DIY, Ehrgeiz, Fotografie, Gravelbike, Lust, Mensch-Maschine, Tour 100–200 km

Rhön Divide (1/2)

Ich bin »unterradelt« – kommt diese Bemerkung von Freunden, ist was dran. Ich fahre definitiv zu wenig zwischen den Touren, nämlich: gar nicht. Selbst zu Feierabendrunden kann ich mich nicht aufraffen – mir ist langweilig. Die komplette Birkenhainer Straße von Gemünden bis Hanau (Ost > West), den Eselsweg von Schlüchtern bis Miltenberg (Nord > Süd) – im Spessart warten schon zwei schöne Touren auf mich. Letzten Samstag gings zur Steinwand, nördlich von Poppenhausen (Wasserkuppe), zu einem Overnighter mit acht weiteren Bikepackern, am Sonntag zurück: Das ist es, was ich fahren möchte – Touren, die einen Grund haben jenseits vorgeschobener Gründe für Fahren um des Fahrens willen. Dabei bräuchte ich genau letzteres, klein dosiert zwischendurch, um überhaupt rumzukommen …

… stattdessen brüte ich über möglichen anderen Touren, selbst zusammengestellt und mit einem Motto versehen: Nach ein wenig Recherche etwa zum Sodenberg stellte sich heraus, dass dieser nicht nur geologisch, sondern auch industrie- und gesellschaftsgeschichtlich (und politisch) hochinteressant ist. Die Firma Leimbach & Co. GmbH hat den Steinbruch 1904 in Betrieb genommen – neben zahlreichen anderen in der Rhön. Meinem Faible für stillgelegte Steinbrüche kommt da sehr entgegen, dass der Steinbruch am Umpfen (1914 in Betrieb genommen) sehr weit nördlich liegt, in der thüringischen Rhön. Wenn das mal kein Motto wird: Die Rhön von Norden nach Süden durchfahren mit ein paar Schlenkern zu einzelnen Bergen, verknüpft u.a. mit der interessanten und beschämenden Geschichte der jüdischen Firma, die ein halbes Dutzend Steinbrüche in der Rhön gegründet hat oder an solchen beteiligt war. Prosaisch »Rhön Nord–Süd« genannt in der ersten Planung, kam Tobi schnell mit dem Namen »Rhön Divide« daher.

Nicht unpassend – nach etwas Feinschliff stand der Track mit 240 Kilometern Länge und ca. 5.800 Höhenmetern, vom Bahnhof Bad Hersfeld zum Sodenberg bei Hammelburg. Fast 30 Gipfel werden überfahren, einige nah umfahren (Ulsterberg etwa), wenn kein (oder kein sinnvoller) Weg (oder Anlass) zum Gipfel führt. Den Reigen eröffnet der Landecker (510) östlich von Bad Hersfeld (220), danach gibts ein interessantes Menü, das in der ersten Hälfte thüringische Rhön satt bietet: Soisberg (630), Ulsterberg (487), Öchsenberg (627), Dietrichsberg (669), Baier (714), Emberg (550), Sachsenburg (721), Steinkopf (694), Gläserberg (670), Hohe Asch (611), Umpfen (701), Steinkopf (608), Schafküppel (807) und Ellenbogen (813).

Meiner Vorliebe, alleine zu fahren und ausgiebig zu dokumentieren (Fotostops), kam diesmal gelegen, dass T ’n’ T, wie ich Tilman und Tobias mittlerweile nennen muss, andere Zeitfenster zur Verfügung stehen als mir im September. Also bin ich am Mittwoch (2.9.) los, für drei Tage, um allerdings am zweiten Tag festzustellen, dass ich bis Freitag nicht entspannt (!) genug rumkommen werde. Der Abbruch wurde strategisch günstig am Ellenbogen vollzogen – ungefähr die Hälfte des Tracks. Die 30 Km bis Mellrichstadt zum Bahnhof waren die beste Option, von dort werde ich demnächst wieder starten und den restlichen Track abfahren.

Zu den Fotos: Ich habe diese portionsweise bereits auf Facebook veröffentlicht, am Mittwoch und Donnerstag, während ich unterwegs war. Die Bilder sind extrem kontrastreich (kein HDR) – ich bin kein ambitionierter Fotograf, der stundenlang die trüben IPhone-Fotos bearbeiten mag. Stattdessen bekommen sie, analog zur überschaubaren Interaktion mit dem Smartphone vor dem Erstellen eines jeden Fotos auch danach ein standardisiertes Treatment – Kontrast und einen weißen Rahmen. Das trifft meine Eindrücke und Stimmungen mehr als der Versuch, mich einer vermeintlichen Authentizität anzunähern: Die Fotos zeigen nicht nur, was ich gesehen habe, sondern auch, wie ich es wahrgenommen habe … 

Mittwoch, 2. September
Bad Hersfeld bis Emberghütte
(76 Km / 1.900 Hm)

Start um 8.15 Uhr in Bad Hersfeld (220 ü.N.N.), nach 16 Km Solztalradweg gehts zum Landecker (511) hoch.

Berg #2: Soisberg (630).

#3: Ulsterberg (487) bei Pferdsdorf.

#5: Öchsenberg (627) und #6 Dietrichsberg (669).

#7 Baier (714) und #8 Emberg (542). Overnighter an der Emberghütte.

Donnerstag, 3. September
Emberghütte bis Ellenbogen, danach nach Mellrichstadt
(70 Km / 1.100 Hm)

Start um 7.45 Uhr an der Emberghütte. Es folgen die Berge #9/10 Röderburg/Sachsenburg (721), #11 Zellerkopf (694), #12 Steinkopf (694) und #13 Gläserberg (670).

#14 Hohe Asch (611) und #15 Umpfen (701).

#16 Steinkopf (608), #17 Schafküppel (807) und #18 Ellenbogen (813).

Vom Ellenbogen über den Eisgraben nach Mellrichstadt.

Tourdaten und Routen im Km-Tagebuch, Fortsetzung folgt …

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4 Gedanken zu “Rhön Divide (1/2)

  1. Gelegenheitsradler schreibt:

    Schöne Bilder einer interessanten Strecke. Da ist mir mal wieder bewußt geworden, wie hoch sich die Rhön doch in den Norden zieht.

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  2. Gerhard Kohl schreibt:

    Hallo Jochen,

    sehr schöne Bilder, und die Rhön steht auf meiner Tour Bucketlist ganz weit oben.
    Mir geht es ähnlich. Oft kann ich mich nicht aufraffen nur mal schnell ein paar Kilometer zu radeln. Wenn ich nicht fast jeden Tag zur Arbeit mit dem Fahrrad fahren würde, dann würde sich das bei mir schnell als Fittnesschwäche für die großen Dinger bemerkbar machen.
    Deine Bilder haben mich sehr inspiriert eine Rhöntour entsprechend deiner Ideen anzugehen.

    Gruß, Gerhard

    Gefällt 1 Person

  3. Fabian schreibt:

    Sieht nach einer schönen und interessanten Strecke aus. Werde sie wohl mal an einem sonnigen Oktoberwochenende in Angriff nehmen.

    Gruß Fabian

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