Ehrgeiz, Fotografie, Gravelbike, Lust, Mensch-Maschine, Tour > 200 km

I did it again: Candy B. Graveller (1/2)

So, hier kommt nun auch mein Bericht – nicht mehr der Fünfteiler vom Vorjahr, aber zwei Teile. Wie immer schwankt die Qualität des Textes und der Bilder: Fotopausen sind die größten Zeitfresser überhaupt, böten aber die besseren Motive, Fotos in Pausen kosten nicht viel Zeit, aber letztlich ist es immer das gleiche – Menschen, Essen & Trinken, vielleicht ein landschaftlich interessantes Motiv, aber doch meistens Zivilisation. Und mit fast zwei Wochen Abstand wird die Erinnerung langsam eingetrübt, nicht zuletzt, weil mich der Alltag bereits am Tag nach dem Candy wieder voll vereinnahmt hat. Mein Bericht, Teil 1:

Donnerstag, 12. April – Tag 1 (KM 0–144)

6.15 Uhr – Abfahrt in Würzburg. Jürgen ist am Vorabend aus München angereist und hat mit mir das traditionelle Carboloading praktiziert: Pizza vegetarisch und etliche Biere.

8.45 Uhr – Terminal 4. Die Mischung aus stoischer Ruhe und nervösem Herumwuzeln für mich. Vor dem Start lauter neue Gesichter, die erst im Lauf der nächsten Tage teilweise zu Charakteren werden – wie Stefan (rotes Trikot), dem ich noch öfter begegnen werde, während ich Jürgen in wenigen Stunden das letzte Mal sehe.

9.15 Uhr – Frankfurt scheint eine hohe Moulton-Dichte zu haben – auch im letzten Jahr stand ein rotes am Startpunkt.

9.30 Uhr – Luftbrückendenkmal. Nach der kurzen Fahrt zum eigentlichen Startpunkt … die Räder wandern wieder zur Seite, Fotos, Fotos, Fotos.

9.40 Uhr – Ich habe keinen Moment daran gedacht, das Denkmal zu fotografieren … lieber ein Foto mit Jesko, der beim ersten Mainfranken Graveller mit am Start war und Anfang August einen eigenen Graveller am Start hat, »Taunus Bikepacking«. Da freue ich mich besonders drauf, auch wenn eine garstige Höhenmeterzahl angesagt ist.

10.05 – On the road. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto und einer bewegenden Ansprache von Gunnar Fehlau (die diesjährigen Candy-Pilotinnen und -Piloten tragen ein rosa Band im Gedenken an gleich zwei Tote, die vielen wohl auch persönlich bekannt waren) geht es pünktlich los, und nur ein kurzes Stück vom Denkmal zum Schotter geht es auf einer dicken Straße lang.

12.10 Uhr – Irgendwo um Darmstadt herum. Was geht mir wohl durch den Kopf? Welcher Richtung ich folgen muss zum Mittagessen? Oder was wohl der Grund sein könnte, warum man den gleichen Begriff einmal mit, einmal ohne Bindestrich schreibt?

12.25 Uhr – Ich bin eh schon langsam genug, mit ca. 25 kg unter dem Hintern (ohne Trinkflaschen) schiebe ich ein ziemliches Gewicht unter mir her. Also keine Fotopause im Stehen, dieses Foto nur aus dokumentarischen Gründen: es gab schon vor dem »großen Regen« genug Pfützen überall. Meine Schaltung zickt – erst frisch eingestellt, und nun, nach ein paar Kilometern, habe ich ziemliche Schwierigkeiten. An Umwerfer und Schaltwerk, vorne und hinten. Ich bin zu langsam.

13.15 Uhr – Auszeit bei Axel. Endlich. Inzwischen habe ich Hunger, treffe Freund Jürgen wieder, den ich recht schnell habe fahren lassen (und ab hier auch nicht mehr wiedersehen werde), Bernd, Walter … und auch Stefan ist zu sehen, der mir hier vor Ort aber noch nicht aufgefallen war. Eine SMS geht ein, Dirk sieht meinen Tracker nicht mehr. Batterien leer? In Eppertshausen suche (und finde) ich eine Tankstelle, die Batterien einzeln (!) verkauft, kaufe zwei, fahre weiter ans andere Ortsende zum Track zurück, will die Batterien tauschen, sehe, dass ich statt nur zwei ganze vier bräuchte, fahre also wieder zur Tanke, kaufe zwei weitere Batterien, tausche diesmal sofort an der Tanke, alles läuft … nur ich habe wieder mindestens eine halbe Stunde verbummelt … Ich bin zu langsam.

