am zweiten Tag als MTB-Kurs der anspruchsvolleren Sorte, genauer genommen folgte der Track da ca. 40 Km dem Lieserpfad (teilweise Eifelsteig), einem Wanderweg reinsten Wassers – noch dazu einem, der auch zu Fuß schon zu den anspruchsvolleren gehört, mit teilweise deutlich alpinem Charakter (schmale, verblockte Pfade an steilen bis senkrecht abfallenden Hängen).

Ich sag mal so: 4 Stunden für nicht mal 30 Km Strecke, davon mehr als eine Stunde schiebend, davon dreimal irgendwo im Wald 45° hoch und auf der anderen Seite genau so runter (schiebend) – da frage ich mich schon, was ich hier mit einem 25 Kg schweren Fahrrad an der Backe mache. Klar, man könnte auch sagen, das ist ein Bikepacking-Event, das sich am ehesten mit einem nur leicht bepackten MTB gut meistern lässt – ich bin/war aber auf Gravel eingestellt, d.h. in der Mehrzahl fahrbare Schotterwege, gerne auch mal Trails zwischendurch, Schiebepassagen, Treppensteigen, durch einen Fluß waten: Alles super! Nur haben mir hier die »in der Mehrzahl fahrbaren Schotterwege« einfach gefehlt. Und ich behaupte mal, angesichts der doch hohen Zahl an DNFs (aktuell: 14 von 32 Trackern, wobei ca. 10 weitere StarterInnen ohne Tracker mitgefahren sind und teilweise ebenfalls schon abgebrochen haben) stehe ich nicht so ganz alleine in der Schmollecke …

… und ich schmolle auch gar nicht, oder nur ein bisschen: Der Track war landschaftlich sehr gut konzipiert, der Charme der Eifel kommt dabei sicher gut rüber. Rennkompatibel ist der Track auch: Die ersten beiden Finisher kamen schon gestern, nach nur gut 54 bzw. 55 Stunden ins Ziel – mein allergrößter Respekt vor diesen Leistungen. Heute kam zuerst der dritte an, nach knapp 74 Stunden, gefolgt von den Finishern 4 und 5, ca. 3 Stunden später. Und mein Respekt gilt allen, die den Track zu Ende fahren, egal in welcher Zeit. Und auch allen, die es versucht und, aus welchem Grund auch immer, abgebrochen haben. Für mich ist der Eifel-Graveller leider nichts: Meine Erwartungshaltung an die Strecke war in technischer Hinsicht eine andere, ich denke, wer z. B. für die BTG trainieren will, findet hier beste Voraussetzungen en miniature. Kein Wunder: Holger Loosen, der den Eifel-Graveller konzipiert hat, ist BTG-Finisher – ebenso wie Benjamin Splitt aka »Benni Schotter«, der Zweitplatzierte (hier der Link zu seinem sehr lesenswerten Blog). Und es fahren noch einige mehr mit …

Hier eine Auswahl an Bildern dazu – ich bin mit mir und dem Track völlig im Reinen: Wir passen nicht zueinander, aber haben trotzdem zusammen ein paar schöne Stunden gehabt – richtig: Da war auch viel Schönes dabei! Danke an Holger Loosen für seine tolle Arbeit und die viele Mühe, die er nicht nur in den Track, sondern auch in die sehr gute Gesamtstimmung investiert hat. Dagegen sind mir nun erstmals, seit ich als Dot mit anderen auf Karten am Bildschirm sichtbar bin, unpassende bis respektlose Kommentare von Dotwatchern aufgefallen – dem werde ich mich in einem anderen Beitrag widmen.

Tag 1

Tag 2

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7 Gedanken zu “Eifel-Graveller: DNF

  1. Hallo Jochen. Recht hast du! Wenn es nicht geht, dann halt nicht. Wir sind ja alle immer noch freiwillig dabei. Bin den Lieserpfad ein paar Mal gegangen und kann mir nicht vorstellen, wie man den ohne MTB überlebt bzw. überhaupt überlebt. Erhol dich gut.

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  2. Da bin ich doch froh, dass ich mich nicht dafür entschieden habe – das Event war bei mir zwischendurch kurz auf der Liste (statt PBP), hätte mir aber bei dem Terrain definitiv keinen Spaß gemacht. Begrifflich muss sich die Abgrenzung also erst noch finden. Finde deine sachliche Darstellung gut! Danke, dass Du’s getestet hast 🙂

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  3. Rouven D schreibt:

    Tach Jochen,
    Erstmal Danke für den Artikel und die tollen Bilder. Ich durfte die Eifel schon auf „normalen“ Wegen erfahren und kann bestätigen, dass man hier seinen Endgegner finden kann.
    Ich denke jeder, auch die Eifel, haben eine Chance verdient. Vielleicht kann man auch künftig eine chickenway-Gruppe fahren lassen?
    Insgesamt sieht und klingt der EG aber nach einer interessanten Herausforderung.

    In diesem Fall
    Kette links!
    Rouven

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  4. Gelegenheitsradler schreibt:

    Hallo Jochen, bei der Titulierung »Graveller« würde ich auch nicht von einem so hohen Anteil technisch sehr schwieriger Abschnitte ausgehen. Man will ja Rad »fahren«. Da hast Du alles richtig gemacht.

    Gruß Klaus

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  5. Holger Theisen schreibt:

    Hallo Jochen, ich habe vollstes Verständnis für Deine Entscheidung. Gravel ist nicht MTB. Hier würde man sich von den Veranstaltern mehr Ernsthaftigkeit bei der Auswahl „sortenreiner“ Gravelstrecken wünschen. Unfahrbare Uphills und verblockte Downhills gehören da sicher nicht hin.

    Gruß Holger

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  6. Martin Ruf schreibt:

    Tja, so sind die Geschmäcker, Erwartungen und Erfahrungen halt unterschiedlich. Ich bin den Lieserpfad bis auf die Uphills fast komplett gefahren und das mit einem Gravelbike mit Dropbar und 40mm Pneus, welches aber auch nur 14kg wog. Das war für mich Adventure-Bikepacking reinster Güte mit extrem hohen Spass- aber natürlich auch Durchbeissfaktor und ausserdem von Holger im Fahrerhandbuch entsprechend angekündigt. Für mich haben Gravel und MTB einen breiten Überschneidungsbereich. Sortenrein finde ich langweilig. Ich verstehe aber, wenn man das anders sieht und entsprechend enttäuscht war.

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