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»Mein« Franken Graveller …

… war natürlich der Mainfranken Graveller 2022 in der »Trackvater«-Edition. Am 26.5. (Christi Himmelfahrt, Starttermin wie jedes Jahr, auch die kommenden!) war es wieder soweit, der MfG22 startete, nach höflicher, aber bestimmter Aufforderung einer Teilnehmerin (»Jochen, es ist schon nach 9 Uhr – können wir endlich los? Ich bin heiß wie Frittenfett …«), mit wenigen Minuten Verspätung an der Residenz in Würzburg. Fast 60 Starterinnen und Starter machten sich auf die Runde um Mainfranken, nach zwei Jahren Zwangspause nun also endlich zum ersten Mal offiziell gegen den Uhrzeigersinn – zuerst in den Süden, dann Steigerwald, Haßberge, Rhön und Spessart. Mehr Informationen und Link zu den Strecken (inzwischen bei komoot als Collections angelegt und frei zugänglich – lange und kurze Version) auf der offiziellen Website …

Am Vorabend trafen sich schon einige Starterinnen und Starter im Biergarten der »Waldschänke Dornheim« – gute Gelegenheit für mich, schon mal einen Teil der Organisation abzuarbeiten: Haftungssausschlüsse unterschreiben lassen … und Spoke-Cards verteilen. Letzteres habe ich mir bei Thomas und seinem Bratwurstrace abgeschaut, denn das fand ich eine tolle Idee: Einerseits Kenntlichmachung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Strecke, andererseits ein schönes Souvenir für hinterher, denn es gibt ja nichts sonst. Trotzdem war der Löwenanteil am Morgen zu tun, wie immer eine tolle Atmosphäre – geschäftiges Hin-und-herwuseln, Wiedersehen, Smalltalk …

Dann endlich ist es soweit: Das obligatorische Gruppenfoto vor dem Residenzbrunnen, sechs Minuten nach neun …

… und los!

Puh. Und mir fielen dann doch mehrere Steine vom Herzen, als die Meute endlich ums Eck gebogen und aus meinem Blickfeld verschwunden war. Zwar galt auch hier nicht »aus den Augen, aus dem Sinn«, aber in diesem Jahr gab es kein Live-Tracking, keine Kooperation oder Partnerschaft, kein Sponsoring – einfach fahren war angesagt. Auch für mich, allerdings im noch kürzeren Modus als bei denjenigen, die die kurze Runde fuhren. Ich ging nach dem Start nach Hause, den Papierkram ablegen und das Rad umpacken, und saß eine Stunde nach dem offiziellen Start selbst auf dem ECR, um der Meute hinterherzuradeln, erstmal regulär auf dem kurzen Track …

Bevor Bemerkungen kommen, dass ich mit ungeputztem Rad starte: Rechts nach 3 Stunden Fahrt inkl. dem Singletrail vom Schwanberg Richtung Castell – immer Pfützen, also wozu noch vorher putzen, wenns eh umsonst sein wird?

Nach dem Singeltrail und meiner ersten Pause nach etwas über 50 Km kamen übrigens schon die ersten Lang-Fahrer vorbei – haben die aber auch ein Tempo drauf, immerhin fast 60 Km mehr als die kurze Version … ich fuhr noch bis Greuth den regulären kurzen Track, dann aber bog ich ab und ließ diesen Teil des Steigerwalds aus, während ich an seiner Westkante entlang Richtung Handthal radelte, um von dort hoch zum Murrleinsnest (und dem Track) zu gelangen. Mein Plan für die nächsten drei Tage war, immer mal wieder abzukürzen, um unterwegs die anderen zu treffen. Fotos habe ich an dem Tag kaum gemacht. Gegen 17 Uhr erreichte ich den Zabelstein, traf dort noch etliche Fahrer:innen und fuhr dann via Böhlgrund den Track weiter, allerdings verließ ich ihn am Main, wechselte schon bei Horhausen auf die andre Mainseite und ließ Schweinfurt aus. Gegen 20 Uhr gabs Abendessen in Gädheim, direkt am Radweg. Eigentlich wollte ich dort gleich bleiben, aber der »Buschfunk« (lose SMS-Kontakte mit einigen anderen) meldete die Option, in Schonungen in einem privaten Gartengrundstück zu übernachten. So endetet der erste Tag dann 4 Km hinter Gädheim, mit einer frischen Dusche und einem Biwak oberhalb von Schonungen … mit 130 Km gar nicht übel für meine Untrainiertheit. Und der Abend klang langsam aus, zusammen mit Sandra und Katja, Cristobal, Franz, Thomas, Thilo und Timo.