16.40 Uhr – Auf der Strecke bis Michelbach kann man rechts die Spessart-Ausläufer sehen. Ziemlich flach. Sooo steil kann das letztes Jahr doch nicht gewesen sein, oder? In Michelbach denke ich mir aber gleich wieder: Doch, es war so steil. Die erste lange Schiebepassage, einen alten Hohlweg hoch, mit der schweren Kiste kein echter Spaß.

17.00 Uhr – Oben am Waldrand der Blick zurück nach Westen, im Hintergrund die Skyline von Frankfurt. Und noch keine 100 Kilometer auf dem Track abgearbeitet. Kann es sein, dass ich zu langsam bin?

Ich kurbele eher lustlos vor mich hin, die Landschaft ist aber schön – und genug Zeit zum Betrachten habe ich ja, denn ich bin unsäglich langsam an den Anstiegen. Zu schwer unterwegs.
In Wirtheim (KM 120) treffe ich wieder auf Walter – und Stefan, der mir hier zum ersten Mal auffällt, denn er hat dieselben Gravelpacks wie Walter und ich. Walter hat seine mit zusätzlichen Riemen am Lowrider fixiert, ich nicht, und meine hängen sich ständig unten aus (eher ein ästhetisches Problem, ansonsten bisher harmlos). Stefan hat beide Haken in einer interessanten Überkreuz-Einstellung positioniert, so dass die Taschen sich nicht aushängen können. Hat er eindrucksvoll demonstriert, muss ich (fauler Sack) endlich auch bei meinen machen.
Walter ist nicht fit, aber ich freue mich, nun wieder ein wenig in Gesellschaft weiterzuradeln – und auf den Overnighter mit Walter, denn wir steuern schon in Wächtersbach die Tankstelle an, um den Schlummertrunk mitzunehmen, kurbeln aber noch weiter, in die Nacht hinein. Und in aufkommenden Regen, der noch als Nieselregen durchgeht trotz einiger heftigerer Einlagen. Regenjacke. Dunkelheit. Keine Lust mehr. Hüttensuche.
Wir stehen im Wald, ich checke komoot – und wir steuern die Albrechthütte an (KM 146), eine große Schutzhütte … bereits belegt von zwei weiteren Candy-Piloten, die uns aber gnädig aufnehmen, auch wenn beide schon auf der Zielgeraden (Schlafsack) sind und wir nochmal richtig aufdrehen, froh, das Kurbeln für heute zu beenden.

Freitag, 13. April – der zweite Tag, ein »verlorener« dazu (KM 144–233)

Schon am Vorabend war das Wetter Thema. Prinzipiell tolle Vorhersagen für die Dauer des Candy … nur eben für Freitag nicht, im Gegenteil: Regen ist gemeldet, und zwar ordentlich. Das dämpft die Stimmung etwas …

6.30 Uhr – Albrechtshütte. Guten Morgen Sonnenschein? Denkste: Schon die Nacht war nicht ganz ruhig verlaufen (um 3 Uhr herum donnerten mehrere LKW an der Hütte vorbei, gefühlt mittendurch), und auch der neue Tag beginnt verhalten – der Nieselregen hat alles außerhalb der Hütte schön durchfeuchtet, Walter geht es immer noch nicht besser, und nach seinen Wetter-Prognosen gehts mir auch fast schon schlecht: »Da kommt heute noch richtig was runter« …

10.45 Uhr – Südlich von Fulda. Der Vormittag verlief schleppend und ohne echtes Tempo, dafür mit einigem Wasser von oben und viel Wasser unten. Andere Candy-Fahrer trifft man eigentlich nur bei Pannen, von denen es aber genug gibt …

… so wie hier: Kette gerissen. Bevor ich mein einziges Kettenschloss weggebe, verleihe ich erstmal meinen Leatherman. Die Kette wird genietet, der nächste Radladen in Fulda ist keine 10 km mehr weg, hier muss ich also nicht zwingend meine Ersatzteile verschleudern. Kleiner Hinweis auch auf den Dirt-Faktor, der diesen Tag bestimmt.

