Ehrgeiz, Lust, Radwege, Rennrad, Tour 100–200 km, Training

Erste Kreuzbergrunde 2014

Wie bereits zu beobachten war, war dieser Winter mild – so mild, dass ich noch am 30. Dezember im alten Jahr schnell eine Schwanbergrunde und am 19. Januar zum ersten Mal in diesem Jahr nach Karlstadt fuhr. Beide Touren waren leider mit Stürzen garniert, aber das habe ich schon wieder ausgebügelt: am 22. Februar eine schöne Runde über Ochsenfurt, von dort über Erlenbach Erlach und Kaltensondheim nach Kitzingen und wieder über Ochsenfurt zurück. Dann am letzten Wochenende die erste Schwanbergrunde, wieder über Ochsenfurt und Marktbreit, diesmal dann über Iphofen nach Rödelsee, zum Schwanberg hoch und zurück über Kitzingen nach Würzburg. Beide Touren verliefen ohne Sturz – na also, geht doch. Dennoch muss ich vermutlich doch mal einen Arzt aufsuchen, die linke Schulter ist seit dem Januarsturz noch etwas empfindlich und schmerzt zuweilen …

Gestern, am Samstag dann: Kreuzberg! Ein Tag Urlaub für mich, nachdem ich irgendwie die Weihnachtsferien nicht richtig als Ferien empfunden und auch diese Woche Faschingsferien hier in Bayern konsequent im Büro mit Arbeit zugebracht habe. Nachdem ich im Herbst schon bei der letzten Kreuzbergtour Konditionsschwächen merkte, war auch diesmal klar, dass ich nur in eine Richtung fahren und vom Kreuzberg nach Bad Neustadt abbiegen werde, um von dort mit dem Zug zurückzufahren. Damit war auch der Druck raus, hier zu Höchstleistungen aufzulaufen – andererseits wuchs die Lust, die Hinfahrt zu variieren und diesmal über Gemünden und den Sinngrund hochzufahren. Ein Umweg einerseits (gut 20 km mehr), andererseits deutlich weniger Anstiege, bis Bad Brückenau (95 km) gerade mal 500 Höhenmeter. Zum Vergleich: Über Arnstein-Burkardroth beträgt die Gesamtstrecke Würzburg–Kreuzberg 95 km, mit über 1600 Höhenmetern.

20140308-02

Der krasse Unterschied rührt daher, dass bei der kürzeren Route zuerst das Maintal verlassen wird und man bei Gramschatz über die erste Hügelkette klettert – nur um bei Arnstein wieder auf Wern-Niveau hinunterzufahren (= ungefähre Starthöhe Würzburg/Main). Dasselbe gilt für die folgenden Anstiege, die man in einer grandiosen Abfahrt am Steinbruch bei Langendorf wieder verliert und sich dann auf Saale-Niveau (= ungefähre Starthöhe Würzburg/Main) wieder findet. Das sind fast 50 km mit etlichen Anstiegen, ohne dass auch nur ein einziger Höhenmeter in der Bilanz stehengeblieben wäre … ab Elfershausen bleiben dann mal ein paar der Höhenmeter stehen, aber erst ab Burkardroth (nach 65 km) gehen die Anstiege fast ausnahmslos auf das Guthaben-Konto.

Die längere Runde, die ich gestern fuhr, führt über Maintal und Sinngrund bis Bad Brückenau mit moderaten, kaum spürbaren Anstiegen erst ab Burgsinn (60 km). Aber dann zieht die Tour an, und ab Bad Brückenau geht es so richtig gnadenlos den Berg hoch. Die Höhenmeter sprechen für sich:

Würzburg – Gemünden (45 km) = ca. 75 m Anstiege
Gemünden – Bad Brückenau (50 km) = ca. 425 m Anstiege
Bad Brückenau – Kreuzberg (20 km) = ca. 700 m Anstiege

Ich habe versucht, das in einer (nicht ganz exakten) Grafik zu veranschaulichen. Man kann gut erkennen, dass bei der längeren Tour (blau) tatsächlich erst ab Burgsinn die Anstiege losgehen, während bei der kürzeren Tour (orange) zweimal »sinnlose« Anstiege gefahren werden (in Klammern die Streckenkilometer):

20140308-01

Letztes Jahr bin ich diese Strecke (über Gemünden) vom Kreuzberg zurückgefahren, 2012 auch schon einmal. Beide Male kam mir die Fahrt im Sinntal und dann ab Gemünden am Main entlang wie eine lästige Fleissarbeit vor: Kilometer sammeln ohne Abwechslung, wegkurbeln, nur schnell heim … dieses Mal also das »langweilige« Stück gleich an den Anfang der Tour gelegt. Und siehe da: Es hat richtig Spass gemacht! Die Mainroute bis Karlstadt ist eh immer eine Option für eine schnelle Runde, von dort nach Gemünden ist es ein Katzensprung.

