Ehrgeiz, Fotografie, Gravelbike, Lust, Tour 100–200 km

#bratwurstrace2020

Das Jahr der Nicht-Events, Teil 2 – mit einer Ausnahme: Das #bratwurstrace2020 war so ein kleines Ding, das schon Ende letzten Jahres durch meine FB-Blase geisterte: Von Hörschel bis Oberhof den Rennsteig fahren als kompakten Tages-Event. Au ja, da hätte ich mal wieder Lust drauf, und nach der Rennsteig-Tour vor zwei Jahren wäre es auch mal wieder an der Zeit, dort zu radeln …

… also angemeldet, Spende überwiesen, und schon im Dezember die Spokecard aus dem Briefkasten gefischt. Dann kam Corona, der Lockdown …
… und auch wieder die Lockerungen: Rechtzeitig zum Start hatte sich alles soweit wieder beruhigt, dass das Event nicht abgesagt wurde (aber zwischendurch auf 49 Teilnehmer:innen beschränkt) – die Idee, das Fahrer:innen-Feld zu entzerren, ist dem Mindestabstand ja ebenso zuträglich wie mein gemütliches Tempo – nachdem ich 2018 mit dem Bombtrack (und 38er Reifen) dort auf der Piste war, war diesmal das Surly (2,25″) dran: Ich bin selbst immer wieder erstaunt, dass ich damit runter auf 3 km/h komme, ohne umzufallen.

Am Freitag gings mit dem Zug bis Eisenach, unterwegs stieg Walter zu, und in Eisenach gabs einen netten Empfang von den Radbengelz Kai und Stefan, die allerdings in Eisenach blieben, während Walter und ich nach Hörschel radelten und von dort, nach kurzer Flüssigkeitsaufnahme, zur Schutzhütte »Flüchtiger Hirsch« weiterzogen, um gleich den ersten Overnighter zu machen – mit Tom und Rike, die wir in Hörschel trafen, und Britta und Andreas, die später noch zur Hütte nachkamen. Ich wußte schon im Vorfeld, dass es bei so einem Setting in einer Hütte eng werden könnte, hatte meinen Bivy dabei und schlief draußen, aber standesgemäß unter einem Rennsteig-R.

Am nächsten Morgen also wieder runter nach Hörschel, wo Organisator Thomas der Meute ein ordentliches Briefing verpasste und ab 9 Uhr sukzessive auf die Piste entließ. Schön war mal wieder, die bekannten Gesichter wiederzusehen – Britta und Rolf  habe ich ja nicht nur bei diversen Gravellern getroffen, sondern schon mehrmals auch beim MfG am Start gehabt … allen anderen habe ich dezent ein Werbe-Kärtchen zugesteckt.

Und dann: wieder hoch. Gerade die ersten Km sind schon ordentlich steil, bis der Track langsam manierlicher wird – trotzdem ist die Tendenz klar: Von Hörschel bis Oberhof geht es eigentlich nur bergauf, mit kleinen Wellen, die so etwas wie Entspannung vorgaukeln. Meistens fuhr ich mit Walter, der sein Gepäck in einem der PKW transportieren ließ – wie etliche andere auch. Ich wollte erst auch leichter radeln, aber ich war so schmal bepackt unterwegs, trotz zwei eingeplanter Overnighter, dass ich dann doch lieber »echt« fuhr und mein Zeug die ganze Zeit bei mir am Rad hatte.

Trailmagic der besonderen Art gab es schon kurz drauf – Gunnar Fehlau lauerte am Track, den er auf dem Rückweg vom GST-Start nach Göttingen kreuzte: Eine nette Aktion und ein kurzes, aber herzliches Treffen. Nach einer ersten, eher mittelmäßigen Stärkung an der »Hohen Sonne« ging es weiter auf dem endlos scheinenden Rennsteig. An der »Schillerbuche« war der nächste Stop, ein alkoholfreies Weizen und eine Wege-Cola zum Mitnehmen waren fällig.

Dankenswerterweise hatte Thomas auch noch den Großen Inselsberg eingebaut – und das schreibe ich ohne Ironie: Die Führung dorthin war zwar einer der längsten, zähesten Anstiege überhaupt, und ich musste tatsächlich mal ein Stück schieben (der feuchte Waldboden war an der Stelle echt wie Kaugummi und brachte meinen Schleichgang quasi komplett zum Stillstand), aber dafür entschädigte der Gipfel – nicht zuletzt, weil dort die beste Bratwurst (von dreien, die ich auf der Tour vertilgt habe) und zwei leckere, kühle alkoholfreie Radler die vorherige Anstrengung völlig vergessen machten. Naja, fast zumindest.