11.45 Uhr – Fulda. Auf eine Minestrone mit Walter – im Laufe des Vormittags, gerade als ich ankündigen will, schneller weiterfahren zu wollen, teilt er mir mit, dass er in Fulda aussteigen wird. Gesundheit geht vor – ich weiß das, ging mir ausgerechnet beim MfG genau so. Und ich weiß um das beschissene Gefühl, so eine Fahrt abbrechen zu müssen – also fahre ich bis Fulda mit Walter zusammen und rutsche dabei in meinem Zeitplan nochmal etwas nach hinten. Egal – ich fahre kein Rennen, nicht mal gegen mich selbst, und Freundschaft ist wichtiger als irgendein Ehrgeiz.

13.15 – Im Wald. Tja, und da die Zeit knapp ist, bleibt auch nicht viel davon übrig, um meinem kleinen Laster (Bildstöcke am Wegrand) zu fröhnen. An diesem Nachmittag treffe ich öfters auf Andreas und Oli, manchmal radeln wir ein Stück gemeinsam, aber ich bin zu langsam für die beiden und lasse immer wieder abreissen – trotzdem schließe ich immer wieder auf bzw. überhole sie (unsichtbar) und wundere mich, dass sie mich wieder einholen, nachdem sie erst eine Stunde zuvor davongefahren waren. Nette Plaudereien, zwei sehr sympathische Typen – das ist eigentlich das, was mir an solchen Veranstaltungen am meisten gefällt: Man lernt ständig neue, sehr nette Menschen kennen!

15.45 Uhr – Vor Point Alpha. Dieser Abschnitt ist nicht unbedingt mein Favorit – etliche KM Kolonnenweg, die sich wirklich eklig fahren, zumindest mit meinen 38er Reifen. Heute garniert mit inzwischen einsetzendem Dauerregen, der immer länger dauert und immer mehr regnet … nach dem Plattenweg schüttet es aus Eimern, ich bin mitten auf freiem Feld – und finde eine Scheune mit angebautem offenen Geräteschuppen kurz vor Setzelbach. Vorne eine Egge, dahinter ein Grubber – ich stoppe, hebe das Rad ins Innere, lasse den strömenden Regen draußen und koche mir erstmal einen Kaffee … Funkloch, ich habe viel Zeit, dem immer noch stärker werdenden Regen ablenkungsfrei zuzuschauen und knipse eher unmotiviert den Blick nach draußen …

… hätte ich allerdings geahnt, wie deutlich die Fotos das langsame Absaufen auch meines Schuppens dokumentieren, hätte ich das etwas sorgfältiger gemacht. Fakt ist: Der Weg ist fast weg, der Boden des Schuppens inzwischen unter Wasser, und es strömt und strömt und strömt … fast zwei Stunden dauert diese Zwangspause, und danach ist alles, wirklich alles geflutet!

Als ich kurz vor 18 Uhr weiterfahren will, merke ich, wie klamm ich geworden bin – und wie lustlos. Ich checke die Optionen bei komoot (die Karte ist auf dem Smartphone, ich brauche also keinen Funk) und beschließe, Point Alpha noch zu überfahren und dann wenigstens bis Pferdsdorf (Ulster) oder noch besser Philippsthal (Werra) zu kommen. Auf Deutsch: wenige KM weiter als am zweiten Tag des Vorjahres – nur dass damals die Tour 8 (!) Stunden später startete, ich also wirklich deutlich hinter der Vorjahresleistung zurücklag. Wie kommt denn das zustande? … Ich bin zu langsam!