Am nächsten Morgen gabs Frühstück beim Bäcker Rohr in Schonungen – ich ließ die anderen allerdings ziehen und fuhr gemütlich zum Ellertshäuser See, der derzeit leer ist.

Am Ellertshäuser See bog ich auf die nächste Abkürzung ab, via Stadtlauringen nach nach Sulzfeld und von dort quer rüber nach Wülfershausen, wieder auf den Track.

Um die Mittagszeit war ich am »Grünen Klassenzimmer« im Wald südwestlich von Wülfershausen – und da Nieselregen einsetzte, zog ich gleich mal mein Mittagsschläfchen vor. Und kurz vor der Weiterfahrt konnte ich dort auch noch etwas Ballast abwerfen …

Wieder auf dem Track, der Nieselregen vorbei, schien alles gut zu laufen – aber denkste: Nur kurz hinter Wülfershausen setzte der Nieselregen wieder ein, nur um in wenigen Minuten zu einem ordentlichen Guss zu mutieren. So kurz vor Hollstadt wollte ich meine Regenjacke nicht auspacken: Es gäbe ja in wenigen Metern eine Grillhütte, die ich mit ziemlichem Tempo ansteuerte und die ich erreichte, bevor mein Nässegrad die kritische Marke erreicht hatte. Nächste Pause – warum nicht gleich mal Mittagessen machen? Es regnete ziemlich heftig und recht lange, insofern stellten sich dann die anderen (die Gruppe vom Morgen) ebenfalls kurz mit unter. Da waren wir also wieder beisammen … 😉

Ich ließ auch hier die anderen wieder ziehen und begab mich auf die nächste Abkürzung: Via Bad Neustadt und den Brendradweg Richtung Bischofsheim. In Wegfurt füllte ich mir privat die Wasserflaschen auf, der freundliche junge Mann empfahl mir allerdings, statt bis Bischofsheim zu radeln, doch gleich von hier aus den Kreuzberg anzugehen. Warum nicht? Neue Wege, dafür ist Zeit …

… und so fuhr ich bereits bei Wegfurt ab, um den Kreuzberg via Neustädter Haus anzugehen. Mit meinen 30+ Kg unterm Hintern nicht wirklich ein Vergnügen, und dann bin ich dummerweise falsch abgebogen und musste mit ein wenig Hike-a-bike an der Gemündener Hütte vorbei. Den Kreuzberg-Gipfel erreichte ich kurz vor 19 Uhr. Saukalter Wind.

Am Kloster traf ich nicht nur Thilo, der hier seinen zweiten Tag beendet und bereits eingecheckt hatte, sondern auch Siggi und Jens, die hier zu Abend gegessen hatten und zur Kissinger Hütte fahren wollten. Ich wusste da schon, dass die Kissinger Hütte voll war – Jürgen und Karl-Franz waren weitergefahren zum Berghaus Rhön und konnten dort noch ein Zimmer ergattern, in das ich mich miteinbuchte. Auch Siggi und Jens konnten dort noch ein Zimmer ergattern, und so ging es ohne Stop an der Kissinger Hütte direkt hinüber zum Berghaus Rhön, wo wir zu fünft den Abend ausklingen ließen.