Ich fahre um Punkt 8 Uhr gestern Morgen hier in Würzburg los und kurbele am Main entlang bis Gemünden, die Sonne und einen leichten Ostwind im Rücken. Dort gibt es am Marktplatz einen Cappuccino und ein belegtes Käsebrötchen – und, ja, auch eine Zigarette fürs Gemüt (das so sonnig ist wie der Morgen – ein Traum). Von Gemünden aus dann um kurz nach 10 Uhr über Schaippach in den Sinngrund – endlich entdecke ich den geteerten Radweg nach Schaippach! Ab hier dann, vor allem ab Rieneck, ist der Radweg im Sinngrund ein echter Traum, mäandert er doch wie die Sinn durch das Tal. Und sogar das lange, gerade Stück entlang der Bahnlinie, eigentlich ein echter Langweiler, fährt sich weg wie nichts. Nach Obersinn dann Wechsel auf die Landstraße – alles recht ruhig an diesem Samstag Vormittag. Dummerweise will ich in Zeitlofs mal wieder guten Willen beweisen, trotz der Ansage eines Anwohners, dass der Radweg nicht durchgängig geteert sei, und biege auf den ausgeschilderten Fernradweg ab – als ich im Wald dann absteige, um das Rennrad und mich weiträumig an den Matschlöchern vorbeizubringen, reicht es mir dann doch wieder, und ich kehre reumütig zur Teerstraße zurück. Die, das muss hier erwähnt werden, zwischen Zeitlofs und Bad Brückenau das geteerte Pendant zu der Waldpiste ist: Löcher, Flicken, alles natürlich rechts, da, wo der Radler fährt … fürchterlich.

In Bad Brückenau nochmal eine kurze Pause (inkl. Zigarette), Reifen säubern (ja, eitel, aber das Auge fährt mit), Orientierung (Punkt 12 Uhr), Entsetzen (95 km – anders gefahren, und ich wäre schon oben). Und Endspurt. Über Römershag nach Riedenberg, dort von der Bundesstraße weg über die ausgeschilderte Radroute – hoch und runter, hoch und runter: Eine Frechheit! Teilweise eine wirklich völlig sinnlose Routenführung, erdacht von Hirnen, deren Besitzer in ihrem Leben noch keine 10 km Fahrrad am Stück gefahren sind.

In Oberwildflecken dann beginnt das letzte, bekannte Stück, alleine auf den letzten 4 km warten noch ca. 250 m Anstieg. Den letzten Kilometer gehe ich leidenschaftslos an, wäre auch bereit zu schieben, bin eigentlich am Ende meiner Kräfte. Ich steige am Waldrand ab, schnaufe heftig, fahre noch ein steiles Stück hoch, steige noch einmal kurz ab – und ziehe dann bis oben durch. Keinen Meter geschoben, allerdings zwei Verschnaufpausen – das muss beim Kreuzberg-Debut zu Saisonbeginn doch drin sein, oder?

Oben dann (Ankunft 14.10 Uhr) ebenfalls Sonne, Sonne, Sonne – ich hole mir die verdiente Halbe Kreuzbergbier, einen Linsentopf mit Würstchen, wechsle die komplette Oberkörpergarnitur (Trikot, Langarm, Jacke) gegen die neue aus dem Rucksack und genieße die verdiente Pause. Nach einer knappen Stunde fahre ich ab nach Bischofsheim (YEEEAAAHHHH!) und von dort zügig nach Bad Neustadt. 145 Streckenkilometer bei Ankunft am Bahnhof, 16.18 Uhr besteige ich den Zug zurück, Ankunft Würzburg Hauptbahnhof um 17.22 Uhr. Feierabend.

Route Würzburg–Kreuzberg (über Gemünden) als GPX / KML.

Statistiken:

Würzburg – Gemünden am 8.3.2014:
45,76 Kilometer
1:43:43 Fahrzeit
26,47 km/h Durchschnitt
40,72 km/h max.
83 UPM Durchschnitt
76 m Anstiege

Würzburg – Bad Brückenau am 8.3.2014:
95,41 Kilometer
3:49:14 Fahrzeit
24,97 km/h Durchschnitt
48,67 km/h max.
81 UPM Durchschnitt
500 m Anstiege

Würzburg–Kreuzberg am 8.3.2014:
117,97 Kilometer
5:24:15 Fahrzeit
21,83 km/h Durchschnitt
49,25 km/h max.
75 UPM Durchschnitt
1200 m Anstiege

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10 Gedanken zu “Erste Kreuzbergrunde 2014

  1. Dirk schreibt:

    Übrigens suche ich zum Nachmachen ja noch meinen Esel. Wenn also einer der Blogleser ein Rennrad im Angebot hat … Rahmengröße ca. 62 cm

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  2. Martina schreibt:

    Kleiner Fehler: es geht von Ochsenfurt nach Kitzingen nicht über Erlenbach nach Kaltensondheim, sondern über ERLACH. Bitte ausbessern. Viele Grüße aus Erlach 🙂

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  3. Christine schreibt:

    Lieber Jochen,
    zum Thema nutzlose Höhenmeter fahren:
    Mein Fahrrad-Kollege Harald, dem ich dein blog gezeigt habe, sagt:
    Es gibt keine verlorenen Höhenmeter!
    Schönes blog, liebe Grüsse – Christine

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    • Liebe Christine,

      das freut mich aber, dass Du nun auf seriöse Lektüre umgeschwenkt bist …
      Ich schrieb aber »sinnlos«, und das bewusst in Anführungszeichen – früher habe ich überhaupt nicht auf die Höhenmeter geachtet, aber heute meine ich: ab 100 Kilometern Strecke lohnt sich schon der eine oder andere Blick auf diese, und ihr Verhältnis zur Gesamtstrecke.
      Ein besonderer Gruß an Deinen Fahrrad-Kollegen Harald: »All Heil!« hätte Heinrich Horstmann gerufen, von dem demnächst noch zu berichten sein wird …

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