19.30 Uhr – Vacha. Der zweite Overnighter wird spontan zum Trocken-Nighter umgeplant.

In Vacha nehme ich mir ein Hotelzimmer, esse lecker zu Abend, treffe drei weitere PilotInnen (u.a. die »Jacke« vom Foto oben), und verlasse mich dummerweise auf die Ansage, dass es am nächsten Morgen um 7.00 Uhr Frühstück geben wird. Auch das Bezahlen der Rechnung nimmt am Abend fast eine Stunde in Anspruch – schräger Laden, aber bei der Anzahl an Optionen in Vacha (genau: 1) bleibt da nicht viel Auswahl. Immerhin: Einem Gespräch mit der Dame am Nebentisch entnehme ich, dass der »große Regen« am Nachmittag tatsächlich recht ordentlich war, in Fulda soll zwischenzeitlich Hochwasseralarm geherrscht haben …

Samstag, 14. April – Tag 3 (KM 233–356)

Frühstück um 7 Uhr? Denkste … niemand da. Vorher packen? Denkste, zu träge am Morgen. Irgendwann, kurz vor 9 Uhr, sitze ich wieder auf dem Sattel. Zu spät eigentlich, aber was solls? Für heute ist wieder bestes Wetter gemeldet, ich bin alleine und habe Zeit, langsam meinen Rhythmus zu finden – und zumindest den Umwerfer bekomme ich soweit in den Griff, dass nun das Schalten vom großen aufs kleine Blatt flutscht – das brauche ich öfter und exakter als umgekehrt: Beim Hochschalten stimmt ja meistens das Tempo, da kann es ein wenig knirschiger sein. Trotzdem: Alleine für die schlecht eingestellte Schaltung (und einhergehend das permanente Verschalten bzw. zu späte Gangwechsel) würde ich im Nachhinein 3–4 Stunden Zeitverlust auf die ganze Strecke ansetzen …

10.30 Uhr – Bei Widdershausen. Ach, alleine dieses kurze Stück Holzsteg neben der Werra ist einige Strapazen wert – wie ich diesen kleinen Abschnitt liebe!

11.20 Uhr – Der Dämpfer kommt dann gleich wieder hinter Fernbreitenbach – mehrere umgestürzte Bäume, über die ich meinen halben Zentner Fahrzeug wuchten darf … anstrengend.

11.50 Uhr – Entlang der Elte. Und dann wieder: Vergnügen pur – läuft.

13.00 Uhr – Bei Ütteroda, nördlich von Eisenach, die Wartburg ist gut zu sehen.

13.25 Uhr – Kurz vor Berka geht es nochmal durch ein wenig Schlamm durch – die Reifenspuren verraten deutlich, dass hier zuletzt erhöhter Radverkehr herrschte 😉

Inzwischen bin ich froh, etwas langsamer unterwegs zu sein, jede Stunde Sonnenschein heute hat das Chaos auf der Strecke deutlich vermindert, dieweil ich schon via Facebook die diversen DNFs aufgrund technischer Defekte mitbekommen habe. Klarer Favorit 2018: Abgerissenes Schaltwerk (u.a. Jesko, Dirk, Svenja, …) … 😦

Die (physischen und psychischen) Leistungen von Jesko und Dirk beeindrucken mich schwer: Jesko hat sein Rad querfeldein geschoben, stundenlang (16 km?), um dann vor einem verschlossenen Radladen abzubrechen – bitter. Dirk gebührt fast noch mehr Respekt, denn er hatte zuerst Probleme mit dem Freilauf, ist zurück nach Fulda geradelt, hat ihn in der Werkstatt richten lassen, und ist mit 5 (!) Stunden Rückstand (gegenüber seiner eigenen Zeit) wieder auf den Track zurück – nur um sich dann das Schaltwerk abzureißen. Oh Mann! Ich gebe zu: Die Facebook-Lektüre zwischendurch habe ich durchaus als zwiespältig empfunden – dass mittlerweile nicht nur René als erster nach 44 knapp 39 Stunden (inkl. 5 Stunden Ruhepause/Tag, neues Reglement im Kodex) mit einem 20er Schnitt gefinisht hat, sondern auch Uwe und Thomas, mit denen ich letztes Jahr in der Gruppe unterwegs war, demnächst gemeinsam auf den dritten Platz einradeln werden, das gibt mir hier, kurz vor dem Hainich (KM 290 von 640) echt zu denken: Bin ich am Ende viel zu langsam? …