Der Große Inselsberg markierte zwar erst die Hälfte der Strecke, aber an der Stelle waren 2/3 der Höhenmeter bereits bewältigt, der Rest fuhr sich deutlich leichter. Vor allem nach der »Neuen Ausspanne« ging es nur noch so gemächlich bergauf, dass ganz Vorwitzige das wohl schon als Abfahrt bezeichnen würden (verglichen mit den ersten Rampen bei Hörschel hoch). Dazu ist die Gegend dort wunderschön, es geht gefühlt in der Mitte eines 45°-Hügels höhenmeterarm um diesen herum. Ohne Hektik erreichte ich mit dem letzten Trupp von nicht ganz zehn Fahrer:innen, Mindestabstand und Organisator Thomas inklusive, gegen 16.30 Uhr Oberhof …

… wo Fabian aus Erfurt schon wartete, der zwar nicht mitgefahren war, aber sich mit mir im Vorfeld schon für meinen zweiten Overnighter verabredet hatte. Wir verproviantierten uns in Oberhof und nahmen dann Kurs auf die nächste Hütte jenseits des Rennsteig-Tunnels, der dort weit unter uns durch den Berg geführt wird. An einer Straße zwar, aber Verkehr kann man das gelegentliche Vorbeifahren von Verbrennungsmotoren kaum nennen (die Zahl der Radfahrer:innen und Wander:innen, die die Hütte passierten, lag deutlich höher). Wir vesperten und quatschten den ganzen Abend – bis zum faszinierendsten Ereignis des ganzen Wochenendes: »Ein Fuchs, direkt neben dir«, sagte Fabian plötzlich, und tatsächlich: Keine 50 cm neben mir und er Bank stand ein wunderschöner Fuchs, betrachtete uns in aller Seelenruhe, trotte tiefenentspannt einmal um uns beide herum, dann nach vorne an den Rand des großen Parkplatzes, um wieder kehrtzumachen und wieder seeehhhr gemächlich zwischen unserer Sitzgruppe und der Hütte hindurch, zurück in den Wald zu schlendern. Es war schon recht duster, die Fotos direkt am Tisch sind leider nichts geworden, aber am Parkplatz konnte ich ihn halbwegs ablichten, wenn auch nur von hinten …

200620-16

Am nächsten Morgen, nach einem gemeinsamen Frühstück, verabschiedeten Fabian und ich uns voneinander – er radelte zurück nach Erfurt, ich in die entgegengesetzte Richtung nach Bayern. Meine geplante Gesamtstrecke hätte 160 Km betragen, allerdings der Großteil davon entlang der Bahntrasse Grimmenthal–Würzburg. So fuhr ich einfach nach Lust und Laune – das Wetter war an diesem Sonntag auch wieder deutlich sonniger als der eher trübe Samstag. Geplant war eigentlich, mindestens bis Münnerstadt zu radeln, aber in Mellrichstadt um kurz nach 12 Uhr stand als nächstes der RE7 auf dem Fahrplan (Durchfahren ohne Umsteigen in Schweinfurt), und da ich nicht allzu spät am Nachmittag in Würzburg ankommen wollte, ließ ich es nach 60 entspannten Kilometern gut sein und stieg in den Zug, nicht ohne vorher beim Bäcker am Bahnhof nochmal etwas Nahrung aufzunehmen – mit der Infrastruktur war es nämlich nach Zella-Mehlis nicht mehr weit her.

Die groben Daten, von Freitag Abend bis Sonntag Nachmittag:

152,0 Kilometer
10:34 reine Fahrzeit
14,4 km/h Schnitt
2.536 Höhenmeter

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2 Gedanken zu “#bratwurstrace2020

  1. schoenie schreibt:

    Klasse, das klingt auf jeden Fall nach einer Menge Spaß! Ich hab’s ja geahnt, dass ich da etwas verpasse, so knapp vor der Haustür. Aber die Termine drängen sich plötzlich mit der neuen „Freiheit“. Vielleicht bekommen wir dieses Jahr noch ein gemeinsames Event hin Jochen! Bis dahin: Allzeit gute Fahrt!
    LG DerMario

    Gefällt 1 Person

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