Am nächsten Morgen fuhr ich wieder alleine los, direkt hinab ins Sinntal, um dort flach bis Rieneck zu radeln – aber was soll ich sagen: Wieder Gegenwind die ganze Zeit, das machte gar keinen Spaß. Ein Hinweis auf ein Bauwerk der Strecke 46 machte mir die Entscheidung leicht: Zwischen Eckarts und Rupboden bog ich links ab und arbeitete mich eine andere, bessere Auffahrt Richtung Dreistelz hinauf (das war also gleich noch Scouting für die Rhœn Divide), bog allerdings vorher im Wald wieder auf den Track ab Richtung Weißenbach – kurz vor 12 Uhr, Zeit für einen Besuch in der dortigen Metzgerei. Dort traf ich Julius, der sich ebenfalls ein Belegtes gegönnt hatte, und plauderte kurz mit ihm, bevor ich dem Track weiter folgte: Die Hochstraße nach Roßbach ist eine ziemlich schöne Waldautobahn, in dieser Richtung fast durchgängig mit leichtem Gefälle. Eine neue Schutzhütte gabs auch, direkt neben einem weiteren Bauwerk der Strecke 46.

Dem Track folgte ich noch bis zum Abzweig hinab ins Sinntal, beschloss dann aber, einfach mal oben zu bleiben und direkter nach Gemünden zu fahren: Für mich wäre heute, am dritten Tag, sowieso Schluss, also nutzte ich die Gelegenheit, neue Wege zu fahren – mit ziemlichem Erfolg. Zwei neue Hütten standen ebenso auf der Liste der Erkenntnis wie die Einsicht, dass die Strecke in Gegenrichtung, also von Gemünden hoch, schon eine echte Schweinerei werden würde … ziemlich steil und teilweise sehr rumpelig.

Von Gemünden aus ging es dann recht straight die letzten 45 Km zurück nach Würzburg am Mainradweg lang, im Biergarten von Himmelstadt hatte ich leider vergessen, komoot wieder zu starten, daher fehlen da in der Aufzeichnung ein paar Km. Wieder zuhause ging es gleich ans Rad putzen – diesmal hat es sich dann auch gelohnt … allerdings musste ich feststellen, dass der ECR-Rahmen doch schon ziemlich abgerockt ist, optisch: Neben etlichen Blessuren im Lack auch einige Stellen, wo die Oberrohrtasche den blanken Stahl freigerieben hat. Ich denke, ich werde dem Rahmen tatsächlich mal eine neue Farbe spendieren, pulverbeschichtet.

Mein Resümee: 330 Km und 2500 Hm, drei Tage unterwegs und immer mal wieder MfG22-Fahrer:innen unterwegs getroffen, dazu neue, teils hochinteressante Strecken kennengelernt auf den Abkürzungen. Für meinen Trainingsstand ein akzeptables Pensum abgespult, vor allem aber nach den vorherigen zwei Wochen, in denen jeder zweite Gedanke um die Organisation des »Mainfranken Gravellers« kreiste, ein gelungenes Kopf-frei-radeln, meistens alleine und doch immer in guter Gesellschaft, wenns drauf ankam.

Für den Mainfranken Graveller wird es ein eigenes Resümee auf seiner Website geben, das Feedback ist ziemlich überwältigend diesmal, und sehr positiv – das fehlende Tracking hat zwar die Koordination untereinander nicht gerade vereinfacht, aber dafür den Druck rausgenommen, sich und vor allem anderen etwas beweisen zu müssen. Trotzdem sind auch die Sportler:innen nicht zu kurz gekommen. Das wird also vermutlich so bleiben – kein Tracking, kein Stress.

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3 Gedanken zu “»Mein« Franken Graveller …

  1. schoenie schreibt:

    Spannend zu lesen, sehr interessant sowieso! Beim Anschauen des Schwarz-Weiß-Bildes auf dem Kreuzberg musste ich ganz schön lachen…spricht es quasi Bände.
    Danke für die ersten Einblicke in den MFG22 🙂 Beste Grüße aus Nordhessen, DerMario

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  2. Frank Bueltge schreibt:

    Danke dir für die Einblicke. Für mich spannend, da ich dieses Jahr bei meiner Veranstaltung erstmalig nicht selbst gefahren bin, sonst immer. Mehr Ruhe, weniger Packen, Planen, durchdenken.

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    • Ja, das selber fahren bei der eigenen Veranstaltung ist kniffelig – ich fand es heuer aber, ohne Tracking, sehr gut machbar. Ablenkung (also Kontaktaufnahme zu anderen) nur aktiv möglich, nicht mehr passiv (Tracking zeigt mir immer die Positionen aller an). Das half mir ungemein.

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