13.45 Uhr – Anfahrt Hainich. Auch ein wunderschönes Gebiet, der Hainich. Nachdem ich in Berka bei einem freundlichen Herrn meine drei Wasserflaschen auffüllen durfte, schaue ich dem restlichen Tag erstmal entspannt entgegen, doch zuerst …

… braucht die Kette dringend eine ordentliche Portion Öl: Erstaunlich, wie das Regenwasser eine Kette so sauberspülen kann. Am Morgen ging es noch ganz gut, aber seit einer Weile steigert sich das Quietschen und Knarzen exponentiell. Dringendster Handlungsbedarf nun, und schon wieder überholen mich zwei Candy-Piloten: Wo kommen denn die alle immer noch her? Ich dachte, ich wäre schon längst das Schlusslicht? …

… und da kommt noch einer: Stefan wieder, den ich sehe, als ich gerade die zweite Hälfte des Anstiegs (nach dem Kettenölen) angehe – ich fahre erstmal hoch, denn Plaudern geht oben besser. Und: ein Foto auch 😉
Wir kurbeln eine Weile gemeinsam, plaudern, aber auch Stefan mahnt bei den Abfahrten eher Tempo als Smalltalk an. Kurze Zeit später reißt ihm die Kette – er besteht darauf, alleine klarzukommen, und ich fahre alleine weiter, zur Hainichbaude.

16 Uhr – Hainichbaude. In nullkommanix habe ich zwei alkoholfreie Weizen gezischt, da kommt auch schon Stefan wieder – es reicht noch für ein Foto von uns beiden, dann mache ich wieder los, während er sich eine Brotzeit gönnt.

Zwischenbemerkung: Der »große Regen« hat meinen Sigma gekillt. Den wasserdichten Tacho (der sowieso immer zickig war bei Regen, wenn das Wasser an die Unterseite des Tachos in der Halterung kam und die Kontakte kurzgeschlossen hat). Von drei Geräten (Sigma, Iphone/komoot und Garmin) läuft bisher nur noch der Garmin anstandslos: Der Sigma tot, komoot am ersten Tag launisch – heißt auch, dass ich letztlich gar keine exakten Zahlen zu dieser mehrtägigen Tour haben werde, denn auf dem Garmin war der Reisecomputer natürlich vor Fahrtantritt nicht auf Null, und extra »Aufzeichnen« hatte ich ebenfalls nicht gewählt. Mein Kontrollwahn bekommt einen Dämpfer, gleichzeitig wird der Blick immer klarer und ist nur noch nach vorne gerichtet …

… so wie hier, bei der Abfahrt vom Hainich Richtung Bad Langensalza.

Hatte ich schon erwähnt, dass Fotopausen die größten Zeitdiebe sind? …

16.40 Uhr – Bad Langensalza. Immerhin bin ich nun vom Tagespensum fast am Vorjahr dran. Das würde aber bedeuten, dass ich am Sonntag wieder 270 km Endspurt hinlegen müsste – völlig illusorisch! Damit ist klar, dass ich heuer einen weiteren Tag benötige – den Montag, allerdings nur bis 16.34 Uhr, denn da wird mein Zug am Berliner Hauptbahnhof abfahren. Nervös? Kein bisschen, eher erleichtert, dass ich nicht bis morgen, sondern erst bis übermorgen ins Ziel kommen muss.

17.10 Uhr – Nägelstedt. Und so muss ich jetzt doch mal eine kleine Pause einlegen – der Grill duftete bis an den Radweg hin: Ich war jung und hatte Hunger …

17.40 Uhr – Unstrut-Radweg. Wieder eines der wunderschönen, geschmeidig zu fahrenden Stücke. Und bei allem Gewicht unter mir: Wenn die Kiste erstmal am Rollen ist, dann gleitet das schon richtig angenehm dahin. Nur die Anstiege sind zeit- und kräfteraubend.

Unstrut-Radweg.

19.30 Uhr – Greußen. Der Klassiker vom Vorjahr (als ich nach einer Stunde Alleinfahrt wieder zur Gruppe aufschließen konnte). Ich hole den Proviant für die Nacht, treffe Stefan wieder, wir rollen ein Stück gemeinsam, zwei weitere Candy-Piloten schließen auf – aber meine Beine sind ziemlich leer. Etwa 120 km habe ich heute zurückgelegt – ein Witz! Die anderen wollen noch bis Eisleben kommen – das sind fast 70 km. Und mir zuviel – ich verabschiede mich von den dreien mit der Ansage, den nächstbesten Platz für die Nachtruhe anzusteuern.

21.15 Uhr – Oberhalb vom Molchbrongraben, in unmittelbarer Nähe zum Track, scheint mir der Feldweg bzw. dessen Rand ideal geeignet, endlich mal das Tarp mit Gestänge freistehend aufzubauen.

Etwas Feuerholz sammeln, Brennerle aufbauen – fertig ist einer der schönsten Overnighter, die ich bisher alleine hatte: Ohne Schutzhütte oder Wald, sondern an einer Hecke am Wegesrand. Abseits vom Track, außer Sichtweite der benachbarten Orte Niedertopfstedt und Frömmstedt und außer Hörweite der nächsten kleinen Landstraßen in einem ziemlich stillen Tal. Zuerst das Tarp aufgebaut, mit dem Gestänge eher experimentell, aber: gemütlich, mit der richtigen Mischung aus Offenheit oder Luftigkeit einerseits, Geborgenheit andererseits. Und recht schnell auf-/abbaubar.

Ich sitze eine ganze Weile da, das Brennerle vor mir, verzehre Speis und Trank von der Tanke, telefoniere mit meiner Frau … und genieße die absolute Ruhe an diesem Ort. Ich selbst werde ruhig, auch innerlich (»Ich bin zu langsam!«) – was für ein schöner Abend, so ganz alleine und doch mit dem guten Gefühl, Teil von Gemeinschaften zu sein: Familie, Freunde, Candy-PilotInnen, …

 

Teil 2 lesen …

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15 Gedanken zu “I did it again: Candy B. Graveller (1/2)

    • Danke, Mario! Ich gebe zu, dass ich bisher um Deine Berichte wie um andere einen Bogen gemacht habe, um mir erstmal noch den Kopf freizuhalten für den eigenen Sermon. Lediglich bei Eva habe ich schon geschmökert, weil sie ja mit Harald zusammen die Road-Variante gefahren ist, da schien mir die Gefahr der Kontamination der eigenen Erinnerung geringer … freue mich aber schon seit Tagen auf die Lektüre … 😉

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  1. Klaus Meyer schreibt:

    Hallo Jochen,

    ein schöner Bericht. Ich hab Dich die ganze Zeit auf dem Laptop verfolgt. Das Sch…wetter hatte ich letztes Jahr auch, was mich direkt vor dem Hainich aufgeben hat lassen. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil!
    Grüße, Klaus

    Gefällt 1 Person

  2. Stefan schreibt:

    Hallo Jochen,
    danke für die prominenten Erwähnungen im Bericht. Hat mich auch gefreut mit dir zu fahren :-). Respekt vor deiner Leistung am letzten Tag, schön, dass du nach Berlin gekommen bist. Bei mir war leider Samstag abend schon klar, dass ich es nicht bis Sonntag nach BLN schaffe (der Regentag hat zuviel Zeit gekostet). Mehr Zeit hatte ich dieses Jahr leider nicht. Nächstes Jahr dann wieder.

    Liebe Grüße
    Stefan

    Gefällt 1 Person

  3. Rene Fischer schreibt:

    Schöner Bericht. Wie ich lesen kann, hattest Du sehr viel Spaß. Danke fürs mitnehmen. ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen :-).

    Beste Grüße René

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  4. Pingback: Ein Punkt namens Jota | AndrAktiv

  5. Christian Biehl schreibt:

    Die Moultons gehören einem Kollegen von mir. War tatsächlich letztes Jahr mit seinem roten am Start und dieses Jahr mit dem silbernen 😉 Aber nur zum Anfeuern…

    Gefällt 1 Person

    • Seeehhhr cool, Dein Kollege!
      Beim obligatorischen „n+1“ stünde ein Moulton ganz oben, und ich weiß, dass der entsprechende Händler/Vertrieb bei Euch in der Nähe ist …
      Wenn ich mal groß bin, dann … 😉

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